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Kein Sport, keine Lebensfreude

Kamenz. Mit einer Protestaktion wiesen jüngst Kamenzer Vereine auf die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie für Kinder hin.

Der Name war in den vergangenen Monaten nur bedingt Programm. Denn beim Verein Kamenz Can Dance ist der Bewegungsdrang der Mitglieder im Dauer-Lockdown doch arg gebremst worden. Vereinschef Mario Steinmetz erzählt, dass man bisher zwar einiges unternommen habe, um das Angebot den gerade geltenden Beschränkungen irgendwie anzupassen. So habe man das Tanztraining nach draußen verlagert, im Raum auf Abstand getanzt, als das noch möglich war.

Seit einiger Zeit hält Steinmetz übers Internet Kontakt mit den Mitgliedern, versucht mit Zoom-Meetings die Kids zu animieren, daheim Tanzschritte zu proben, an der Beweglichkeit zu arbeiten. Aber das sei zunehmend schwerer, so Steinmetz weiter, die Kinder und Jugendlichen viral fürs Tanztraining zu begeistern. Weil allen die Perspektive fehle.

Ergo nutzte der Tanztrainer die Gelegenheit, sich mit dem Verein an einer Protestaktion zu beteiligen, mit der Ende März einige Klubs der Lessingstadt auf sich aufmerksam machten. Rund 400 Kinder und Jugendliche aus sechs Kamenzer Vereinen zeigten da, was es für Heranwachsende in dieser Corona-Pandemie bedeutet, dem natürlichen Bewegungsdrang nur noch sehr eingeschränkt nachkommen zu können. Unter dem Motto »Wir lassen Kinder zu Wort kommen!« demonstrierten die Heranwachsenden, wonach sie sich zunehmend sehnen: nach einem normalen Leben, in dem sie wieder spielen und Sport treiben können.

Vereine fordern Perspektive für Öffnung

Neben Kamenz Can Dance beteiligten sich auch Tomogara Ryu, der Ostsächsische Schwimmverein Kamenz, der örtliche Polizeisportverein, der Kinderschutzbund der Lessingstadt sowie das Gesundheitszentrum MyGym an der Aktion. Oberbürgermeister Roland Dantz zeigte sich vom Engagement der Vereine beeindruckt. Dabei hoben alle teilnehmenden Vereine deutlich hervor, dass man dringend eine Öffnungsstrategie brauche. Eine, die dem Vereinsnachwuchs eine Perspektive gibt. »Es war wichtig, dass wir etwas unternommen haben«, beschreibt es Marita Lehmann. Die Vorsitzende des Kamenzer Kinderschutzbundes freute sich in den Tagen danach über das positive Feedback der Aktion. Auch Dörte Panitz vom MyGym hob den Erfolg dieser ungewöhnlichen Demo hervor. »Wir haben Aufmerksamkeit bekommen, das ist erst mal ganz wichtig«, so die Geschäftsführerin. Nun müsse man sehen, wie die Resonanz bei der Politik sei. Sie setze vor allem auf die örtlichen Kommunalpolitiker, darauf, dass man bei diesen ein Nachdenken ausgelöst habe.

Darauf vertrauen in Kamenz sicher alle Vereine. Denn nach mehr als einem Jahr zwischen wenig Öffnung und viel Lockdown haben Klubs und städtische Institutionen zum Teil heftig Federn lassen müssen. Etliche Mitglieder hatten sich in den vergangenen Monaten abgemeldet.

Nächste Aktion für Ende April geplant

Bei der einen Aktion wird es nicht bleiben, die Organisatoren haben eine weitere Demo angekündigt. Diese soll am Freitag, 30. April, auf dem Kamenzer Hutberg stattfinden. Mit noch mehr Teilnehmern.

Auch den diesjährigen Welttanztag wollen die Mitglieder von Kamenz Can Dance für ihre Zwecke nutzen. Der ist am 29. April. An diesem Tag wolle man sich mit Tanzvorführungen der Öffentlichkeit präsentieren, so Vereinschef Steinmetz. Um so erneut darauf hinzuweisen, wonach Kinder und Jugendliche sich in diesen Tagen sehnen: endlich wieder gemeinsam Sport treiben zu können.

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