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Eggerts SachsenWind – Haarsträubend

Das erste Urteil im Fall des tödlichen Messerangriffs auf Daniel H. während des vorjährigen Chemnitzer Stadtfestes ist gefallen: Das Landgericht Chemnitz sprach den Syrer Alaa S. wegen gemeinschaftlichem Totschlags schuldig. Er soll neun Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Ein zweiter Tatverdächtiger, ein Iraker, ist noch auf der Flucht.

Die Kammer, so die Vorsitzende Richterin, habe, obwohl der Verurteilte seine Unschuld beteuert und die Verteidigung einen Freispruch verlangt hat, keinen Zweifel an der Schuld des Syrers. Und: Das Gericht sei »unbeeindruckt von der politischen Dimension« des Falles vorgegangen – eine pure Selbstverständlichkeit. Dass die Richterin glaubte, dies ausdrücklich erwähnen zu müssen, deutet die politischen Dimensionen des Verfahrens an, die nicht allein Chemnitz und Sachsen über lange Zeit in Atem hielten.

Die Verteidigung sieht das Urteil dennoch als Fehlurteil an. Sie will, ihr gutes Recht, das Verfahren durch den Bundesgerichtshof überprüfen lassen. Die Begründung dafür allerdings ist in Teilen haarsträubend: Der Verurteilte habe in Ostdeutschland keine Chance auf einen fairen Prozess. So kann ein »Organ der Rechtspflege« dieselbe auch in Misskredit bringen. Und ein ganzes Land dazu.

Ihr Hans Eggert

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