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Freche Göre benennt Macken der Erwachsenen

Dresden. Seit 23 Jahren ist Petra Hoffmann als Sachsenkind Friedlinde im Dienst der „Kindergusche“ unterwegs

 Sachsenkind Friedlinde ist längst Kult! Keiner bringt die Sachsen so zum Lachen wie die freche Rotzgöre mit blonden Zöpfen, roten Strumpfhosen und bunten Kleidchen. Im Kostüm der Vierjährigen mit der frechen Kindergusche steckt Petra Hoffmann (52). Sie leiht der Kunstfigur seit 23 Jahren ihre Stimme.

Frau Hoffmann, Sie fanden 1993, nach mehreren Anläufen in verschiedenen Berufen, mit der Rolle als Sachsenkind Friedlinde endlich ihr großes Glück?

Das kann man so sagen, denn bis dahin war ich wirklich verzweifelt. Meine Band „Der letzte Versuch", in der ich bis dahin gesungen hatte, löste sich auf.

Als Sie sich daraufhin mit einem Comedy-Programm in sächsischer Mundart selbstständig machen wollten, bügelte Sie eine Mitarbeiterin vom Arbeitsamt ab...

Ja, sie sah für mich wenig Chancen in der Unterhaltungsbranche, meinte, dass ich bald wieder vor ihr sitzen würde. Obwohl ich kurz vorher zwei tolle Preise bei der Internationalen Talentebörse in Mainz abgeräumt hatte.

Denken Sie heute noch ab und zu an jenes Gespräch?

Oh ja, zumal ich meine damalige Ratgeberin liebend gern noch einmal wiedersehen und ihr beweisen könnte, wie man es mit Fleiß, Beharrlichkeit und Talent heutzutage zu etwas bringen kann.

Ehe es zur Erfolgsgeschichte mit der Kultfigur Friedlinde kam, vergingen bekanntlich etliche Jahre...

Stimmt. Mein erster Job war Fachverkäuferin für Rundfunk und TV. Danach versuchte ich es auch als Mitarbeiterin in der Anrechtsabteilung des Dresdner Kulturpalastes und später im Büro der Bezirkskommission für Unterhaltungskunst.

Doch der Wunsch Comedy zu machen als Clown, Zwerg, dann als Friedlinde ging Ihnen nie aus dem Kopf, es folgte besagter Schritt in die Selbstständigkeit...

Mit der rotzfrechen Göre mit Brille, Zöpfen und knallbuntem Kostüm, die die Macken der Erwachsenen schonungslos offenlegt, eroberte ich bald nicht nur Dorfsäle und Stadtfeste in ganz Sachsen.

Bis der MDR auf Ihr Quote verdächtiges Talent in Sachen Kindermund aufmerksam wurde...

Ja, sowohl in der „Wernesgrüner Musikantenschenke" als auch in Achim Mentzels „Hitparade", wo ich sogar zur Musikantenkönigin gekrönt wurde, lachte das Publikum Tränen über Friedlindes rotzfreche Plappergusche.

Sie lieben es, Menschen zu Lachen zu bringen?

Es ist doch ein herrliches Gefühl, wenn die Leute applaudieren und dann sagen, dass sie lange nicht so gelacht haben.

Wann merkten Sie das erste Mal, dass Sie für die Bühne geschaffen sind?

Schon als ich vier Jahre alt war (lacht). Damals tanzte ich mit einem Holzquirl als Mikrofon durch die Wohnung und habe Schlager aus dem Radio nachgesungen.

Sie sind Single, haben selbst keine Kinder. Ist Friedlinde Ihnen deshalb so sehr ans Herz gewachsen?

Ja, auch wenn sie manchmal ziemlich vorlaut ist.

Waren Sie selbst ein schwieriges Kind?

Nein, meine Mutter Inge hat mir auf den Weg gegeben, immer brav zu sein und keinen Blödsinn zu machen. Daran halte ich mich – außer auf der Bühne!

Angenommen, Friedlinde wird zum Auslaufmodell – zögen Sie für viel Geld ins Dschungelcamp?

Niemals, für keinen Preis der Welt!

Auf Ihren Glücksbringer ist also Verlass?

Ja, es ist eine Kette, ein kleiner Engel aus Bergkristall. Er stammt von einem Urlaub auf Fuerteventura.

Sie entwerfen und schneidern Friedlindes putziges Outfit selbst?

Ja, aber auch die anderen Kostüme für meine Rollen als Nachtgespenst Adele, Hasenkind Lisa, Cynthia oder Clown Pipolino. Momentan bügle ich gerade ein Glitzer-Kostüm für das große Ronny Gander Festival in Eisenhüttenstadt, übernehme dort die gesamte Moderation im Comedybereich.

Vorher gastiert Friedlinde aber noch ganz in der Nähe?

Ja, am 20. August beim Dorffest in Kleinnaundorf bei Freital.

Was möchten Sie trotz Terminstress unbedingt noch einmal auf die Reihe kriegen?

Auf jeden Fall will ich noch ein Buch mit meinen Memoiren schreiben. Damit die Leute später noch Spaß mit mir haben, auch wenn ich schon das Zeitliche gesegnet habe.

Verraten Sie dann auch etwas über Ihre Affenliebe?

Auf jeden Fall, mein Traumberuf war eigentlich Tierpflegerin im Zoo – aber nur bei den Affen. Dafür hätte ich jedoch zuerst in der Rinderzucht arbeiten müssen, das wollte ich nicht. Heute setze ich mich ehrenamtlich für den Schutz von Schimpansen ein. Ich besuche meine Lieblinge, alles ausgediente Zirkustiere, die wohl behütet ihren Lebensabend verbringen.

Haben Sie einen Wunsch, den Sie sich gern erfüllen würden?

Ein Sketch mit Schauspielerin Iris Berben („Rosa Roth)" im TV, davon träume ich!

Verraten Sie uns zum Schluss noch Ihr Lebensmotto?

Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.

Mit Petra Hoffmann sprach Hans Jancke.

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