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Eggerts SachsenWind – Bürgerlich

Fleiß, Leistung, Bildung, Sparsamkeit, Freiheitswille, Toleranz – Tugenden, die gemeinhin »bürgerlich« genannt werden. Der »dritte Stand« verkörperte sie, Irrwege eingeschlossen, über Jahrhunderte. Auch heute ist davon die Rede. Bei den diesjährigen Wahlen beispielsweise wurden »bürgerliche« Parteien ab und an gesondert genannt und auch schon mal auf eine gemeinsame Parlaments-Bank gesetzt. 

Eine MDR-Moderatorin beispielsweise sprach am Abend des 1. September von einer klaren Mehrheit der Bürgerlichen, meinte damit CDU und AfD und fragte den sächsischen Ministerpräsidenten, ob er nun eine Koalition mit derselben anstrebe. Das kam nicht gut an. Erstens, da Kretschmer seine AfD-Abneigung schon mehrfach öffentlich gemacht hatte, zweitens, weil sofort ein Streit aufflammte, ob die AfD (sie selbst sagt das) eine »bürgerliche« Partei sei und drittens, was dann anders gefärbte Parteien, etwa die Grünen, darstellen.

Obwohl Sachsens Bürger, wie das Wahlergebnis zeigt, keine Antworten auf Politik-Erstsemesterfragen, sondern Problem-lösungen für sich und das Land erwarten, zeigte darauf zunächst einmal der MDR Flagge. Und entschuldigte sich. Für den stressbedingten Fehltritt seiner Moderatorin. So mutig kann »bürgerlich« sein.

Ihr Hans Eggert

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