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Eggerts SachsenWind – Nichts mit Paulus

Die Geschichte geht so: Ein Jude, angeblich hieß er Saulus, verfolgte mit großer Hingabe seine christlichen Zeitgenossen – das Neue Testament erzählt, er habe die Steinigung des heiligen Stephanus  mit »Wohlgefallen« beobachtet. Doch eines Tages sei nahe Damaskus des Herrn Erkenntnisstrahl über ihn gekommen – und fortan war Paulus, so sein Name im neuen Leben, glaubensfester Jünger des Gekreuzigten.

Dieses sogenannte »Damaskus-Erlebnis« ist im Christentum sehr beliebt – weil es darauf verweist, dass der Mensch sich im Glauben läutern und die Herzen seiner Schwestern und Brüder gewinnen kann. Carsten Rentzing, sächsischer Landesbischof und konservativen Ansichten durchaus zugeneigt, beanspruchte dies jüngst auch für sich: Er hatte vor drei Jahrzehnten als Student, so einige seiner kirchlichen Mitbrüder und -schwestern, »irritierend« rechte Gedanken über Menschenrechte und Demokratie aufgeschrieben und dies verdrängt. Als es publik wurde, versuchte er, »Abbitte« zu leisten.

Ohne Erfolg. Das öffentlich demonstrierte Entsetzen war zu groß. Zudem ergoss sich heiliger Zorn über Rentzing. Dem blieb nur der Rücktritt. Also nichts mit Damaskus. Ein heutiger Bischof ist schließlich Mensch. Und keine biblische Gestalt.

Ihr Hans Eggert

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