Carola Pönisch

Schockanrufe, Corona-Schwindel und Trojaner

Sachsen. Um Geld aus fremden Taschen zu ziehen, werden Betrüger am Telefon immer dreister. In letzter Zeit kommen zu falschen Gewinnversprechungen immer öfter Schockanrufe wegen angeblicher Unfälle naher Angehöriger oder die Behauptung, man sei ein Microsoft-Mitarbeiter und müsse einen Trojaner auf dem PC beseitigen.

Es war im Herbst letzten Jahres, als bei einer 95 Jahre alten Dame in Coswig das Telefon klingelte und sie erfuhr, dass ihr Sohn einen Unfall habe und im Krankenhaus liege. Die schon leicht verwirrte Seniorin ließ daraufhin alles stehen und liegen, setzte sich in die Bahn und wollte nach Friedrichstadt ins Krankenhaus. Zum Glück nahm sich an der Endhaltestelle der Linie 4 in Weinböhla eine nette Straßenbahnfahrerin der alten Dame an, besorgte ein Taxi und der Fahrer schaffte die 95-Jährige wieder nach Hause.

Was die alte Dame in ihrer Panik am Telefon offenbar überhörte war die Aufforderung, Geld für die angeblichen Unfallkosten zu zahlen – zum Glück, doch nicht immer gehen solche Schockanrufe glimpflich aus, wie es auch die Polizeimeldungen der Polizeidirektion Dresden seit Jahresbeginn zeigen. Mal ist es die Enkelin einer 89-Jährigen, die einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verursacht haben soll, mal der Sohn einer 60-Jährigen. Gefordert wurden Summen von 40.000 oder 32.000 Euro  oder wie erst Anfang Februar im Fall einer 77-jährigen Dame aus Bannewitz 12.000 Euro zur Regulierung eines Unfallschadens. Sie hätte das Geld auch gezahlt, wäre die Mitarbeiterin ihrer Sparkassen nicht so aufmerksam  gewesen.

Geld machen mit Corona-  Erkrankung
Noch dreister waren jene Betrüger, die am 8. Januar bei zwei hochbetagten Dresdnerinnen anriefen und behaupteten, deren Töchter liegen mit schweren Corona-Erkrankungen in der Klinik und bräuchten 27.000 bzw. 20.000 Euro für dringend notwendige Medikamente. Die beiden rüstigen Damen waren jedoch so clever, bei ihren Töchtern nachzufragen. Ebenso wie eine Seniorin aus Weinböhla und eine 90-Jährige aus Dohna (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), bei denen einen Tag später ebenfalls Corona-Schockanrufe eingingen.

Love Scamming in Coronazeiten
Eine weitere Betrugsmasche ist das sogenannte Love Scamming, wie derzeit verstärkt von der sächsischen Außenstelle des Opferhilfevereins Weißer Ring beobachtet wird. Dabei geht es um Liebesversprechen, die in Sozialen Netzwerken oder auf Partnerbörsen mit einer netten Mail eines Unbekannten beginnen. Schnell geht es dann um große Liebe und Hochzeit, doch dann brauchen die angeblichen Ingenieure, Architekten, Computerspezialisten oder US-Soldaten plötzlich Geld von ihren Chat-Partnerinnen, um eine persönliche finanzielle Notlage zu meistern. „Seien Sie wachsam – bei Aufforderungen, Geld zu transferieren, müssen die Alarmglocken schrillen! Sie werden Ihr Geld vermutlich nie wiedersehen«, warnt Geert Mackenroth, Landesvorsitzender des Weißen Ring e.V. Übrigens: Nicht nur Frauen tappen in solche Liebesfallen – auch Männer lassen sich von vermeintlichen Krankenschwestern, Ärztinnen, Lehrerinnen oder Geschäftsfrauen ausnehmen.

