Krankes Gesundheitssystem - Teil 13

Sachsen. Ein Dutzend Artikel lang haben wir nun bereits über unser krankes Gesundheitssystem berichtet. Wir fragten Hausärzte, sprachen mit Geschäftsführern von sächischen und brandenburger Kliniken, hörten uns die Sorgen von Apothekern und Pflegedienstleitern an und veröffentlichten viele Leserbriefe. Nun ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen und den politisch Handelnden einen Extrakt unserer Recherchen zu übergeben.

Wenn grei­se Hausärzte verzwei­felt Nachfolger suchen, Pflegeeinrichtungen um Personal ringen, Pfleger über geringe Wertschät­zung und schlechte Be­zahlung klagen, dann sind dies nur die Symptome einer Gesundheitspolitik, die offensichtlich einiger Korrekturen bedarf. Aus den letzten zwölf Artikeln haben wir stichpunktar­tig zusammengefasst, was die Betroffenen zu beklagen hatten. Was die politischen Handelnden dazu sagen und welche Lösungsansätze sie an­bieten, darüber werden wir in naher Zukunft berichten. Hier ein Extrakt der ange­mahnten Missstände:

Krankenkassen

  • Massiver Anstieg der Rechnungskontrollen durch den Medizini­schen Dienst der Kran­kenkassen
  • Wir haben in den Krankenhäusern eine Bürokratie, die ihres­gleichen sucht. Was nicht aufgeschrieben wurde, hat aus Sicht der Kassen nicht statt­gefunden
  • Notaufnahme: Wenn in Extremsituationen mal vergessen wird, sein Si­gnum zu setzen, dann wird die Leistung nicht bezahlt.
  • Der Medizinische Dienst der Kranken­kassen (MDK) muss wieder in die Klinik kommen und die Fälle, die zur Prüfung anste­hen, gemeinsam mit dem behandelnden Team besprechen
  • Der MDK soll die Ein­zelfallprüfungen wie­der einführen, nicht ge­wisse Teilgebiete und Teilbereiche systema­tisch und strukturiert prüfen.
  • Der Pflegeberuf besteht mittlerweile zum Groß­teil aus Dokumentati­on. Es ist Zeit für eine Entbürokratisierung, um die Pflegekräfte zu entlasten, neue Kräfte zu finden und Mitarbei­ter zu halten.

Hausärzte

  • Zu viele Reglemen­tierungen. Hausärzte dürfen Arzneimittel nur nach einem Wirkstoffkatalog verordnen; sie haben ein Heilmit­telbudget für Physio­therapie, neuerdings auch ein Laborbudget
  • sie müssen sich an die Telematik-Infra­struktur anbinden, was mit hohen Kosten verbunden ist. Damit (Stammdatenabgleich) übernehmen sie Auf­gaben der Kranken­kassen und die sitzen schließlich auf einem Finanzberg von fast 20 Milliarden Euro
  • Die wöchentliche Sprechstundenzeit der Ärzte soll von 20 auf 25 Stunden erhöht werden. Dadurch wer­den nicht mehr Ärzte generiert, sondern diejenigen, die noch versuchen, das Ganze am Laufen zu halten, werden letztendlich kaputtgespielt.
  • Die Ärzteschaft ver­langt Entbudgetierung sowie eine Entbüro­kratisierung, damit der Beruf wieder Freude macht und junge Kollegen sich für die eigene Niederlassung entscheiden.
  • Anreize für Landärzte müssen geschaffen werden, beispielsweise durch eine höhere Be­zahlung (Buschzulage)
  • Die Sprach- und Medi­zinprüfung für auslän­dische Ärzte ist nicht bundeseinheitlich gere­gelt und kann beliebig oft wiederholt werden.
  • Zulassungsstopp für Ärzte beenden.
  • Mehr Selbstbestim­mung bei Kranken­hausleistungen zulas­sen
  • Einrichtung eines ge­samtbundesdeutschen Versorgungsplanungs­ausschuss für Entschei­dungen über Versor­gungsrelevanzen
  • Fixkostendegressions­abschlag überarbeiten

Ausbildung

  • Ausbildungsfinanzie­rung: Wir brauchen ei­ne bundeseinheitliche Ausbildungskostenermittlung und Ausbil­dungsfinanzierung
  • Nachwuchs bei den Apothekern und Phar­mazeutisch-techni­schen Assistenten: Wer Fachkraft werden will, muss erst mal zurück zu den Eltern, denn wie bitte soll man während der 2,5 Jahre Ausbil­dung ohne Geld leben?

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