Sandro Paufler

Wölfe im Landkreis - Fluch oder Segen?

Der Wolf ist das wahrscheinlich am meisten diskutierte Lebewesen im deutschen Kulturraum. Risse von Schafen und anderen Nutztieren werden immer öfter gemeldet. Auf der anderen Seite galten die Raubtiere lange als vom Aussterben bedroht und haben im Kulturraum Deutschland ihre altgewohnte Heimat entdeckt. Wie können Mensch und Wolf künftig im Einklang leben?

Kreisjagdverband bezieht Stellung

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Bautzen, Lothar Jentschel möchte eines klarstellen: „Wir haben kein Interesse daran, den Wolf auszurotten. Für uns hat der Wolf seine Daseinsberechtigung.“ Jentschel spielt auf die Vorurteile an, die ihm als Jäger immer vorgehalten werden. Die Jäger seien die eigentlichen schwarzen Schafe und wollen den Wolf ausrotten. „Blödsinn“, findet Jentschel und gibt seine Erfahrungen wieder. „Wir Jäger wollen die Population im Rahmen halten. Der Wolf sollte genauso bejagt werden wie jedes andere Tier.“

Der Kreisjagdverband fordert den Wolf bundesweit in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen. Es gehe vor allem um den Schutz der Kultur- und Lebensräume in Deutschland. Der Kreisjagdverband findet: Durch konsequente Bejagung kann das Gleichgewicht in der Natur wiederhergestellt werden. Auch der Schutz der Nutztiere sei für die Jäger ein wichtiger Aspekt. „Die direkten und indirekten Schäden durch den Wolf sind immens“, erzählt Jentschel. Laut Sächsischem Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft liegen aktuelle Zahlen vor: Im letzten Jahr wurden circa 1,4 Millionen Euro an Präventionsmaßnahmen ausgegeben. Für Schadensausgleichszahlungen wurden vom Freistaat rund 133.000 Euro in die Hand genommen. Die Statistik zeigt allerdings auch, dass die Zahlungen im Jahr 2019 mit Abstand den höchsten Wert hatten.  

Naturschutzbund hält dagegen

Für den Naturschutzbund (NABU) ist die Ansiedlung des Wolfes aus Naturschutzsicht einer der größten Erfolge in den letzten Jahren. „Wölfe sind als große Beutegreifer und Gegenspieler der Pflanzenfresser für das Ökosystem sehr wichtig. Sie fressen vor allem meist Junge, kranke und schwache Tiere und tragen so zum natürlichen Gleichgewicht in der Natur bei,“ erzählt der Wolfsbotschafter Lothar Andrä.

Für den NABU müssen Wölfe nicht bejagt werden. Lothar Andrä findet: „Das natürliche Wechselspiel von Vermehrung, Zu- und Abwanderung und Sterblichkeit bestimmt die Bestandsgröße der Wolfspopulation. Insbesondere die Verfügbarkeit von Nahrung ist entscheidend für die Zahl der Wölfe, aber auch Krankheiten können den Bestand verringern.“

Welche Meinung vertritt der Freistaat Sachsen

Der stellvertretende Pressesprecher des Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Burkhard Beyer bezieht Stellung: „Der Wolf ist von Natur aus Teil unserer heimischen Ökosysteme und ohne menschliches Zutun wieder in sein früher angestammtes Gebiet eingewandert. Wölfe reißen, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch Nutztiere wie Ziegen oder Schafe. Allerdings machen diese Nutztierarten nur einen sehr geringen Anteil der Wolfsnahrung aus. Das Reißen von Nutztieren führt, über den jeweiligen Verlust des Nutztieres hinaus, teilweise zur Ablehnung von Wölfen oder gar zu Angst vor ihnen. Es braucht deshalb einen Ausgleich zwischen den naturschutzfachlichen, ökologischen Belangen und den berechtigten Interessen der Bevölkerung, speziell von Tierhalterinnen und Tierhaltern. Der Freistaat fördert die Anschaffung von geeigneten Herdenschutzmaterial zu 100 Prozent und entschädigt Nutztierrisse zu 100 Prozent, wenn der entsprechende Mindestschutz gegeben war.“

Wolf darf nur in Ausnahmefällen geschossen werden

Auf Bundesebene ist der Wolf nach Bundesnaturschutzgesetz und Tierschutzgesetz streng geschützt. Aktuell darf nur in bestimmten Ausnahmefällen ein Wolf geschossen werden. Die Prozedur dafür ist allerdings sehr komplex und Bedarf langwieriger bürokratischer Hürden.

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