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Ganz großes Theater

Kamenz. In Kamenz wird ein Sport betrieben, den die meisten nur aus dem Fernsehen kennen: Wrestling.

Clemens Skatula kennt man in gewissen Kreisen auch als Garbage Brawler. Als Abfallschläger. Das ist Skatulas Künstlername in der hiesigen Wrestlingszene.

Der 26-jährige Kamenzer hatte während des mehrmonatigen Dauerlockdowns an seinem Image gearbeitet. Respektive daran, dieses in eine etwas positivere Richtung zu lenken. Denn »bisher war ich in den Kämpfen meist der Bösewicht, aber ich will mich künftig mehr als Gutmensch in Pose setzen«, so Skatula, der einem Verein angehört, der sich Freak Wrestling Kamenz nennt und den sicher nicht allzu viele Menschen in der Region kennen dürften. Es ist ein Klub mit derzeit 15 Mitgliedern, die sich einer Sportart verschrieben haben, in der es um Schläge, Tritte und Würfe, aber vor allem darum geht, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen.

Vereinschef Clemens Skatula bezeichnet das, was er in seiner Freizeit treibt, gerne auch als sportive Show. Eine, die es ihm schon früh angetan hatte. Schon im Alter von zehn Jahren begeisterte er sich fürs Wrestling. Zu seinem Kampfnamen kam er, weil er mangels Trainingspartner, in der heimischen Garage einen Kartoffelsack mit Abfall füllte, um mit diesem zu ringen. Wrestling-Shows leben vom Schema Gut gegen Böse. Auf der einen Seite sind da die tugendhaften Publikumslieblinge, auf der anderen Halunken und Provokateure. Logisch, dass bei den Kamenzer Wrestling Freaks alle einen Kämpfernamen haben. Wichtig: Martialisch muss er klingen. Wie Metal Warrior oder Troublemaker.

Seit 2015 treffen sich die Mitglieder, die meisten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, zum Training in einem Gebäude, in dem sich früher eine Tischlerei befand. In einem Raum in der ersten Etage steht das Ringviereck, umsäumt von Fitnessgeräten, Sofa und allerlei Wrestling-Equipment. Wer diesen Sport ausüben möchte, sollte körperlich schon gut drauf sein. Denn die Kämpfe sind ein Mix aus Sport, Akrobatik und Schauspiel. Eine Art Live-Actionfilm.

Doch so gewalttätig alles aussieht: Ziel ist es - neben der Unterhaltung natürlich -, den Gegner gerade nicht zu verletzen. Für ihre Rollen und die oft kuriosen Handlungsabläufe während eines Kampfes werden sogenannte »Storylines« geschrieben, ein Drehbuch für jeden Kampf.

Zu Vor-Corona-Zeiten bestritten die Kamenzer Wrestler bis zu neun Showkämpfe im Jahr. Aus Sicht von Skatula, der als pädagogische Fachkraft an einer Kamenzer Förderschule arbeitet, ist Wrestling »ein Theaterstück« mit verschiedenen Rollen. Der 26-Jährige erzählt, dass während des mehrmonatigen Lockdowns einige Vereinsmitglieder kleine Videoclips produziert hatten, um ein wenig Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Angesichts stark fallender Inzidenzzahlen und weiterer Lockerungen hoffen die Kamenzer Wrestler darauf, bald wieder in den Ring steigen zu können. Aber lange werden sie nicht mehr in der alten Tischlerei üben können. Das Gebäude wurde verkauft und der Investor hatte den Wrestlern signalisiert, das sie bis spätestens Ende dieses Jahres dort raus müssen. Nun wird eine neue Trainingsstätte gesucht. Viel Platz brauchen die Wrestler nicht. Ein rund 50 Quadratmeter großer Raum mit einer Deckenhöhe von mindestens vier Metern, das reicht ihnen. Sollte es dann in diesem Jahr noch zu einem Showkampf kommen, hofft Garbage Brawler Skatula zeigen zu können, dass seine Rolle die nötige Tiefe hat, um bei den Zuschauern als »ein Guter« wahrgenommen zu werden.

Kontakt

Freak Wrestling Kamenz e.V.

Clemens Skatula

0152/ 24058307
clemens.skatula@web.de

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