Sandro Paufler

Der lange Weg aus der Holzkrise

Sachsen. Die andauernde Holzkrise beschäftigt die Händler, Handwerker und Endkunden weiterhin. Doch in der Problematik werden konkrete Lösungsvorschläge laut, die für eine Entspannung auf dem Holzmarkt sorgen könnten.

Die Nachfrage nach Holz bleibt weiterhin bestehen. Waren die Holzpreise vor zwei Jahren aufgrund des anhaltenden Borkenkäferbefalls und der Überschwemmung von Schadholz auf dem Markt noch im Keller, so reden Experten in heutigen Zeiten von einer regelrechten Preisexplosion aufgrund von Holzknappheit.

Was ist auf dem globalen Holzmarkt passiert?

Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur. Zum einen wird Holz als nachhaltiger und umweltfreundlicher Rohstoff immer beliebter. In Corona-Zeiten hat sich ein regelrechter Bau-Boom entwickelt: Privatleute investierten ihr Geld in eigene Bauprojekte anstatt in den Urlaub zu fliegen. Konjunkturpakete sowie niedrige Zinsen in den USA und China sorgten für eine massiv gestiegene Nachfrage nach Holz – auch in Mitteleuropa. Exporteinschränkungen in Russland und Kanada wirbelten den Markt durcheinander.

Preise haben sich zum Teil vervierfacht

So sind die Preise bei bestimmten Schnittholz-Sortimenten exorbitant gestiegen. Bei Fichten-Seitenware, die für Verpackungen oder Paletten verwendet wird, haben sich die Preise im Vergleich zum vierten Quartal 2020 verdoppelt. Das gefragte C24-Dachlattenholz wird auf dem Markt zu vervierfachten Preisen angeboten, gibt der Geschäftsführer der Hensel-Holz GmbH, Thomas Hensel, zu wissen. Sein Produktionsstandort im Gödaer Ortsteil Seitschen läuft auf Hochtouren. »Wir beliefern sehr viele Stammkunden und wollen lieferfähig bleiben«, so der Diplom-Ingenieur.

Was gegen die Holzkrise hilft

Thomas Hensel befürchtet, dass die Situation noch weiter anhält: »Ich denke, dass die Nachfrage nach Holz mittelfristig so bleibt. In der Zukunft müssen wir uns alle an höhere Holzpreise gewöhnen.«

Kunden müssen bald optisch schlechtere Holzqualitäten akzeptieren

Der gleichen Meinung ist auch der Vertriebsleiter Tomy Streubel vom Holzzentrum Wöhlk aus Dresden, er geht noch einen Schritt weiter: »Die Preise werden sich wieder normalisieren, aber auf einem höheren Niveau. Auch andere, optisch schlechtere Holzqualitäten, wird der Kunde künftig akzeptieren müssen.« Denn derzeit wird viel Holz exportiert, das aus optischen Gründen den hohen deutschen Ansprüchen nicht genügt.

Der Standortleiter im Hause Wöhlk aus Dresden, Uwe Pilz, gibt zu wissen, dass es auch Alternativen auf dem Markt gibt: Furnierschichthölzer, die aus mehreren verleimten Holzschichten bestehen, haben den Vorteil einer erhöhten Festigkeit und Energieeffizienz bei geringerem Holzeinsatz. So wird mehr Holz eingespart. Bauherren greifen allerdings selten zu dieser Alternative.

Hamsterkäufe verschlimmern die Situation zusätzlich

Uwe Pilz appelliert, dass die Gewerbetreibenden mit Weitblick und Geduld in die nächste Zeit gehen sollen: »Hamsterkäufe bringen nichts. Alle Auftraggeber sollten die nötige Ruhe bewahren.« Angesichts der angespannten Marktsituation tendieren Einkäufer zu Mehrfach-Bestellungen, berichten andere Händler. Teilweise wird die Nachfrage überschätzt, eine Auftragsblase kann entstehen.

USA und China können weltweite Holzmarktsituation entspannen

Geduld muss aufgebracht werden auch bei politischen Entscheidungen. Die angespannte Situation in den USA und China kann sich durch Verhandlungen, neue Märkte und Zollwegfälle mittelfristig entspannen und so für Normalität auf dem weltweiten Holzmarkt sorgen.

In einer Sache sind sich alle einig: »Wir müssen Wald und Holz als langfristige, nachwachsende und regionale Rohstoffquelle begreifen und Baumarten anpflanzen, die auch für künftige Generationen gut als ökologischer Bau- und Werkstoff nutzbar sind findet Thomas Hensel. Uwe Pilz und der Vertriebsleiter Streubel können diese Aussagen nur bestätigen.

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