Von Neuruppin nach Bohsdorf/Vorwerk– Fontane und Klinke (2)

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 155 Jahren -

Wir berichteten in der vergangenen Woche von Theodor Fontane und unse­rem Lausitzer Landsmann Carl Klinke. Beide hielten sich 1864 fern ihrer Heimat in Schleswig-Holstein und Süddänemark auf. Der 45-jährige Kriegsberichterstatter und der 24-jährige Soldat der Pionier­truppe waren dabei, als im Deutsch-Dänischen Krieg die Zugehörigkeit des Herzogtums Schleswig entschieden wurde. Das Herzogtum, ein Lehen des dänischen Königs, war vor dem Krieg kulturell deutsch, dänisch und friesisch geprägt. Friedrich Engels stellt in einem Brief an Karl Marx klar, dass zumindest Südschleswig „durch Nationalität und freien Willen deutsch ist.“

Beim Stichwort Dänemark denkt man heute an ein modernes, ausge­sprochen friedliches Land. Das war vor anderthalb Jahrhunderten noch nicht der Fall. Mit der Novemberverfassung von 1863 versuchte der zu diesem Zeitpunkt keineswegs pazifistische Staat, Schleswig verfassungsrechtlich und sprachlich an das Königreich zu binden. Fontane dazu: „Alles handelte sich jetzt um die Frage, ob König Christian IX. die neue Verfassung unterzeichnen wird oder nicht. Die Unter­schrift entschied über Krieg und Frieden.“ Der Deutsche Bund schritt ein und besetzte zunächst die Herzogtümer Hol­stein und Lauenburg. Am 1. Februar 1864 überschritten österreichische und preußische Truppen die Grenze zu Schleswig. Der Deutsch-Dänische Krieg begann. Er gilt als der erste der drei Reichseinigungskriege. Offiziell ging es um die Rücknahme der No­vemberverfassung. Preußens Ziel war aber von Anfang an die Annexion der Herzogtümer nördlich der Elbe.

Fontane berichtet über zwei Helden

Die zahlenmäßig und technisch un­terlegene dänische Armee rechnete mit britischer und russischer Un­terstützung, die jedoch ausblieb. Die Preußen, ausgerüstet mit Hinterla­dergewehren und ersten Geschützen mit gezogenem Lauf, erzwangen mit den österreichischen Verbündeten die kampflose Aufgabe der Verteidigungs­linie Danewerk. Jetzt sollte vor der Festung Düppel nahe Sonderburg am 18. April die Entscheidung fallen. Fon­tane beschreibt in seinem Bericht „Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864“ die dänische Stellung so: „Es war eine Doppelreihe von Werken; in der ersten Reihe lagen sieben, in der zweiten Reihe drei weitere Schanzen (vorübergehende Feldbefestigungen), später wurde der zweiten Schanzen­reihe … noch eine dritte Verteidigungs­linie hinzugefügt.“ Bei der Erstürmung dieser starken Befestigungslinie taten sich nach Fontane zwei Männer her­vor. Auf dänischer Seite war das der todesmutige Leutnant Johan Anker, Artilleriekommandant auf Schanze 2, und auf preußischer Seite unser Carl Klinke.

Dessen Auftrag bestand darin, mit zwei Kameraden eine Sprengladung an Schanze 1 anzubringen. Diese ist beim Hantieren mit dem Zünder explodiert. Der Pionier erlitt schwe­re Verbrennungen, die er nur kurze Zeit überlebte. Aber die Schanze war durchbrochen. Die erfolgreiche Erstür­mung der Düppeler Schanzen gilt als kriegsentscheidend. Fontane zitiert ei­nen Bericht über die Explosion, „durch welche 4 Palisaden nach der Schanze zu umgebogen, der Pionier Klinke links und der Leutnant Diener rechts in den Graben geschleudert wurden.“ Nach dem Schanzensturm fand man dann „den Pionier Klinke, stark im Ge­sicht verbrannt und mit einer Schuss­wunde durch Arm und Brust, noch am Leben vor“. Er starb auf dem Weg ins Lazarett.

Der Klinke mit dem Pulversack

Vor 1945 kannte jedes Kind den Klinke mit dem Pulversack. Der Bohs­dorfer wurde zum Helden gemacht und in Lesebuchgeschichten und Sonntagsreden gefeiert. In der DDR schrieb Helmut Winzer in den Nieder­lausitzer Studien 1970 hingegen: „Wir würdigen das Heldentum Carl Klinkes und verurteilen den Missbrauch seines Namens“. Ein Dämlack, wie Strittmat­ter im „Laden“ behauptet, war sein Landsmann Klinke sicher nicht. Die Tatsache, dass der Durchbruch letzt­lich an seinem Namen festgemacht wurde, wirkte sich positiv auf dessen Hinterbliebene aus. Nicht nur in der Spremberger Umgebung, sondern im ganzen Reich wurde für die Witwe gesammelt. Dabei sollen 12 000 Mark zusammengekommen sein.

