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1.000. Baby im Uniklinikum

Dresden. Geburtenjahrgänge 2016 und 2017 liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen / Versorgung von Risikoschwangerschaften durch erweiterte Therapieoptionen verbessert.

Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe konnte am Sonntag, 21. Mai, das 1.000. Baby begrüßen, das in diesem Jahr im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden das Licht der Welt erblickte. 23.22 Uhr war es, als die stolzen Eltern die kleine Elsa in ihre Arme schließen konnten. Bei der Geburt wog sie 3.850 Gramm und war 49 Zentimeter groß.

Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist die Uni-Frauenklinik erste Ansprechpartnerin für Mütter mit einer Risikoschwangerschaft, deren Versorgung ein besonderes Know-how erfordern. Aber auch viele Eltern ohne Komplikationen entscheiden sich für eine Geburt im Universitäts Kinder-Frauenzentrum. Die enge Verbindung zwischen den Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, für Kinderchirurgie sowie für Kinder- und Jugendmedizin bietet den jungen Familien zusätzliche Sicherheit. Mit PD Dr. Cahit Birdir, seit April neuer leitender Oberarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik, gewann die Klinik einen versierten Experten, der mit seinem Erfahrungsschatz in der fetalen Laserchirurgie bei Risikoschwangerschaften das Therapiespektrum der Uni-Frauenklinik erweitert.

Das Jahr 2017 begann für die Geburtshilfe des Uniklinikums mit einem neuen Rekord: Im Januar wurden an der Pfotenhauerstraße 233 Babys geboren – knapp 14 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und die höchste Zahl der in einem Januar registrierten Neugeborenen in der Geschichte der Dresdner Uni-Frauenklinik. Die Entwicklung der weiteren Monate zeigen, dass sich die Zahlen insgesamt auf die 2016er Werte einpegeln, die ein Rekordniveau von 2.809 Neu­geborenen erreichten. Mit einer neuen Struktur im pflegerischen Bereich stellt sich die Geburtshilfe der Uni-Frauenklinik neu auf, um für die Herausforderungen der kommenden Jahre gewappnet zu sein: Seit Mitte letzten Jahres gibt es für die hier tätigen Pflegekräfte und Hebammen ein gemeinschaftliches Modell, in dem geburtshilfliche Ambulanz, Station sowie Kreißsaal zusammengefasst sind. Leiterin ist die Hebamme Frau Sandra Rings, die bisher schon für den Kreißsaal verantwortlich war. In dieser Struktur ist es möglich, dass die Mitarbeiterinnen in den drei Bereichen rotieren können. „Dieser so für die Kolleginnen offenstehende Wechsel erhöht auch im Sinne der Patientinnen die Transparenz der einzelnen Aufgabenbereiche und trägt dazu bei, dass die Arbeitsplätze der Hebammen attraktiv bleiben“, sagt Mirko Radloff, Pflegedienstleiter des Universitäts Kinder-Frauenzentrums.

Mit Ihrer Arbeit – sie decken die Versorgung der Mütter und ihrer Neugeborenen sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag ab – stehen die Schwestern und Hebammen sowie die Ärztinnen und Ärzte in der vordersten Reihe der deutschen Geburtenhauptstadt. „Die Dresdner Eltern setzen bei der Geburt Ihres Kindes auch deshalb auf unsere Klinik, weil sie hier im Fall von Risikoschwangerschaften auf höchstem Niveau versorgt werden“, sagt Prof. Pauline Wimberger, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Viele Eltern sind von der besonderen Kompetenz unserer Klinik überzeugt. Das liegt auch daran, dass wir das einzige Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe – dem sogenannten Level 1 – in Ostsachsen sind. Dabei vereinen wir die Maximalversorgung mit einem Konzept, das die Notwendigkeit und Bedürfnisse der Familien in den Mittelpunkt stellt. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin eine interdisziplinäre perinatologische Station eröffnet. Hier können acht Mütter gemeinsam mit ihren krank oder zu früh geborenen Kindern in einem Zimmer stationär versorgt werden“, sagt Prof. Pauline Wimberger weiter.