»Sie haben einen Trojaner in Ihrem Computer«
Doch es geht noch besser: Seit Ende Januar klingeln vermehrt falsche Microsoft-Mitarbeiter per Telefon an und behaupten, Trojaner auf dem Computer beseitigen zu wollen. Dazu bräuchten sie zum Teil Kontodaten, zum Teil animieren sie zum Öffnen diverser Websiten, um Sicherheitsprogramme herunterladen zu können. Wer denkt, dass auf solche Tricks nur ältere und unerfahrene Silver-Surfer hereinfallen, der irrt. Erst kürzlich sperrten Betrüger einem 18-jährigen Coswiger seinen Computer, nachdem der den Schwindel erkannt hatte.

Was Sie bei dubiosen Anrufen tun sollten

  • Bei Corona- und Unfall-Schockanrufen sofort zuerst in der Familie nachfragen, ob das stimmt
  • Niemals Auskünfte zu finanziellen Verhältnissen preisgeben, niemals Kontodaten wie PIN oder TAN am Telefon weitergeben
  • Bei Gewinnversprechen misstrauisch sein, wenn erst Gebühren zu zahlen sind. Echte Gewinne werden ohne Gebühren oder Paysafe bzw. U-Cash-Karten ausgezahlt
  • Gespräch beenden, Polizei informieren

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Höhere Mittel für Familienerholung

Sachsen. "In diesem Jahr haben viele Familien besonderen Bedarf an gemeinsamer Erholung und Freizeit. Ich freue mich, dass wir noch mehr Familien mit kleinem Geldbeutel unterstützen können, damit sie bis zu zwei Wochen die Koffer packen und ihren gemeinsamen Urlaub genießen können«, sagte Familienministerin Petra Köpping. Die ergänzt: »Solche Auszeiten sind wichtig für den Familienzusammenhalt und die Gesundheit aller Familienmitglieder. Hier können Eltern und Kinder Kraft tanken, aber auch Angebote zur Familienbildung wahrnehmen.« Der Freistaat Sachsen stellt in diesem Jahr 650.000 Euro für die Bezuschussung von Familienerholungsmaßnahmen bereit. Mit dem deutlichen Aufwuchs um 200.000 Euro können noch mehr Familien bei der Ferienplanung unterstützt werden. In den vergangenen Jahren profitierten jährlich über 1.000 einkommensschwache sächsische Familien von den Einzelzuschüssen zur Familienerholung, darunter besonders viele Alleinerziehende. Urlaubsangebote finden Familien im Katalog »Urlaub mit der Familie« von der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung. »Ein Zuschuss kann aber auch für Aufenthalte in anderen, für den Familienurlaub geeigneten Einrichtungen wie Ferienwohnungen, Pensionen und Bauernhöfen gewährt werden«, erläutert Ministerin Köpping."In diesem Jahr haben viele Familien besonderen Bedarf an gemeinsamer Erholung und Freizeit. Ich freue mich, dass wir noch mehr Familien mit kleinem Geldbeutel unterstützen können, damit sie bis zu zwei Wochen die Koffer packen und ihren gemeinsamen…

