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80 Jahre und Goldene Hochzeit: Heinz bleibt Heinz

Menschen. Vom Fach Operngesang in Dresden zu „Spuk im Hochhaus“ bis zum ZDF-Traumschiff.

Sonntagnachmittag in einem kleinen, verträumten 1792 Seelenort im Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein). Das einst slawische Dorf, erstmals 1230 urkundlich erwähnt, liegt still in der Wintersonne. Heinz Rennhack (79), ist gerade von einem Spaziergang nach Hause gekommen. Ehefrau Annemarie (72) hat Kaffee gekocht, bittet ins gemütliche Wohnzimmer.

Sie gastieren vom 24. bis 27. Januar mit dem Schwank „Zwei Genies am Rande des Wahnsinns" in der Dresdner Comödie. Verraten Sie uns kurz, worum es darin geht?

Das skurrile Stück handelt von zwei verkrachten Gestalten in Geldnot, einem neurotischen Komiker und einem ehemaligen Staatsschauspieler. Beide können sich nicht ausstehen, treffen sich aber für einen gemeinsamen Auftritt auf einer Probebühne. Dabei glaubt der eine, er sei für eine Hochzeit gebucht, der andere meint, es geht um eine Beerdigung. Ich verspreche: Das Publikum wird viel Spaß haben!

Sie machen sich also mit Ihrem Bühnen-Partner Heinz Behrens (84) sprichwörtlich zum „Heinz"?

Wie sonst könnten wir die Zuschauer so zum Lachen bringen? Das total witzige Chaos erfordert natürlich von uns knapp zwei Stunden lang auch totalen Kopf- und Körpereinsatz.

Womit wir beim Geheimnis Ihrer Fitness wären...

Durch so ein turbulentes Stück bleibt man dankenswerter Weise in körperlicher Topform. Gesünder kann Arbeiten eigentlich gar nicht sein. Außerdem trainiere ich wöchentlich zweimal im Fitness-Studio an den Geräten.

Stimmt es, dass nach besonders anstrengenden Auftritten zu Hause auf Sie ein ganz besonderes Ritual wartet?

Ja, meine Frau überrascht mich dann mit einer wohligen Rückenmassage, die wirkt wunderbar bei hartnäckigen Verspannungen. Danach bereitet sie mir noch ein Dampfbad mit Kamillenblüten, das hilft hervorragend, um den Kopf wieder freizumachen.

Sie werden am 5. März 80 Jahre alt, was hält Sie denn geistig auf Trab?

Ich denke, grundsätzlich ist es so: Wenn der Mensch aufhört, neugierig zu sein, wird es gefährlich. Für mich wäre es die größte Strafe, wenn es in meinem Kopf nicht mehr rödeln dürfte.

Werden Sie Ihren runden Geburtstag groß feiern?

Nein, ich lasse es etwas ruhiger angehen, mache mit der Familie - das heißt mit Frau, Tochter und Schwiegersohn – eine schon lange geplante Schiffsreise. Aber ich denke, das eine oder andere Getränk wird es schon geben...

Apropos: Eine Schiffsreise wird sicher in Ihrer Erinnerung bleiben...

Stimmt, Sie spielen auf meine berufliche Reise nach Hongkong an, die ich 1993 mit dem ZDF-Traumschiff hatte. Ich erinnere mich noch genau: In der Episode durfte ich Marion Kracht auf dem Sonnendeck den Rücken eincremen. Sie hatte dabei einen sexy Bikini an.

War Ihre Frau ob der pikanten Szene eifersüchtig?

Nein, sie hat mich doch auf der Reise begleitet. Außerdem weiß sie doch, was sie nach 50 Ehejahren an mir hat. Als unsere Tochter auf die Welt kam, sie ist heute 45, hat Annemarie sofort ihren Job als Kauffrau aufgegeben, damit wir nicht wie andere Künstler-Ehepaare nur noch per Zettel kommunizieren. Seitdem hat sie mich oft auf meinen Tourneen begleitet.

Das nennt man wahre Liebe...

Deshalb feiern wir auch am 22. April Goldene Hochzeit, das gibt`s heutzutage nicht mehr oft in der Showbranche. Wenn es nach unseren Sternenzeichen (Fische und Wassermann) gegangen wäre, hätten wir nie zusammenfinden dürfen.

Wo haben Sie Ihre Frau, eine gebürtige Radebeulerin, eigentlich kennengelernt?

Ich habe mich damals beim Baden in einer Kiesgrube in Annemarie verguckt. Sie hat mich eingecremt, weil sie Angst hatte, dass ich mir einen Sonnenbrand hole. Bis zum ersten Kuss vergingen allerdings vier lange Wochen.

Seit einigen Jahren leben Sie mit Ihrer Frau in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein. Wie kam es dazu?

Da ich von 2000 bis 2006 Schauspieler und gleichzeitig Oberspielleiter sowie Regisseur auf dem Hamburger Kulturdampfer „Das Schiff, dem einzigen seetüchtigen Schifftheater in ganz Europa" war, habe ich auch das idyllische Umland der Hansestadt Lübeck für mich und meine Frau entdeckt.

Man merkt, Sie stehen weiter unter Strom, was reizt Sie als gelernter Tischler nach über 50 Jahren noch an den Brettern, die die Welt bedeuten?

Ganz einfach, wenn mir manchmal Menschen nach der Vorstellung mit Tränen in den Augen die Hand drücken und erzählen, dass ich für sie fast so etwas wie der Held ihrer Jugend war, so ist das wie ein Kick für mich!

Das Gespräch führte Hans Jancke, Fotos: Y. Maecke, R. Jentzsch

Heinz Rennhack

- gelernter Tischler

- studierte an der Musikhochschule Dresden Operngesang, war hier engagiert am Operettentheater, kam Ende der 1960er Jahre zum Fernsehen

- verließ 1988 die DDR

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