Katja Starke

Für Sekunden blind über den Elberadweg

Dresden. Nicht nur Autolichter blenden, auch Radfahrer sorgen für gefährliche Situationen

Zu sagen, Holger Seefeld sei wütend, wäre noch untertrieben. Beim Thema Elberadweg kann er schon mal ausrasten. Der Grund sind die vielen Radfahrermit ihren lichtintensiven Strahlern. Dabei ist der 43-Jährige gar kein militanter Fußgänger, sondern selbst täglich mit dem Rad auf dieser Strecke unterwegs.

Holger Seefeld ist ambitionierter Radfahrer. Täglich mit seinem Fahrrad unterwegs, steigt er nur sehr ungern in die Straßenbahn um. Und doch regt er sich über "Seinesgleichen" täglich auf: "Viele haben eine LED-Leuchte mit Xenon-Effekt. Sie sind aber so eingestellt, dass sie entgegenkommende Radfahrer, und häufig auch Kinder, stark blenden." Blindes Fahren ist die Folge. Doch Herr Seefeld ist nicht von der schüchternen Sorte. Deshalb spricht er die Radfahrer auch mal an, bittet sie, die Lampe niedriger zu stellen. Die Reaktion der Fahrer ist eher verhalten. Schon öfter hat er sich üble Beschimpfungen anhören müssen. Dabei geht es ihm nur um die Sicherheit. "Ich glaube kaum, dass nur mich die Lichter so stark blenden."Bei der Polizei ist dieses Problem nicht bekannt. Sie argumentiert damit, dass alle im Handel erhältlichen Lampen zertifiziert und zugelassen seien. "Ich halte daher eine Blendung für eine subjektive Wahrnehmung", erklärt Thomas Geithner, Pressesprecher der Dresdner Polizei. Vor dem Hintergrund ergeben Kontrollen keinen Sinn. "Für Fahrräder gibt es ja auch keine gesetzlichen Regelungen über die Art des Anbringens der Lichtquelle." Auch der Allgemeine Deutscher Fahrrad-Club Dresden e. V. (ADFC) hüllt sich in Schweigen. Als Antwort auf die WochenKurier-Anfrage schicken sie eine PDF zur Fahrradbeleuchtung, welche jedoch nicht beinhaltet, wie man die Lampen am besten einstellt. Dem "Blindfahren" schließt sich ein weiteres Problem an. "Es kommt häufig vor, dass ich die Fußgänger, freilaufende Hunde und die Kinderwagen auf dem Elberadweg im Dunkeln schlecht sehe, weil sie ganz in schwarz sind und keine Reflektoren haben", schimpft Holger Seefeld. Bei ihm führte es dazu, dass er ganz knapp vor einem Kinderwagen abbremste, einmal sogar halb vom Rad springen musste. "Es besteht keine Pflicht, sich im Dunkeln ,sichtbar' zu machen", betont Thomas Geithner. Reflektoren seien nur für Radfahrer vorgeschrieben. Der Polizeisprecher verweist auf gegenseitige Rücksichtnahme. "Der sogenannte Elbradweg ist kein reiner Radweg. Radfahrer müssen ihren Fahrstil oder ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen." Das tut Holger Seefeld schon lange, immer wieder erfolglos.        

Nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Kinder ein Problem: Die neuen, lichtintensiven Strahler. Foto: Fotolia 

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