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3D ohne Brille: Die Straße ist seine Leinwand

Dresden. Im Interview: Street Art-Künstler Leon Keer über eine neue Ausstellung in Dresden

Vom 1. Oktober 2016 bis 8. Januar 2017 gastiert in Dresden die weltweit einzigartige Ausstellung „Magic City – die Kunst der Straße im Kulturzentrum „Zeitenströmung" auf der Königsbrücker Straße. Der Holländer Leon Keer (46), einer der 39 teilnehmenden internationalen Street Art-Künstler, sprach mit dem WochenKurier nicht nur über das bevorstehende Event.

Herr Keer, man kann ihnen beim Malen bei allen Arbeitsschritten vor Ort über die Schulter schauen, von der Skizze bis zur fertigen 3D-Illussion. Wird sie das bei der Arbeit nicht nervös machen?

Im Gegenteil. Ist doch toll, wenn sich so viele Leute für meine Bilder interessieren.

Beim kürzlich beendeten Lack. Streiche. Kleber – Festival in der Dresdner Neustadt haben Sie vier Tage lang den Vorplatz des Kulturzentrums „Scheune" auch als Werbung für eine Weltpremiere genutzt...

Stimmt, vom 1. bis 16. Oktober lasse ich mit 39 international namhaften Künstlern in den leeren Hallen der Zeitenströmung an der Königsbrücker Straße eine sogenannte „White City" entstehen.

Es ist aber nicht nur eine Weltpremiere schlechthin?

Nein, was an dieser Stelle Dresdens entsteht sind einmalige Kunstwerke, die nicht als fertige Leihgabe von außen hereinkommen.

Warum haben Sie sich für dieses einzigartige Spektakel ausgerechnet das bunteste Stadtviertel Dresdens ausgesucht?

Die Neustadt ist über Deutschlands Grenzen hinweg längst bekannt als Ort der Kunst und Kultur. Aus diesem Grund muss ich einfach hier malen.

Zurück zu ihrem Anfang August auf dem Vorplatz der „Scheune" gepinselten Bild namens „Across the Border". Was ist Ihnen bei der Motivwahl durch den Kopf gegangen?

Für mein Wer habe ich mich von einem typisch sächsischen Thema inspirieren lassen.

Das müssen Sie genauer erklären...

Nun ja, das Bild zeigt drei Meißner Porzellanfiguren.Nicht so kitschig, dafür ein bisschen moderner interpretiert. Sie stellen eine islamische Familie dar, die auf der Suche nach einem neuen Leben ist. Dabei gießt die Frau symbolisch Wasser an einen Baum.

Was möchten Sie mit Ihren mit Acrylfarben oder Kreide gemalten Bildern erreichen?

Für mich ist es wichtig, dass es einen interaktiven Moment für die Menschen rund um das Kunstwerk gibt. Das steckt in dem Wort Magic, das ist das Besondere. Und es ist für jeden erlebbar, egal ob jung oder alt.

In welchen Ländern wurden Ihre Meisterwerke auf Straßenpflaster und Häuserwänden schon bestaunt?

Ich bereiste schon den gesamten Globus, entwarf großformatige Wandbilder u.a. für Coca Cola oder Red Bull.

Das Geheimnis Ihrer Schöpfungen lüftet sich dem Betrachter erst, wenn er den absolut richtigen Blickwinkel gefunden hat...

Ja, am besten, man schaut wie beim Fotografieren auch noch durch ein Handy.

Welches war bisher das größte von Ihnen produzierte Bild?

Es war genau 750 Quadratmeter groß - Weltrekord! Ich habe es 2009 zusammen mit sechs befreundeten Künstlern im Zentrum der holländischen Stadt Rijssen gemalt.Es zeigte einen schwebenden Globus, der uns einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde einbrachte.

Was wollten Sie als Junge werden?

Von Comics war ich schon als Knirps fasziniert, habe auch selbst welche gezeichnet. Etwas anderes als ein Beruf, der mit Malen zusammenhängt, kam bei mir nie in Frage.

Wussten Sie, dass Ihr berühmter Landsmann Rudi Carrell („Am laufenden Band"), wenn er Ideen für seine Shows suchte, einfach die Menschen auf der Straße beobachtete?

Nein, das wusste ich nicht. Aber ich mache es genauso wie er, wenn mir einmal nichts einfällt. Meist gehe ich dann in eine Gegend, wo ich noch nicht so oft war. In der Neustadt fände ich bestimmt genügend Anregungen (lacht).

Das Gespräch führte Hans Jancke

„Vom 1. Bis zum 16. Oktober 2016 gibt es ein „Dresden Welcome-Special" zu 10,- Euro für Erwachsene und 5,- Euro für Kinder.

Weitere Infos unter www.magiccity.de

 

 

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