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Krisenalltag bei den Oberlausitz-Kliniken

Bautzen. Mit welchen Herausforderungen hatten die Kliniken in Bischofswerda und Bautzen während der Corona-Krise zu kämpfen? Geschäftsführer Reiner E. Rogowski spricht offen über die Probleme im Krankenhausalltag.

Herr Rogowski, wie gut sind die Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda durch die Corona-Zeit gekommen? Hatten Sie persönlich viele schlaflose Nächte? 


Reiner E. Rogowski: Also erstmal sind wir gut durch die Krise gekommen, nach meinem Empfinden. Ich habe aber dennoch jede Menge schlaflose Nächte erlebt.


Was ist passiert?


Wir waren ja schon gut beschäftigt in der Zeit vor der Corona-Pandemie durch die mannigfaltige Gesetzgebung aus Berlin. Irgendeiner hatte sich damals gebrüstet, in 24 Monaten 22 Gesetzesänderungen durchzudrücken. Da geht nicht alles glatt und nicht alles ist praxisorientiert.
Nehmen wir das Thema des Pflegepersonalstärkungsgesetzes, das gut gemeint, aber dessen Umsetzung problematisch ist. Um es mal vorsichtig zu beschreiben. Wenn öffentlich gesagt wird: »Ihr bekommt die Gelder für die Lohnerhöhungen bezahlt« und es geht dabei ausschließlich um Pflegekräfte, die direkt »am Bett« arbeiten – und die Kollegen, die in der Notaufnahme sind, die in der Anästhesie und im OP arbeiten, werden ausgenommen aus dieser Regelung, dann treiben Sie einen Keil in die Mannschaft.  
Schlaflose Nächte gab es auch, als ich Freitagabend erfahren habe, dass ich bis zum Montag, 18 Uhr, die Chance hatte, meine tschechischen Mitarbeiter/innen in der deutschen Botschaft in Prag zu registrieren, damit sie über die Grenze fahren und bei uns arbeiten durften. Hat aber zum Glück geklappt.  
Die Mitarbeiterschaft war berechtigterweise relativ unzufrieden, weil ein Teil der Kollegen den Urlaub verschieben musste und Dienstpläne geändert wurden, obwohl die Betten dann teilweise leer blieben. Wir haben Dinge erwartet, die zum Glück nicht eingetroffen sind.


Warum, schätzen Sie, hatte der Landkreis Bautzen vergleichsweise niedrige Corona-Infektionszahlen zu verzeichnen?


Die Bevölkerung war überwiegend sehr diszipliniert und die empfohlenen Schutzmaßnahmen, wie das Tragen der Maske und das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln wurden eingehalten. Ich denke, dass das eine große Rolle gespielt hat und die großen Infektionsherde, wie wir sie in Heinsberg hatten, sind einfach nicht bei uns gewesen.
Bei den betroffenen Patienten zeigte sich ein ganz elendes Krankheitsbild. Die Infektion ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Anfangs dachte man, in drei, vier Tagen ist das durch, aber die ernsthaft erkrankten Patienten liegen dann doch teilweise drei bis vier Wochen auf der Beatmungsstation.


Welche Herausforderungen gab es noch?


Wir haben natürlich Druck von unseren Patienten bekommen. Sie wollten wissen, wann ihre verschobenen Operationen stattfinden würden. Auch eine verschiebbare OP ist irgendwann akut. Manche OPs können ein paar Tage warten, auch mehrere Wochen, aber irgendwann muss die Operation durchgeführt werden.
Außerdem hatten wir in Bautzen verstärkt das Problem, dass innere Krankheitsbilder von den betroffenen Personen nicht ernst genug genommen wurden. Viele Menschen hatten Angst vor einer Covid-19-Ansteckung im Krankenhaus. Dementsprechend schwerwiegender sind die Krankheitsbilder jetzt.


Kann man sich im Krankenhaus auf eine Pandemie vorbereiten?  


Ja, das können wir schon. Wir hatten zwar keine Erfahrung mit einer Pandemie, aber wir haben bereits 2010 angefangen, in Bautzen höhere Bestände an Schutzkitteln und Handschuhen zu besorgen. Dass es uns dann in dieser Heftigkeit trifft, hätten wir nicht gedacht. Unsere Bestände an Schutzkleidung sind mittlerweile wieder hochgefahren worden.
Bei bestimmten Filtern für Beatmungsgeräte gab es einen kurzen Engpass, sodass wir eng disponieren mussten und Lieferanten gewechselt haben – gewechselt auf europäische Anbieter, weil der Lieferant aus Übersee uns nicht beliefern konnte.

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