Im Cottbuser Anzeiger las man zum 50. Jahrestag der Schlacht: „Blut fließt dabei, aber das ist in der Weltgeschichte wie auf dem Ackerboden ein frucht­bringender Stoff.“ Das war im April 1914. Noch waren solche dümmlichen, nass­forschen Sprüche gefragt. Aber nur vier Monate später begann ein Krieg, gegen den sich der Düppeler Schanzen­sturm wie ein Herbstmanö­ver ausnahm und vom dem viele Tausend Niederlau­sitzer nicht lebend zurück­kehrten.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Festung Xpierence mit ADC-Award geehrt

Dresden. Die neue Erlebnis-Schau »Festung Xperience« in der Festung Dresden hat den silbernen ADC-Award  des Art-Directors-Club-Wettbewerbes 2020 in der Kategorie »Exhibition Experience themenbezogen – Ausstellung« gewonnen. »Ein wahrlich richtungsweisendes Projekt. Perfekt abgestimmtes 3D Audio mit einem immersiven Projection Mapping führt zu einem absolut einzigartigen Erlebnis. Perfekt inszeniert und mit einer dramaturgischen Glanzleistung«, so lautet das Urteil  der Jury des ADC. Dr. Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Burger, Schlösser und Gärten, freut sich: „Das ist eine unerwartete Freude und Auszeichnung für unser innovatives Ausstellungsprojekt. Festung Xperience, das künftig gemeinsam mit dem Projekt im Dresdner Zwinger ein Teil der Dresden Xperience sein wird, hatte im Winter 2019/2020 einen sensationellen Start und musste – wie viele andere Ausstellungsprojekte auch – in den vergangenen Wochen ungeplant pausieren. Wir freuen uns jetzt nicht nur über den tollen ADC-Award, sondern auch darüber, nun endlich wieder Gäste und Besucher in einem der ältesten Bauwerke Dresdens von einem innovativen und umwerfenden Ausstellungsformat überzeugen zu können.“ Der Art Directors Club für Deutschland ist ein unabhängiger Verein mit dem Ziel, exzellente kreative Kommunikation zu finden und zu fördern. Die neue Erlebnis-Schau »Festung Xperience« in der Festung Dresden hat den silbernen ADC-Award  des Art-Directors-Club-Wettbewerbes 2020 in der Kategorie…

weiterlesen

Fritz ist Baby Nr. 1.000 der Uniklinik Dresden

Dresden. Große Freude bei Ann-Kristin Kästner und Tobias Stumpfhauser: Am 25. Mai kam ihr Sohn Fritz (4.235 Gramm, 56 Zentimeter) per Kaiserschnitt gesund und munter zur Welt – als 1.000 Baby des Uniklinikum Dresden in diesem Jahr. Dass Papa Tobias seine Frau und Baby Fritz besuchen darf, ist nicht selbstverständlich: Aufgrund der Pandemie galten in den vergangenen Wochen auch in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe besonders strenge Sicherheitsregeln. Bis zur Entlassung mussten Mütter mit ihren Neugeborenen auf die Väter verzichten. Seit Montag gelten nun gelockerte Besuchsbestimmungen für die Wöchnerinnenstation. Jede Patientin darf wieder einen Besucher pro Tag empfangen, wobei jedoch weiterhin Abstands- und Hygieneregeln zu beachten sind. Auch wenn Fritz acht Tage später als das 2019er-Jubiläumsbaby zur Welt kam: Der Trend für konstante Geburtenzahlen am Uniklinikum hält weiter an.Bis jetzt haben in diesem Jahr die Jungs wieder die Nase vorn: So zählt die 2020-er Statistik der Geburtsklinik bisher 512 Jungen (2019: 491) und 488 Mädchen (2019: 509). Bis 25. Mai kamen 48 Zwillingspärchen zur Welt, 2019 waren es im gleichen Zeitraum nur 45.  Große Freude bei Ann-Kristin Kästner und Tobias Stumpfhauser: Am 25. Mai kam ihr Sohn Fritz (4.235 Gramm, 56 Zentimeter) per Kaiserschnitt gesund und munter zur Welt – als 1.000 Baby des Uniklinikum Dresden in diesem Jahr. Dass Papa Tobias seine…

weiterlesen