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Puppentheater feiert runden Geburtstag

Bautzen. Am 1. Januar 1961 wurde das Bautzener Puppentheater gegründet. Der runde Jahrestag soll nun im Mai gefeiert werden.

Die Marionettenbühne des Sorbischen Volkstheaters entstand 1961 als Initiative der Domowina, der kulturellen Vertretung der Sorben in der Lausitz. Als Leiter wurde der Marionettenspieler Herbert Ritscher (1920-1970) berufen. Er war Puppenspieler in sechster Generation.

Sein Großvater stammte aus der Lausitz und hatte in die Puppenspielerfamilie Listner-Lippold eingeheiratet. Ritscher konnte im Gegensatz zu seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Erna Pfeiffer von Hause aus kein Sorbisch. Das Puppentheater Bautzen war und ist die einzige Bühne, die konsequent in zwei Sprachen spielt. Die erste Neuinszenierung, »Meister Krabat«, hatte am 5. Juni 1961 zuerst in sorbischer, fünf Wochen später auch in deutscher Sprache Premiere. Drei der vier Spieler hatten sorbische Wurzeln. »Nitka Witka«, die sorbische Kasperfigur, war von Anfang an dabei.

Programm seit 1976 auch für Erwachsene

Durch die Fusion mit dem Stadttheater Bautzen wurde die Puppenbühne 1963 Sparte des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters. Bald begann eine enge Zusammenarbeit mit Puppentheatern in Polen und der Tschechoslowakei. Das Repertoire und die Spieltechniken erfuhren eine Erweiterung. 1969 konnte eine feste Spielstätte in einem ehemaligen Kino am Lauengraben bezogen werden. 1970 starb Herbert Ritscher überraschend. Seit 1976 wurde auch ein Spielplan für Erwachsene aufgebaut.

Von 1993 bis 2003 war das Theater in einer ehemaligen Kaserne untergebracht. Mit dem Einzug auf der Ortenburg im Jahre 2003 erhielt das Puppentheater mit dem Burgtheater eines der modernsten Theatergebäude der Republik.

Gespielt werden Märchen, Geschichten, klassische Theaterstücke und natürlich weiterhin Marionettentheater, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, im Burgtheater, aber auch in der gesamten Lausitz. Und die Inszenierungen sind in ober- und niedersorbischer und in deutscher Sprache zu erleben. Das Bautzener Puppentheater gastiert neben seinem regulären Spielplan auch im In- und Ausland, hat Preise gewonnen und ist vor allem bei seinem Publikum beliebt. Ein Grund zum Feiern!

Im Mai 2021 wird gefeiert. Zum 60. Geburtstag soll es nicht nur eine Festwoche geben, sondern auch das 8. Sächsische Puppentheatertreffen vom 20. bis 22. Mai und ein Deutsch-Polnisches open air Puppentheaterfestival vom 27. bis 30. Mai.

Lange Tradition des Puppenspiels

Sachsen ist seit jeher ein Zentrum des Puppenspiels. Bereits im 16. Jahrhundert reisten Gaukler mit ihren Figurentheatern durch das Kurfürstentum und führten biblische Stoffe auf. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts verbreitete sich auch die Marionette in Sachsen.

Als die Kurfürsten im 18. Jahrhundert das Marionettenspiel verboten, weil sie die Marionette zusehends als Bedrohung der öffentlichen Ordnung betrachteten, erreichten sie damit das Gegenteil. Das Marionettentheater in Sachsen blühte auf. Um 1900 gab es 150 Marionettenbühnen. 1950/51 entstanden nach dem Vorbild des Zentralen Moskauer Puppentheater von Sergej Obraszow die ersten kommunalen Puppentheater der DDR und die Puppentheatersammlung in Dresden, die seitdem deren Entwicklung dokumentiert.

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