Carola Pönisch

Mal wieder Internationalität wagen

Dresden. 1911 und 1930/31 gab es in Dresden zwei große Internationale Hygiene-Ausstellungen, die Millionen Menschen in die Stadt zogen. Könnte dieser Erfolg jetzt nicht wiederholt werden, gerade mit Blick auf Corona? Die FDP regt einen Diskupt darüber an.

Es ist schon eine Weile her, dass Dresden der Ruf einer international bedeutsamen Ausstellungsstadt voraus eilte. Genauer etwa 100 Jahre. Maßgeblich für dieses Image waren die beiden Internationalen Hygiene-Ausstellungen 1911 und 1930/31, auf denen die neuesten wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standards im Bereich Hygiene und Gesundheit aus aller Welt gezeigt wurden. Viele Staaten beteiligten sich an den Ausstellungen in Dresden. So sahen 1911 zum Beispiel 5,2 Millionen Besucher die I. Internationale Hygiene-Ausstellung, die auf Bestreben des Unternehmers Karl August Lingner stattfand.

Große Wirkung

Schon nach dieser ersten Ausstellung hatte Dresden seinen Ruf als „gesunde Stadt“ weg und war Motor einer internationalen Bewegung. Die Besucher wurden in Fragen der Hygiene und Reinheit sensibilisiert und die Zahl der seuchenartigen und chronischen Erkrankungen sank u.a. auch dank solcher Aufklärungsarbeit.

Auch die II. Internationale Hygiene-Ausstellung, die am 17. Mai 1930 im neu gebauten Hygiene Museum eröffnet wurde und bis 1931 ging, zog über vier Millionen Menschen in die Stadt.

Ein wichtiger Aspekt der beiden Internationalen Hygiene-Ausstellungen war die Teilnahme von zahlreichen Ausstellern aus der ganzen Welt, die den damaligen Stand der Entwicklung in ihren Ländern darstellten. Darunter waren auch medizinische Institute aus zahlreichen Ländern, wie das Institut Pasteur aus Frankreich, vertreten, gleichzeitig kamen industrielle Aussteller, die neue Hygieneprodukte präsentierten. Die Hygiene-Organisation des Völkerbundes war ebenso vertreten wie das Internationale Arbeitsamt Genf.

Anknüpfen an den einstigen Ruf

Können wir  an die Tradition der großen Ausstellungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Dresden anknüpfen und  aus der Erfahrung mit der COVID-19-Pandemie eine neue Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresdenauf die Beine stellen? Diese Fragestellung wirft jetzt die FDP-Fraktion im Dresdner Stadtrat in den Ring. Im Oktober soll ein entsprechender Antrag in den Stadtrat eingebracht und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert beauftragt werden, dieses Thema zu prüfen.

"Wir brauchen eine Machbarkeitsstudie,  an deren Erarbeitung das Hygiene-Museum, die Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, das Internationale Kongresszentrum und die Messe Dresden mitwirken sollten", heißt es in dem Antrag. Freistaat und Bund sollten mit an den Tisch geholt werden.

Warum es dieser Ausstellung bedarf

"Genauso wie damals können auch bei einer neuen Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden zahlreiche Fachtagungen und Kongresse während des Verlaufs der Ausstellung abgehalten werden. Eine neue Ausstellung sollte ebenso auf modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Hygiene und Medizin konzipiert werden, Aufklärung betreiben und einen Leitfaden durch den Dschungel an unzähligen Verhaltensregeln und Produkten geben. Wie stark eine Pandemie das persönliche, öffentliche, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben beeinträchtigen kann, das haben wir weltweit seit über einem Jahr erfahren müssen. Was ist bei der Vielzahl an Erkenntnissen, nicht nur aber auch in Bezug auf das Coronavirus, heute wichtig und allgemeingültig", sagt FDP-Fraktionschef Holger Zastrow.

Mit dem Deutschen Hygiene-Museum sowie der Universitätsklinik gäbe es in Dresden jedenfalls schon herausragende Institute, die als einer von vielen nationalen und internationalen Partnern für eine solche Ausstellung in Frage kommen.

Und vor allem. "Nach der gescheiterten Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt Dresdens ist der Vorstoß für die Durchführung einer neuen Internationalen Hygiene-Ausstellung ein neuer Ansatz, Dresden national und international bekannt zu machen und in einem interessanten Image darzustellen."

 

 

 

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.