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Drei Jahre Arbeit für den Traum des Theater Mundi

Dresden. Hoppes Hoftheater hat die Geburt des Christkindes auf spektakuläre Weise neu angekurbelt

Im 2002 von Rolf Hoppe (85) eröffneten Hoftheater Weißig wird am 4. Advent die Geburt des Christkindes im Mittelpunkt der spektakulären Theatrum-Mundi-Weihnachtsgeschichte stehen. Deshalb ist es nicht leicht, mit Dirk Neumann (55), Schauspieler und künstlerischer Leiter des vierköpfigen Puppenspieler-Ensembles, ins Gespräch zu kommen. Dabei ist es nicht etwa so, dass er nicht reden will, er hat nur extrem wenig Zeit....

Herr Neumann, Sie wirken etwas nervös?

Na ja, der Termin, an dem sich erstmals der Vorhang hebt, rückt immer näher. Da müssen nicht nur die Texte sitzen, sondern auch die mechanische Theatermaschine, die vier per Handkurbel angetriebenen Laufbänder für die über 150 Sperrholzfiguren, reibungslos funktionieren.

Wie lassen Sie denn die historischen Gestalten auf der bis ins Mittelalter zurückgehenden Kulisse lebendig werden?

Es ist ein einfaches wie geniales Prinzip: Rad, Kurbel, Schienen, Exzenter und Riemen bilden die Grundausstattung, um Drehbewegungen mittels Exzenter in vertikale Bewegungen umzuwandeln. So werden Puppen, Wagen oder Vögel zum Laufen, Fahren und Fliegen gebracht.

Wie groß ist denn eigentlich die Bühne?

Die Theatrum-Mundi-Maschine hat die stattliche Größe von vier mal drei Metern, wobei die Laufbänder mittels Kurbel in Augenhöhe des Publikums angetrieben werden. Auf den Laufbändern bewegen sich mechanische Miniaturen in wechselnder Richtung, mit unterschiedlichem Rhythmus und babylonischem Sprachgewirr. In die akribisch ausgeführten Szenenentwürfe kann der Betrachter sich wahrhaftig hineinträumen.

Wer sind die Hauptdarsteller?

Die Geschichte spielt in Nazareth, wo ein ganzes Volk sich auf Wanderschaft begibt, um auf Befehl des Kaisers Augustus geschätzt zu werden. Es geht durch die Wüste von Palästina, nach Bethlehem und nach Jerusalem an den Thron des Herodes. Man begegnet z. B. einem Zahnlosen, einem Straßenkehrer, dem Mann mit dem Esel, römischen Soldaten, einem Fakir, Hirten und Schafen, Engeln, Gangstern und Touristen. Natürlich sind auch Zimmermann Joseph, seine schwangere Frau Maria und die drei Weisen aus dem Morgenland dabei.

Das klingt ja echt spannend...

Die Tradition des Theatrum Mundi, eine Geschichte an den Wurzeln unserer Kultur und Bildsprache des Comics zu erzählen, verweben sich in dieser sehenswert-skurrilen Inszenierung von der Geburt des Jesuskindes zu einem poetischen, besinnlichen und nicht zuletzt gewitzten Theaterereignis.

Wer ist eigentlich der Erfinder des sogenannten „Welttheaters"?

Er stammt aus dem sächsischen Olbernhau, heißt Johann Samuel Brede (1694 – 1762). Im 18. Jahrhundert zogen Schausteller, Theaterdirektoren und Puppenspieler mit diesen Maschinen über Jahrmärkte, zeigten den staunenden Menschen exotische Schauplätze, gigantische Naturkatstrophen, Seestürme oder Vulkanausbrüche. Als letzter seiner Zunft präsentierte Heinrich Apel diese Theaterform 1952 in Dresden.

Für Sie hat sich mit dem Theatrum Mundi ein lang gehegter Traum erfüllt?

Das stimmt. Ich habe 1985 an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin Puppenspiel studiert. Als ich dann später einmal, bei einem Besuch der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, eine Ausstellung mit 250 Jahre alten Theatrum-Mundi-Figuren gesehen habe, hat es bei mir „Klick" gemacht. Die Darstellungen mit venezianischen Fischern und einer napoleonischen Armee faszinierten mich. Seitdem ließ mich der Wunsch, selbst so ein Theater zu besitzen, nicht mehr los.

Die Verwirklichung Ihres Traumes war dann sicher eine große Herausforderung?

Das kann man wohl behaupten! Drei Jahre habe ich mit 30 tatkräftigen Helfern, darunter fünf vom Arbeitsamt vermittelte Handwerkern aus den unterschiedlichsten Berufen, wie Maler, Tischler, Schlosser oder Mechaniker, sowie befreundeten Künstlerkollegen an der Fertigstellung des Theaters gearbeitet. Mein erlernter Job als Elektromonteur kam mir natürlich bei den Arbeiten sehr zugute.

Hat Rolf Hoppe, Prinzipal des Hoftheaters Dresden und Ihr Schwiegervater in spe, persönlich mit Hand angelegt an der Puppenbühne?

Natürlich, er war sogar der Patenonkel der ganzen Geschichte und hatte viel Spaß dabei, trotz seines hohen Alters. Er ist nun mal ein Theatermensch, und „im Innersten immer ein Kind geblieben", wie er selbst von sich behauptet. Er feierte übrigens am 6. Dezember seinen 86. Geburtstag. Hans Jancke

Vorstellungen: 18., 23. 24. (zwei Termine), 25. und 26. Dezember (zwei Termine)

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