André Schramm, Sandro Paufler

Brauereien sind am Ende

Bautzen. Geschlossene Kneipen, abgesagte Veranstaltungen und keine Perspektive: Die Corona-Krise treibt viele Brauereien im Land in die Existenzkrise. Der Fassbierabsatz tendiert gegen Null. Die Staatshilfen fließen spärlich. Eine ganze Branche schlägt Alarm.

Mehr als 300 Brauereien aus ganz Deutschland haben sich nun mit einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Darin machen sie auf ihre gegenwärtige Lage aufmerksam und zeigen gleichzeitig Wege auf, um die Branche aus der Krise zu führen.

Von Radeberger bis Frenzel Braumanufaktur – Brauereien schlagen Alarm

 Zu den Unterzeichnern aus der Region gehören unter anderem die Radeberger Exportbierbrauerei, die Bergquell Brauerei Löbau, die Braumanufaktur Tobias Frenzel aus Bautzen und die Privatbrauerei Eibau. »Mit den Lockdowns und dem dadurch ausgelösten Zusammenbruch des Fassbiermarktes haben die Brauereien von einem Tag auf den anderen einen maßgeblichen Teil ihres wirtschaftlichen Fundamentes verloren. Ware im Wert von vielen Millionen Euro, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, musste bereits vernichtet werden«, heißt es in dem Schreiben. Allein im letzten Jahr waren alle gastronomischen Einrichtungen für vier Monate geschlossen. Festveranstaltungen sind seit März 2020 durchgehend verboten. Der Flaschenbierabsatz im Handel, so heißt es weiter, könne die massiven Umsatzverluste im Gastgewerbe und die Einbußen beim Export nicht auffangen.

„Umsatz um fast 50 Prozent eingebrochen.“

Für die Braumanufaktur Frenzel macht der Fassbierumsatz auf Festlichkeiten den größten Anteil aus. »Unser Umsatz ist um 50 Prozent eingebrochen«, sagt der Inhaber Tobias Frenzel. Zwar sei die Nachfrage nach Flaschenbier leicht gestiegen und die kleine Brauerei aus Bautzen habe in eine automatisierte Abfüllanlage investiert, trotzdem könne diese nicht die Kosten decken. Tobias Frenzel hofft derweil auf Veranstaltungen, die im Sommer stattfinden können.

Keine staatlichen Hilfen, Insolvenz droht

Anders als die Gastronomie gingen die 1.500 deutschen Brauereien mit finanzieller Unterstützung leer aus. Darunter seien zahlreiche mittelständische Betriebe, die seit Generationen das Brauereihandwerk pflegen. Ohne die Hilfe von Bund und Ländern droht vielen Brauereien die Insolvenz, obwohl sie bislang solide und nachhaltig gewirtschaftet hätten, heißt es.

Statt Fassbier, Bierbrand

Kreative Lösungen brachte die Bergquell Brauerei in Löbau hervor. Im ersten Lockdown produzierte das Unternehmen gemeinsam mit der Sächsischen Spirituosenmanufaktur aus Kirschau Desinfektionsmittel. Im zweiten Lockdown wurde das nicht verkaufte Fassbier in Bierbrand umgewandelt und verkauft. »Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht«, erzählt der Geschäftsführer Dipl.-Ing. Steffen Dittmar. Trotzdem können diese Einnahmen den Umsatzverlust nicht auffangen.

Brauer bieten Lösungen an

Die Brauereien bieten auch Lösungsvorschläge an und fordern, dass auch für verderbliche Ware wie Fassbier, das nun vernichtet werden muss, in gleicher Weise eine Kompensation stattfindet, wie sie dem Einzelhandel für nicht veräußerbare Saisonware zugestanden wird. Ferner sollten auch Brauereigaststätten wie Gastronomiebetriebe behandelt werden. Für sogenannte Betriebe mit Gasthof und Brauerei liegen die Hürden für die Inanspruchnahme der November- und Dezemberhilfe derzeit zu hoch. Zudem sollte auf zusätzliche steuerliche Belastung verzichtet werden und die Brauer appellieren an die Regierung, eine Öffnungsstrategie für Gastronomiebetriebe vorzubereiten und umgehend umzusetzen, sobald es die Infektionslage wieder erlaubt.

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Wie Digitalisierung regionalen Unternehmen helfen kann

Spremberg. Der City-Werbering-Spremberg e. V. und seine Partner haben für ihr Projekt „Regionale, virtuelle Onlineplattform - SprembergShop24.de“ Ende vergangenen Jahres den ersten Platz in der Kategorie „Projekte, Kampagnen und öffentlicher Raum“ des Innenstadtwettbewerbs „Handel(n) für lebendige Innenstädte“ im Rahmen der IHK-City-Offensive Südbrandenburg gewonnen. "Die Auszeichnung ist für den City-Werbering eine große Ehre.", so City-Managerin Madlen Schwausch vom Wirtschaftsförderer-Team der ASG Spremberg. Es gab eine Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Silke Schwabe, Unternehmensbegleiterin bei der IHK Cottbus: „Dieser Onlineshop trägt einerseits dazu bei den ein oder anderen Umsatz der regionalen Unternehmen in Spremberg in diesem Jahr zu retten. Andererseits hilft es den Unternehmen dabei die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, z.B. durch Schulungen im Bereich Onlinehandel“, begründete Silke Schwab die Wahl. Unter der Prämisse „Geh online und kauf regional“ wurde im Frühjahrslockdown für die Unternehmen innerhalb kürzester Zeit ein virtuelles Kaufhaus ins Leben gerufen. Auf dieser Onlineplattform können die Spremberger Gewerbetreibenden ihre regionalen Produkte platzieren und verkaufen. „Von Taschen, Spiritousen, Wollsachen, technischen Produkten wie Roboter, Dienstleistungen wie Botengänge über gastronomische Angebote biete dieser Onlineshop eine Menge Auswahl“, erklärt Madlen Schwausch. Außerdem können Gutscheine über den Shop erworben werden. Der Anstoß zu diesem Projekt kam im März des vergangenen Jahres, als Deutschland kurz vor dem ersten Lockdown stand. Christine Herntier, Bürgermeisterin der Stadt Spremberg, betonte die Wichtigkeit dieses Onlinehandels in der aktuellen Zeit. „Es ist vielen deutlich geworden, dass es in Zeiten wie diesen ein gutes Mittel ist, um Kunden zu halten und Werbung für sich zu machen“. Die Bürgermeisterin freut sich vor allem, dass sich dieses Engagement von den Gewerbetreibenden in Spremberg heraus entwickelt hat – „Made in Spremberg City“ sozusagen. Auch die regionale Bevölkerung werde mit diesem Projekt sensibilisiert, die Unternehmen lokal vor Ort zu unterstützen und nicht nur Einkäufe bei den großen Internetriesen zu tätigen, die es nicht unbedingt nötig hätten, hofft Silke Schwab von der IHK Cottbus. Der Spremberger Onlineshop könnte in diesem Fall Vorbild für andere Städte und Gemeinden werden. Anfragen von anderen Kommunen zu diesem Projekt gab es schon. www.sprembergshop24.de Stark für die Lausitz Weitere Artikel, Statements und Geschichten aus der Region sind in der neuen Ausgabe des Magazins »Stark für die Lausitz« zu finden.Der City-Werbering-Spremberg e. V. und seine Partner haben für ihr Projekt „Regionale, virtuelle Onlineplattform - SprembergShop24.de“ Ende vergangenen Jahres den ersten Platz in der Kategorie „Projekte, Kampagnen und öffentlicher Raum“ des…

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