weiterlesen

Sachsen beschließt weitere Impfstrategie

Sachsen. Die 13 bestehenden sächsischen Impfzentren einschließlich der dazugehörigen 30 mobilen Teams werden bis Ende September 2021 weiter in Betrieb bleiben. Dies hat heute das Kabinett beschlossen. Erstimpfungen werden in allen Impfzentren bis Ende August im bisherigen Umfang angeboten. Im September soll dann ein eingeschränkter Betrieb stattfinden, der die offenen Zweitimpfungen absichert. Die zusätzlichen Kosten werden auf rund 52 Millionen Euro veranschlagt, von denen der Bund die notwendigen und erstattungsfähigen Kosten – annähernd die Hälfte – trägt. Hintergrund der Entscheidung des Kabinetts sind auch veränderte Grundannahmen und Erkenntnisse: Mit dem Weiterbetrieb können die nach wie vor bestehenden Unwägbarkeiten bei der Impfstoffbereitstellung durch den Bund für den Freistaat Sachsen abgesichert werden. Laut Bund ist die komplexe Planung bei der Verteilung der Impfstoffdosen bestmöglich gewährleistet, wenn die Erst- und Zweitimpfung am gleichen Ort stattfindet. Regional ist die Beteiligung der impfenden Arztpraxen zudem unterschiedlich ausgeprägt. Ebenso hat sich der Kreis der Impfberechtigten erhöht: Auch Kinder ab 12 Jahre können gegen das Coronavirus geimpft werden. Somit sind nun 3,7 Millionen Menschen in Sachsen impffähig. Gesundheitsministerin Petra Köpping erklärt: »Aktuell gehen wir davon aus, dass eine notwendige Immunität der Bevölkerung von 80 Prozent erforderlich ist, um die Herdenimmunität zu erreichen. Dieses Ziel werden wir mit allen verfügbaren Kräften verfolgen, um so schnell wie möglich die gewünschten Effekte zu erzielen, damit wir alle unsere persönlichen und gesellschaftlichen Freiheiten wiedererlangen können. Mit dem Weiterbetrieb der Impfzentren und mobilen Teams können wir dies gemeinsam mit den impfenden niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten am effektivsten und bestmöglich erreichen. Denn einige Rahmenbedingungen haben sich geändert. Gewährleistet wird, dass auch in der Urlaubszeit jede verfügbare Impfdosis schnellstmöglich verabreicht werden kann. Zudem können wir Verschiebungen von Impfstofflieferungen abfedern und so sicherstellen, dass der sächsische Anteil, den der Bund für die Impfzentren vorgesehen hat, auch hier verabreicht wird. Zudem bietet diese Gesamtstruktur die nötige Flexibilität für die Zeit, wenn das Impfangebot die Impfbereitschaft übersteigt. Verschiedene attraktive und bequeme Angebote sind dann besonders wichtig, um niedrigschwellige Impfangebote machen zu können und zur Impfung zu motivieren.« Mit dieser beschlossenen Impfstruktur hält der Freistaat die aktuell bestehende Impfkapazität in den staatlichen Strukturen (Impfzentren und mobile Teams) von rund 120 000 Impfungen pro Woche bis Ende August aufrecht. Im September folgen dann noch die Zweitimpfungen, um die Impfserien am gleichen Ort abzuschließen. Der Freistaat Sachsen geht damit von weiterhin gleichbleibenden Belieferungen der Impfzentren durch den Bund aus, auch wenn bislang noch keine Lieferzahlen für das dritte Quartal vorliegen. Seit Ostern laufen auch die Impfungen bei den Hausärzten im Routinesystem. Seitdem leisten rund 2300 mitimpfende niedergelassene Ärztinnen und Ärzte einen bedeutenden Beitrag zur Durchimpfung der Bevölkerung. Allein bis Anfang Juni wurden knapp 726 000 Impfdosen von ihnen verabreicht. Seit 7. Juni können auch die Betriebsärzte impfen. Sie werden ebenfalls über den Großhandel und die Apotheken beliefert. Staatsministerin Petra Köpping: »Die Arztpraxen und Betriebsärzte sind ein ganz wichtiger Baustein in der sächsischen Impfstrategie. Sie impfen so viel sie können. Nur gemeinsam mit den Impfzentren und den mobilen Teams können wir die Corona-Pandemie mit Impfungen bekämpfen. Dafür mein herzlicher Dank.« Laut Prognose könnten in Sachsen in Abhängigkeit entsprechender Impfstofflieferungen bis Ende September 6,15 Millionen Impfdosen verabreicht werden. Mit dieser Menge Impfdosen könnten 83 Prozent der sächsischen impffähigen Bevölkerung zwei Impfungen verabreicht werden.Die 13 bestehenden sächsischen Impfzentren einschließlich der dazugehörigen 30 mobilen Teams werden bis Ende September 2021 weiter in Betrieb bleiben. Dies hat heute das Kabinett beschlossen. Erstimpfungen werden in allen Impfzentren bis Ende August…

weiterlesen