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Puhdys-Rocker erfüllt sich einen Traum: Mit Familie & Freund

Menschen. Dieter „Quaster“ Hertrampf verrät, warum mit 72 Jahren noch lange nicht Schluss ist und welche verborgenen Talente in ihm schlummern.

 Von wegen alt wie ein Baum! Anlässlich seiner neuen Solo-Projekte „Quaster live – Family & Friends" sowie „Quaster live – ich bereue nichts", mit denen er gerade über ostdeutsche Bühnen rockt, kehrte Ex-Puhdys-Gitarrist Dieter „Quaster" Hertrampf jetzt zu seinen musikalischen Wurzeln zurück. 47 Jahre nach seinem ersten Auftritt mit den legendären „Puhdys", gab er im Freiberger „Tivoli" ein umjubeltes Konzert.

Herr Hertrampf, Hand aufs Herz, hatten Sie bei der Premiere von „Quaster – Family & Friends" Lampenfieber?

Zugegeben, vor meinem Auftritt hatte ich richtig Bammel. Ich wusste doch nicht, wie meine Fans auf die Band und die Songs reagieren.

Hat sich die Aufregung gelegt, als Sie dann auf der Bühne standen?

Natürlich, denn es war eine unglaubliche, stimmungsvolle Atmosphäre, die Tische standen auch wie damals direkt vor der Bühne. Meine Gedanken gingen unwillkürlich zurück an jenen Abend, als wir mit den Puhdys erstmals in diesem Saal zum Jugendtanz gespielt haben.

Sind Sie auch künftig mit ihrer Tochter Kimberly (18) und Ziehsohn Carsten „Beathoven" Mohren (53, Keyboards) auf Achse?

Es war schon immer ein Traum von mir, mit Familienmitgliedern und engen Freunden gemeinsam in einer Band zu musizieren. Für meine Tochter ist das nichts Neues, sie steht bereits seit 2003 regelmäßig bei den Puhdys-Weihnachtskonzerten und Jubiläen mit auf der Bühne.

Was erwartet das Publikum auf Ihrer Solo-Tour „Quaster live – ich bereue nichts"?

Es geht auf eine humorvolle Zeitreise mit Liedern, Bildern, Filmen und Geschichten aus meinem musikalischen Werdegang. Dieser beginnt 1958 und ist noch lange nicht zu Ende. Aus jeder Epoche werden Titel zu hören sein, an die sich das Publikum gerne erinnert. Es ist sozusagen ein auf die Bühne gebrachtes Live-Buch, in dem im Gegensatz zum geschriebenen Buch immer wieder neue Kapitel aufgeschlagen werden können.

Apropos, haben Sie jemals bereut, dass Sie Ihren erlernter Beruf als Verkehrsbauzeichner an den Nagel gehängt haben?

Nein. Ich habe schon in der Lehrzeit gemerkt, der Job ist nichts für mich, ich wollte eigentlich immer nur Musiker werden. Tag für Tag nur am Reissbrett zu stehen und Bleistiftzeichnungen von Ingenieuren mit Tusche nachzuzeichnen, das war mir zu eintönig.

Sie greifen in Ihrem Haus in Berlin-Rahnsdorf selbst zu Hammer und Säge...

Das 77 Jahre alte Gebäude habe ich 1978 gekauft, eigenhändig saniert und umgebaut. Von den Gagen der Tourneen in der BRD habe ich nach und nach das nötige Baumaterial wie Fliesen, Armaturen, Installationsmaterial etc. mitgebracht. Im selbstgemauerten Anbau mit Kamin und Bar, der eigentlich als Wintergarten gedacht war, habe ich schon so manche Nächte mit Freunden und Kollegen durchgefeiert.

Sie wurden am 29. November 72 Jahre alt, was bedeutet die Zahl für Sie?

Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken, wegen meiner zahlreichen Auftritte merke gar nicht, dass ich älter werde.

Womit überraschen Sie Ihre Frau zu Weihnachten?

Ich schenke ihr eine gemeinsame Schiffsreise, ein Dankeschön dafür, dass sie es so lange mit mir ausgehalten hat. Noch am Heiligabend stechen wir in See.

Also ein Fest ganz ohne Braten in der Röhre?

Ja, aber für Tochter Kimberly bereite ich noch ein leckeres Gulasch zu, damit sie über die Feiertage nicht selbst kochen muss.

Von einer von Ihnen selbst kreierten Spezialität sollen Kollegen und Freunde besonders begeistert sein...

Sie spielen sicher auf mein Obstschmalz mit cross gebratenen Zwiebeln und Äpfeln an. Nicht nur Wolfgang Lippert, der übrigens mein Trauzeuge war und Taufpate meiner Tochter ist, schwärmt von dem herzhaften Brotaufstrich.

Das ist aber nur eines Ihrer schöpferischen Talente, so sollen Sie sich schon zu DDR-Zeiten Ihre Bühnengarderobe selbst genäht haben?

Exakt, und zwar auf einer Veritas Nähmaschine. Das neueste Modell „Alina" präsentierte ich kürzlich anlässlich der Veritas-Relaunch-Party als singender Stargast auf dem Berliner Alexanderplatz mit dem witzigen Lied „Tante Hedwig, Tante Hedwig – die Nähmaschine geht nicht". Meine Gabe, professionell mit Nadel und Faden umzugehen, hatte sich wohl bis zum Eigentümer der Namensrechte herumgesprochen.

Eines müssen Sie uns noch unbedingt verraten: Wie kamen Sie eigentlich zu Ihrem Spitznamen „Quaster"?

Er entstand in Anlehnung an jenes bekannte Instrumental „The Quartermaster's Store" der britischen Band „The Shadows" aus dem Jahre 1960. Da ich damals ständig diese Nummer spielen wollte, war ich irgendwann der Quartermaster. Das war dann im täglichen Gebrauch zu lang. Es wurde kurzerhand Quaster draus. Das Gespräch führte: Hans Jancke.

Am 11. Dezember, 17 Uhr, gastiert „Quaster" mit seinem Solo-Programm „Quaster live – ich bereue nichts" im Kulturschloss Großenhain.

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