Sandro Paufler/mlh

»Testen und mehr Freiheit«

Bautzen. Die Amtsärztin Dr. Jana Gärtner äußert sich im WochenKurier über das bisherige Pandemiegeschehen, zieht eine erste Zwischenbilanz und erklärt die Strategie des Landkreises Bautzen.

Frau Gärtner, die Pandemie ist noch nicht vorbei, aber, wenn wir eine erste Zwischenbilanz für den Landkreis Bautzen ziehen würden, wie würde diese Ihrer Meinung nach ausfallen?

Dr. Jana Gärtner: Die erste Welle lief im Vergleich glimpflich ab, die zweite Welle war herausfordernder und wir müssen sehen, was uns die dritte Welle abverlangen wird. In der ersten Welle haben wir bereits Prozesse digitalisiert, Arbeitsabläufe verbessert. Das hat uns in der zweiten Welle geholfen. Auch in der dritten Welle gelingt es noch sehr gut, mithilfe der Betroffenen und ihrer Mitarbeit, die Infektionsketten frühzeitig zu durchbrechen. Weil im Gesundheitsamt gute Arbeits- und Informationsabläufe etabliert sind, können wir den Anstieg in den Fallzahlen noch beherrschen. Wenn allerdings die Kooperation und Mithilfe der Bevölkerung verloren geht, sind auch wir als Gesundheitsamt machtlos.

Was hat Ihrer Einschätzung nach im letzten Jahr dazu geführt, dass der Landkreis Bautzen zeitweise zum Corona-Hotspot bundesweit wurde?

Es ist wohl eine Mischung aus mehreren Faktoren: Dazu zählen der hohe Altersdurchschnitt in der Bevölkerung, Ausbrüche in den Pflegeheimen, die Grenznähe, letztlich spielen auch Schulen und Kitas eine Rolle.


Wie sieht die Strategie in der Pandemiebekämpfung für die nächsten Monate für den Landkreis aus? Auch im Hinblick auf Mutationsfälle und die steigende Anzahl von Corona-Erkrankten.

Die von Vize-Landrat Udo Witschas und mir aktuell forcierte Strategie heißt »Testen und Freiheit«. Wir haben mehr als 70 Teststellen auf den Weg gebracht, die das umfangreiche Testen in der Fläche ermöglichen sollen. Mit einem negativen Testergebnis sollten zukünftig nach unserem Dafürhalten mehr Freiheiten möglich sein. Auch wenn man es nicht hören will: Mutationen verbreiten sich effizienter und damit schneller, bringen unerwartet schwere Krankheitsverläufe auch bei jüngeren Menschen mit sich sowie unerwartete Erkrankungen auch bei Geimpften und früheren Corona-Patienten. Mutationen – vor allem die britische Variante – machen schon die Hälfte aller Infektionen aus und werden die vorherrschende Variante werden. Wir empfehlen daher weiterhin dringend die Befolgung der AHA-Regeln. Die Akzeptanz zum Tragen einer Maske ist ein wesentlicher Meilenstein auf dem Weg zur erfolgreichen Pandemiebewältigung. Ich schaue dabei gern in die asiatischen Länder, die mit den zuvor genannten Maßnahmen schon einen Großteil ihrer Freiheit zurückgewonnen haben.


In welchem Zeitraum, schätzen Sie ein, können die Menschen im Landkreis Bautzen ein relativ normales Leben führen?

Je mehr Menschen sich weiterhin an die vorgegebenen Regeln halten, je besser es gelingt die Testcenter zu etablieren, aber auch die Impfungen für jedermann zu haben, umso schneller wird ein annähernd normales Leben wieder möglich. Landrat Michael Harig und Vize-Landrat Udo Witschas bitten die Menschen in unserem Landkreis, sich an die machbaren Hygieneregeln zu halten. Dem Grunde nach haben wir es selbst in der Hand, welche Tendenzen die Entwicklung der Inzidenz-Werte nimmt.


Die Pandemie hat Ihnen und Ihrem Team alles abverlangt. Welche Eindrücke sind Ihnen rückblickend geblieben?  

Für mich, die ich viele Jahre in der Klinik tätig war, ist sehr eindrücklich, dass die öffentliche Verwaltung stets in der Lage ist, sich der dynamischen Lage einer Pandemie anzupassen. Wir haben in unserem Gesundheitsamt sehr viele engagierte und motivierte Mitarbeiter aus allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung des Landratsamtes, Freistaates, Bundes sowie der Bundeswehr beschäftigt. Dadurch ist ein Arbeitsklima von gegenseitiger Wertschätzung und Dazulernen entstanden. Vize-Landrat Udo Witschas und ich bedanken uns auch auf diesem Weg ausdrücklich bei allen Mitstreitern für ihr unermüdliches Zutun und die Bereitschaft zur Tätigkeit an allen Wochenenden und Feiertagen seit mehr als einem Jahr.

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