Neu im Ärzteteam der Geburtshilfe ist Privatdozent (PD) Dr. Birdir. Als Leitender Oberarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik leitet der die Erst-Trimester-Spezialsprechstunde: „Wichtiger Bestandteil unseres Konzepts der pränatalen Medizin ist es, mögliche Risiken einer Schwangerschaft abzuschätzen und gegebenenfalls bereits frühzeitig Therapien einzuleiten“, erklärt PD Dr. Birdir das Anliegen der Spezialsprechstunde. „Mit unseren Untersuchungsergebnissen können wir den Eltern meistens eine gute Nachricht überbringen. Wenn es doch Auffälligkeiten gibt, können wir mit der frühen Diagnose häufig Risiken senken und notwendige Therapien einleiten“, so der 38-jährige Gynäkologe, der zudem am King’s College Hospital in London große Erfahrungen in der fetalen Laserchirurgie sammeln konnte.

Laserchirurgie ergänzt Spektrum der Geburtshilfe
Dank der fetalen Laserchirurgie lassen sich Kinder noch im Mutterleib operieren. Diese Behandlung ist immer dann eine Option, wenn der Nachwuchs in Lebensgefahr gerät – beispielsweise bei Problemen der Plazenta wie sie bei eineiigen Zwillingen auftreten können oder bei Fehlbildungen. Ein Beispiel hierfür ist die fetale Zwerchfellhernie, bei der Bauchorgane durch einen Defekt in den Brustkorb verschoben sind. Sperrt der Fetalchirurg die Luftröhre mit einem Ballon ab, verhindert er den permanenten Druck von Magen und Leber auf die Lungen. Ohne diese Korrektur könnten sie sich nicht vollständig entwickeln, so dass Neugeborene kaum eine Überlebenschance hätten. Operative Therapiemöglichkeiten bestehen auch, wenn bei eineiigen Zwillingen die Kreisläufe dieser Kinder über eine gemeinsame Plazenta verbunden sind und es dadurch zu einem extremen Ungleichgewicht in der Versorgung kommt. Dann trennt der Fetalchirurg deren Kreisläufe, damit beide gleichmäßig mit Blut versorgt werden. Geschieht das nicht, bekommt ein Kind zu viel und das andere zu wenig. Unbehandelt bleibt den Zwillingen nur eine zehnprozentige Überlebenschance. Dank der Laser-OP im Mutterleib sind es 70 Prozent. „Es ist immer noch ein kleines Wunder, diesen Feten helfen zu können“, sagt PD Dr. Birdir mit Blick auf die Eingriffe, die er bereits vorgenommen und begleitet hat.

Erst-Trimester-Spezialsprechstunde
Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Dresdner Uniklinikums etablierte vor etwa zehn Jahren als weltweit eines der ersten Zentren eine Erst-Trimester-Spezialsprechstunde. In diesem Rahmen erhalten Frauen in der 11. bis 13. Schwangerschaftswoche eine umfassende Ultraschalluntersuchung. Diese stehen in keiner Verbindung mit den später erfolgenden Checks insbesondere für ältere Schwangere, bei denen es um die seltener auftretenden Chromosomenstörungen wie die Trisomie 21 geht. Bei der Erst-Trimester-Untersuchung stehen die weniger berücksichtigten Ursachen späterer akuter Erkrankungen oder Komplikationen der Schwangeren oder ihrer ungeborenen Kinder im Fokus der Gynäkologen. Dazu gehören zum Beispiel Früh- und Fehlgeburten sowie die Schwangerschaftsvergiftung, der Präeklampsie. Im Rahmen der Erst-Trimester-Spezialsprechstunde finden die Spezialisten bei 80 bis 85 Prozent der Schwangeren keine Auffälligkeiten. Das beruhigt viele Familien und lässt die Schwangerschaft von Beginn an zum positiven Erlebnis werden. (pm)

 

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