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Maschine startet noch mal durch als "Neubeginner"

Menschen. Seine Rockerrente scheint Dieter „Maschine“ Birr nicht zu reichen: Jetzt ist er erstmals auf Solotour

 Kaum sind die letzten Kabel der Puhdys-Abschiedstour-Anlage zusammengerollt, kaum ist der ECHO ins Regal gestellt, kaum sind die letzten Seufzer verklungen, da scharrt schon wieder einer mit den Hufen. Mit seiner ersten Solo-CD „Neubeginner" geht „Maschine" jetzt auf Tournee.

Hatte jemand ernsthaft erwartet, dass diese Maschine, die seit Jahrzehnten mit bestgeölten Zylindern kraftvoll geradeaus stampft, so einfach rechts ranfahren und anhalten würde? Gas weg, Motor aus, Plane drüber? Unvorstellbar. Dieter „Maschine" Birr, der in 47 Jahren Puhdys über 22 Millionen Tonträger verkaufte und mehr als 4.500 Konzerte spielte, kriegt keiner so einfach eingefangen. Als ihn neulich ein Radiomoderator fragte, ob er nur zuviel Energie habe oder einfach nicht weiß, was er zu Hause anfangen soll, meinte der 72-Jährige ehrlich: „Beides". Zum zu Hause sein habe er tatsächlich noch zuviel Energie. Und außerdem habe er ja ein Leben lang Musik gemacht, er könne halt nichts anderes.

Dabei muss Maschine längst keinem mehr etwas beweisen. Seine Stimme war nie von makellosem Wohlklang, dafür um so markanter. Seine Riffs nicht gefeilt, sondern eher geschmiedet. Denn sie rocken Stadien. Es ist längst ein offenes Geheimnis, dass dort, wo in den letzten Jahren „Puhdys" drauf stand, im Wesentlichen Birr drin war.

Neues Album

Kaum war das letzte Konzert der Puhdys vorbei, legte Birr seine Solo-CD „Neubeginner" vor, treffender hätte er sie nicht nennen können. Vom Bandleader zum Solisten. „Neubeginn im neuen Leben / neue Meere überqueren / endlos viele neue Ziele / alles für mein zweites Leben" heißt der erste Song darauf, mit dem er in diesem Jahr auch seine Konzerte beginnt.

Dabei ist diese Album das dritte Solowerk in seiner langjährigen Karriere, aber es ist kein Side-project, kein Nebenschauplatz wie bei den beiden vorherigen. Denn Maschine hat sich diesmal ausschließlich auf neues Songmaterial konzentriert. Dabei werden textlich und musikalisch eine ganze Reihe ungewohnter Töne angeschlagen, Themen gewälzt, Sounds gefunden. Die Kompositionen stammen bis auf zwei Ausnahmen alle von Maschine. Doch bei den Texten tauchen unerwartete, wenn auch vertraute Namen auf: Heinz Rudolf Kunze und Gisela Steineckert.? Beides Garanten für schillernde Facetten, schöne Bilder, überraschende Wendungen und rührende Momente. So wie Kunzes Beschreibung einer Beziehung, die gerade in die Brüche geht: „Du schweigst mich an wie ein Vulkan / der vor dem Ausbruch steht".

Philosophische Tiefenschichten, die man von Birr bisher nicht kannte. Doch er zeigt souverän, dass er gedankenschwere Metaphern-Monster wie „Bevor man lebt ist Nie / nachdem man stirbt ist Immer / wir sind nur eine Sendepause / in der Ewigkeit" (Kunze) nicht nur singen, sondern authentisch erfühlen kann.

(K)Ein Solist

Seine Solokarriere startete Dieter Birr dann doch mit prominenter Hilfe. So holte er sich für das Album Koryphäen wie Uwe Hassbecker (Silly) an der Gitarre und Felix Lehrmann (The Flower Kings) am Schlagzeug ins Studio. Gesanglich an seiner Seite, quais das Reibeisen-Organ unterstützend, sind Mecky (von der ungarischen Band Omega) zu hören, außerdem Heinz Rudolf Kunze, der sich stimmlich einmischt beim grenzwertig sarkastischen „Irgendwie begabt", Maschines Freund Dirk Michaelis („Zwei Hände mehr") und Ela Steinmetz (Elaiza-Sängerin, bei „So viel erlebt".)

Und was schreibt die Kritik über „Neubeginner": Birr hat mit diesem Album zu einer musikalischen und inhaltlichen Vielfalt gefunden, die durch die klare Erwartungshaltung an die Alben der Puhdys früher nicht möglich war.

Wer herausfinden und heraushören will, ob dem so ist, der hat dazu am 5. Februar im Alten Schlachthof Gelegenheit, am 9. in Halle, am 10. Februar in Freiberger Tivoli, wo die Puhdys 1969 ihren großen Durchbruch erlebten. C. Pönisch, Fotos: PR

Tickets für die Konzerte gibt's >>HIER<<

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