Peter Lewandrowski/mlh

Das Obenkino – Kleines Kino mit großer Strahlkraft

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 30 Jahren -

 Auf der Homepage der Stadt lesen wir; »Nahe des Cottbuser Stadtzentrums befindet sich das legendäre Jugendkulturzentrum Glad-House, welches viele kulturelle Highlights in der Region bietet.« Dort können allerdings nicht nur Jugendliche Konzerten, Szeneparties, Ausstellungen und Workshops besuchen. Zum Stammpublikum des Obenkinos gehört auch die Generation Ü 50. Jenes Obenkino ist eine der charmantesten Cottbuser Kultureinrichtungen. Vor 30 Jahren, in den wilden Wendemonaten, gab es hier die ersten Filmvorführungen.

Damals begann die Zeit, in der die Kinos der Stadt in rascher Folge zunächst privatisiert und nach der Eröffnung des UCI dann geschlossen wurden. Arbeitslosigkeit, Videotechnik, Internet, das Privatfernsehen und das Großkino machten den Südlichtspielen, den Kammerlichtspielen und dem Weltspiegel den Garaus. Hochfliegende Pläne für neue Filmtheater am Neustädter Platz und in der »Berliner Passage« platzten.

Andererseits gab es in Cottbus eine stattliche Schar Filmenthusiasten. Sie waren vor der Wende in drei Filmclubs organisiert, den Hochschulfilmclub, den Jugendfilmclub am Klubhaus der Jugend und den Filmkunstklub der Staatlichen Kunstsammlungen.

Filmfreunde um Lutz Hattenbach

Lutz Hattenbach, der Chef des Hochschulfilmclubs, wandte sich schon Ende 1989 an die alten und neuen politischen Kräfte der Stadt mit der Bitte, die anspruchsvolle Kinolandschaft der Stadt zu erhalten. Im April 1990 war das Kino auch Thema der Sitzung des Runden Tisches. Die Forderung blieb wage, ging aber in die richtige Richtung: »Von den drei Kinos der Stadt müsste eines von der Kommune durch Subventionen unterstützt werden. Es sollte Initiativen dienen, die nicht unbedingt Gewinne bringen oder kostendeckend sind:« Die Kinofreunde um Lutz Hattenbach favorisierten jedoch ein anderes Objekt. Über die besten infrastrukturellen Voraussetzungen für ein kommunales Kino verfügte damals das Bezirkskulturhaus der Jugend in Form der Räumlichkeiten, die der dortige Filmklub auch schon zu DDR-Zeiten genutzt hatte. In der Stadtverwaltung fand man offene Ohren für das Projekt. Mit großem Aufwand wurden in den folgenden Wochen die Räume im Obergeschoss des Jugendclubhauses kinotauglich gemacht. Das Zauberwort, in der untergehenden DDR noch weitgehend unbekannt, hieß Vereinsgründung. Am 3. September 1990 gründete sich der Verein Kommunales Kino Cottbus e.V., Erster Vorsitzender war Lutz Hattenbach. Später trat Esther Undisz und dann Eberhard Nahly an die Vereinsspitze. Cottbus besaß nun ein Kino, wo Filmfreunde jenseits von Spiderman und Godzilla anspruchsvolle Programmträume umsetzen konnten. Die kleine Spielstätte zeigte Andrei Tarkowskis »Stalker«, »Eins, zwei, drei« von Billy Wilder, »4 Geschichten über 5 Tote« von Lars Büchel und – in jüngerer Zeit - »Gundermann« von Andreas Dresen, aber auch »Gundermann Revier« von Grit Lemke.

Den aufmerksamen Cottbuser Filmfreunden ist sicher nicht der Zusammenhang zwischen dem Obenkino und dem Festival des osteuropäischen Films entgangen. Den gleichen Akteuren wie bei der Gründung des Obenkinos schwebte vor, ein Filmfestival zum jährlichen Höhepunkt der ostdeutschen Filmklubbewegung zu entwickeln. »Testballon« dafür waren die Saarbrücker Filmtage im November 1990 in Cottbus. Die danach entwickelte Profilierung des Cottbuser Festivals in Richtung Osteuropa erwies sich in der Folgezeit als Glückgriff für Macher und Pubklikum. Auch beim Filmfestival stellte der inzwischen verstorbene Lutz Hattenbach als erster Festivaldirektor die Weichen.

Das Programm im Herbst

Doch zurück zum Obenkino. Seit Jahrzehnten wird das Gesicht des kleinen Kinos von Heidi Fischer bestimmt. Sie sorgt mit ihrem Team nicht nur für ein anregendes Filmprogramm. Auch interessante Gesprächsgäste, Konzerte und manches Nachdenkliche sind dort zu erleben. Die Corona-Krise hat die Kulturstätte überstanden. Für den Herbst kündigt die Obenkinochefin ein vielseitiges Programm an: »Am 29. Oktober gibt der Dokumentarfilm ›Brot‹ authentische Eindrücke in die heutige Welt des
Brotes und geht der Frage nach: Wie wird das Brot der Zukunft sein? Wie kann das Backhandwerk überleben? Nach der Filmvorstellung findet ein Gespräch mit Diana Lewandowski statt. In der Reihe Literatur&Gespräch liest Charlotte Wiedemann am 25. November aus ihrem Buch ›Der lange Abschied von der weißen Dominanz‹. Regisseurin Carmen Losmann setzt sich in ihrem Dokumentarfilm ›Oeconomia‹ mit den Grundlagen unseres Wirtschaftssystems auseinander.« Karten am besten online bestellen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.