Silke Richter

Hamsterausleihe und Onleihe

Hoyerswerda. Auch die Stadtbibliothek „Brigitte Reimann“ hat natürlich geschlossen. Wir fragten bei Heidelinde Stoermer von der Öffentlichkeitsarbeit nach, was jetzt in der Bücherei passiert. Oder eben auch nicht.

Trotz Schließung gibt es dennoch viel zu tun Frau Stoermer? 

Es gibt immer etwas zu tun. Dieser Spruch gilt auch in Bibliotheken. Selbst wenn keine Besucher im Haus sind. Auf- und umräumen, sortieren, reparieren, neu beschriften, bestellen, Lehrausbildung, inventarisieren, Lesungen ausarbeiten und dergleichen. Viele Medien warten noch auf eine für den Leser verständlichere Beschriftung und eine große Inventur ist auch geplant. Natürlich sind die Arbeiten nicht so umfänglich, wie im geöffneten Zustand. Weshalb auch in der Bibliothek eine, den Arbeitsgebieten der betreffenden Kollegen angepasste, Kurzarbeitsregelung getroffen wurde.

Und dennoch ist die Situation für viele ungewohnt. Geht es Ihnen auch so?

Ja. Auch wenn in den Büros zumeist die auch sonst übliche Betriebsamkeit herrscht, ist der Gang durch die leeren, stillen Ausleihbereiche schon ein bisschen seltsam. Fast schon unheimlich. Und wir sind natürlich traurig über jeden Tag, an denen wir die wahren Schätze an Medien nicht den Besuchern öffnen können. Die über sechzig Zeitschriftentitel trudeln regelmäßig ein, wer soll sie jetzt lesen? Die Spielecke ist aufgeräumt und bleibt es – keiner spielt und lärmt dabei stets ein bisschen mehr, als es gemeinhin für angenehm empfunden wird. Wir hätten nie gedacht, dass einem das Fehlen kann. Aber irgendwie ist für uns jeder Schließtag ein Tag an dem wir die Eröffnung vorbereiten. Neue Medien finden ihren Platz in den Regalen, wo sie nun eben noch ein bisschen auf die Nutzer warten müssen und der Neuheiten-Raum wird bald seine superschicke Couch erhalten. Auch die wird sich bis zum ersten Härtetest noch ein bisschen gedulden müssen. Es ist eine Ausnahmesituation. Für uns alle. Und wie so Viele, machen auch wir das Beste daraus.

In Supermärkten wurden und werden Hamsterkäufe beobachtet. Spielte sich Ähnliches auch in der Stadtbibliothek ab? 

(schmunzelt) In gewisser Weise schon. Kurz bevor wir die Bibliothek aus nachvollziehbaren Gründen schließen mussten, haben sich viele unserer Leser noch regelrecht eingedeckt mit Lesestoff, Spielen und Filmen. Es gab Familien, die mussten zweimal zum Auto laufen, um ihre Hamsterausleihe unterzubringen. Natürlich ist es schade für all jene, denen jetzt der Nachschub fehlt, mit dem sie sich täglich, wöchentlich oder monatlich bei uns eindeckten.

Rücken die modernen Medien in Zeiten von Corona noch stärker ins Bewusstsein der Besucher?

Es gibt schon lange in Bibliotheken nicht mehr nur die sogenannten physischen Medien, also die, die man anfassen und nach Hause tragen kann, sondern eine Vielzahl virtueller Angebote. Und die rücken jetzt natürlich als superwichtiger Teilbereich der Stadtbibliothek in den Vordergrund. Aber die Onleihe und unsere Datenbanken stehen allen Nutzern rund um die Uhr zur Verfügung. Ganz ohne Ansteckungsrisiko. Einfach mal ausprobieren was man unter Digitale Angebote auf der Hompage der Stadtbibliothek so findet. Sie werden überrascht sein. Da gibt es nicht nur die virtuelle Bibliothek mit Büchern, Zeitschriften und Hörspielen zum Herunterladen, sondern auch den Brockhaus, die Schülerduden, das Personen- und Länderlexikon Munzinger und die Pressedatenbank Genios zum Nachschlagen. Meine Kollegin Susanne Bullmann ist unsere Expertin im Online – Bereich. Mit unseren Angeboten erhalten Bibliotheksbesucher einen gesicherten Zugang zu verlässlichen Informationen und Unterhaltungsmedien wie die 24-Stunden-Bibliothek Onleihe Oberlausitz, die mit ca. 20.000 Medien, darunter Romane, Kindergeschichten, Ratgeber, Sachliteratur, Audios, Videos und Zeitschriften aufwartet. Außerdem beinhaltet das Online-Portfolio mehrere Wissensdatenbanken. Auch der Bildungsanbieter Brockhaus stellt neben der allgemeinen Recherchefunktion ab sofort seine Online-Lernhilfe „Schülertraining“ kostenfrei zur Verfügung. Um auch bisher noch nicht angemeldeten Bürgern die Nutzung ihrer Online-Dienste zu ermöglichen kann das Anmeldeverfahren auch ganz unkompliziert per E-Mail erfolgen. Das Formular dazu findet man auf der Website der Stadtbibliothek.

Welches derzeitige Fazit ziehen Sie persönlich aus der Corona - Krise Frau Stoermer? 

Ich kenne Jemanden, dessen Motto ist immer: Wer weiß wozu es gut ist. Nun, an einer solchen Krise unter deren Auswirkungen unzählige Menschen zu leiden haben und einige sogar den Tod finden, ist nichts gut. Punkt. Und dennoch bringt diese Ausnahmesituation, in der wir uns befinden, ein anderes Denken mit sich. Zumindest für mich. Mir jedoch wird bewusst, wie wichtig und wertvoll es ist, lieben Menschen zu begegnen, sie umarmen zu dürfen. Sich mit Freunden und der Familie zu treffen. Einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und dass man das viel zu oft für andere, unwichtige Dinge, verschoben hat - um die man sonst so im Alltag so kreist. Hoffentlich kann ich dieses Bewusstsein in die kommenden, besseren Zeiten herüberretten. Und ich bin dankbar für unsere technischen Möglichkeiten. Und nun viel Spaß, beim Lesen, Hören, Sehen, Lernen. Ich wünsche allen: Kommen Sie gut durch die Zeit und bleiben Sie gesund.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.