Rainer Könen

Ja-Wort in kleinem Kreis

Radeberg. In der Corona-Krise werden auch in Radeberger Umland etliche Trauungen verschoben. Manche heiraten dennoch.

Auf ihre Hochzeit hatten sich Olga und ihr Freund Thomas (Namen geändert, d. Red.) schon seit einem halben Jahr gefreut. Auf Schloss Hermsdorf wollten die beiden Ottendorfer sich in diesem Frühjahr das Ja-Wort geben. Eine richtige Märchenhochzeit sollte es werden, eine mit über 100 Gästen.
Bis Corona kam. Doch ohne Polterabend und Hochzeitsfeier, nur mit einer beschränkten Anzahl von Gästen beim Standesamt und obendrein noch mit Mundschutz und Mindestabstand, nein, so wollten die beiden keinesfalls den Bund fürs Leben schließen.

Eigentlich beginnt im Frühjahr die Hochzeitssaison. Aber wegen Corona wurden auch in Radeberg und im Umland mittlerweile etliche Trauungen abgesagt. Etwa in Radeberg. Dort schließen jährlich rund 100 Paare den Bund fürs Leben. Bisher, so Standesbeamtin Heike Voigt, sei ein Drittel der Trauungen abgesagt worden. Dennoch gebe es Paare, die unbedingt heiraten wollen, trotz der damit verbundenen Einschränkungen. 

Im Hermsdorfer Schloss finden in diesen Tagen ebenfalls Trauungen statt. Aber auch hier ist die Zahl der Eheschließungen überschaubar geworden. Wer sich dort das Ja-Wort gibt, weiß um die behördlichen Vorgaben: dass nicht mehr als 15 Personen in den Barocksaal des historischen Gemäuers dürfen, dass Social distancing das Gebot der Stunde ist.  
Hochzeitswillige haben es in diesen Tagen nicht leicht. Absagen, verlegen oder unter Auflagen heiraten? Vor dieser Entscheidung stehen derzeit etliche Paare in Weixdorf, Ottendorf-Okrilla oder Radeberg. 

Radebergs Standesbeamtin Voigt berichtet davon, dass die Trauungen in der Corona-Zeit atmosphärisch gesehen anders als sonst seien. Die Trauringe überreiche sie jetzt nicht mehr, die müssten sich die Paare selber nehmen, mit Einweg-Stiften werden die Unterschriften geleistet. Müssen alle Mundschutz tragen? Nun, im Ratssaal verzichte man darauf nach Möglichkeit, so Heike Voigt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil so eine Trauung fast im Zeitraffer-Tempo abläuft. Mit anderen Worten, so die Standesbeamtin: „In wenigen Minuten ist hier alles vorbei.“
Olga und ihr Freund Thomas freuen sich nun aufs kommende Jahr, wenn Corona hoffentlich nur noch Geschichte sein wird und sie sich im Hermsdorfer Schloss endlich das Ja-Wort geben können. Um danach ausgelassen mit ihren Gästen feiern zu können.

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