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Dynamo Omi: „Wenn sie aufsteigen, schreibe ich ein Buch!"

Dresden. Ingrid Beier (86) geht seit 1954 ins Stadion, hat eine Schwäche für Spieler mit blauen Augen und ein Händchen für Eiersalat.

Alle Welt ruft sie nur „Hallo, Dynamo-Omi"! Der Bekanntheitsgrad der kleinen Frau mit dem silbernen Haarschopf, die im richtigen Leben Ingrid Beier heißt, liegt fast so hoch, wie der der Spieler. Mit dem WochenKurier plauderte Sie über ihren Spitznamen, Privates, Lieblingsspieler und Eiersalat.

Zuerst die obligatorische Frage: Wie kam es zu Ihrem Spitznamen?

Moderatoren eines TV-Teams haben mich bei einem Interview so getauft, die fanden das wohl witzig.

Wann hatten Sie Ihren ersten Ballkontakt?

Keine Ahnung, ich weiß nur, dass ich anstatt mit meiner Puppe lieber mit dem Ball gespielt habe. Manchmal waren meine Schwester Edith oder ein paar Nachbarjungs dabei. Als Torpfosten dienten zwei Ziegelsteine, ein mit Strick umwickeltes Lumpenknäuel musste als Ball herhalten.

Das war doch bestimmt eine holprige Angelegenheit?

Und ob, zumal die Wiese in der später im Krieg ausgebombten Cottaer Raimannstraße, die uns als Spielfeld diente, mit Maulwurfshügeln übersät war.

Bei Heimspielen sitzen Sie immer hinter der Trainerbank, um bloß keine taktischen Anweisungen zu verpassen?

Iwo, ich habe eine Ehrenkarte, mit der kann ich mich dort platzieren, wo gerade frei ist.

Sie sind aber früher zu allen Auswärtsspielen mitgefahren?

Ja, aber durch das stundenlange Sitzen im Bus kam ich nur mit Mühe wieder auf die Beine. Aber ich verpasse kein Spiel im Fernsehen.

Bestimmt können Sie alle Fußballregeln im Schlaf hersagen. Was ist denn zum Beispiel Abseits?

Also, ein Spieler befindet sich in Abseitsstellung, wenn er bei der Ballabgabe eines Spielers seiner Mannschaft näher am gegnerischen Tor ist als zwei verteidigende Spieler. Beim sogenannten passiven Abseits wird es komplizierter...

Welchen Dynamo-Spieler würden Sie gern mal zum Kaffee einladen?

Na ja, sympathisch sind sie mir alle. Ab und zu treffe ich sie sogar in ihrem Lieblings-Café in der Altmarkt-Galerie und wir plaudern miteinander. Den verletzten Mannschaftskapitän Marco Hartmann durfte ich sogar im Krankenhaus besuchen.

Hand aufs Herz: In der Mannschaft stehen einige attraktive Kicker. Wenn Sie noch einmal 17 wären, an welchen Spieler könnten Sie ihr Herz verlieren?

Da muss ich nicht lange überlegen. Von Niklas Kreuzer würde ich mir schon gern den Kopf verdrehen lassen. Seine blauen Augen erinnern mich sehr an Kino-Legende Hans Albers, aber er kann auch traumhafte Flanken schlagen.

Wenn Sie im Lotto gewinnen würden, welcher Spieler stünde dann bei Ihnen auf der Wunschliste?

Da hätte ich vor allem Marco Reus von Borussia Dortmund auf dem Zettel, er spielt kluge Pässe und ist sehr torgefährlich.

Seit wann gehen Sie eigentlich ins Stadion?

Erstmals 1954, bei welchem Spiel, weiß ich aber nicht mehr. Das Fußball-Fieber hat mich aber schon vier Jahre früher gepackt. Immer, wenn ich mit meiner Tram am Stadion vorbei gezuckelt bin und den Torjubel der Zuschauer gehört habe. Ich war damals Straßenbahnfahrerin, fuhr die Ziehharmonika sowie die Triebwagen kleiner und großer Hecht.

Sie werden am 19. Juni 87 Jahre alt. Denkt man da schon mal über die eigene Sterblichkeit nach?

Sicher, das sollte jeder tun, ich halte das für ganz normal.

Auf dem Friedhof in Gelsenkirchen, in Sichtweite der Veltins-Arena, gibt es seit 2002 ein Fan-Feld für Schalke-Fans und Angehörige. Wäre das auch was für Dresden?

Ich weiß nicht. In Dresden wird den Dynamo-Fans schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, das finde ich toll. So wurde mein Name neben bisher über 3000, darunter Dresdner Dynamo-Idolen aus 64 Jahren Vereinsgeschichte und anderen treuen Club-Mitgliedern, am neuen Mannschaftsbus verewigt. So kann ich meine Jungs problemlos zu jedem Auswärtsspiel begleiten.

Aber wird es nicht langsam Zeit, dass Sie Ihre Memoiren schreiben?

Immer schön langsam mit den jungen Pferden (lacht). Aber sobald Dynamo in die 1. Bundesliga aufsteigt, fange ich an zu schreiben!

Sie scheinen momentan etwas aufgeregt zu sein?

In einer Stunde fängt doch die Pressekonferenz im Dynamo-Stadion an, ich habe noch nie eine verpasst. Und der Eiersalat ist auch noch nicht fertig.

Was hat denn der Eiersalat mit der PK zu tun?

Den essen doch die Damen im Vereins-Büro so gern. Der Mannschaft bringe ich übrigens immer vor der Abfahrt zu einem Auswärtsspiel einen selbstgebackenen Sandkuchen mit.

Sie haben noch etwas auf dem Herzen?

Ich möchte mich herzlich bei Jens und Jörg, zwei besonders galanten Dynamo-Fans, bedanken. Bei einem Heimspiel holen Sie mich jedes Mal von zu Hause ab und bringen mich nach dem Schlusspfiff wieder zurück.

Das Gespräch führte Hans Jancke

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