Carola Pönisch

Minister Raumsauer spielt Schiffeversenken

Dresden. Mit kleinen Sportbooten, die keine Fahrgastschiffe, Fähren und Barkassen im Sinne der "Binnenschiffsuntersuchungsordnung" sind, dürfen seit 1. Januar keine Gäste mehr gewerblich (also gegen Entgelt) befördert werden. Jeder Laie kann sich dagegen ein Sportboot mieten und damit herumschippern.

Soziale Netzwerke sind eine feine Sache und mitunter sehr nützlich. Nico Cüppers erfuhr Mitte Februar via Facebook zum Beispiel ganz nebenbei, dass sein Gewerbe ? er schippert mit seiner Firma "Elbe-Taxi" seit 2011 Passagiere  von Dresden in die Sächsische Schweiz ? bereits seit 1. Januar verboten ist. Die gewerbliche Beförderung von Personen mittels Sportbooten (dazu gehören übrigens auch motorbetriebene Flöße), so will es eine neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums, ist ab sofort untersagt, nachzulesen erstmals am 28. Dezember 2012 im Bundesanzeiger. Begründet wird die Änderung mit Sicherheitsfragen. Es geht um  Brandschutz an Bord oder die angemessene Evakuierung im Notfall. "Während Fahrgastschiffe  hohen technischen Anforderungen der Binnenschiffsunterschungsordnung unterliegen, besteht für das Gros der zur Vermietung vorgesehenen Sportboote solche sicherheitstechnischen Bauvorschriften nicht", antwortet Petra Bethge, Sprecherin im Ministerium, auf Nachfrage. Von Sicherheitsgefälle ist die Rede, davon, dass Sportboote mit Holz ausgestattet und mit Benzin angetrieben sind, dass weder Rettungsmittel noch Sprechfunk an Bord sein müssten. Und noch einen Grund nennt Petra Bethge: All das habe "zur wirtschaftlichen Konkurrenz zwischen Betreibern von Fahrgastschiffen und Sportbooten" geführt. "Das sehe ich als den wahren Grund für das Verbot", vermutet Nico Cüppers mit Blick auf eine starke Lobby-Arbeit in Berlin. Denn nicht hier auf der Elbe, sondern auf den Gewässern rund um Berlin und Potsdam war der Phantasie von Sportbootvermietern keine Grenze gesetzt. "Da gibt es tatsächlich einige abenteuerlich konstruierte Gefährte, die bis zu 40 Personen an Bord nehmen und natürlich eine Konkurrenz zur Fahrgastschifffahrt darstellen", weiß Cüppers. Doch von den Berliner Behörden gab es nie ein Eingreifen, blind genehmigte man alles.  Doch damit ist jetzt Schluss. Rund 50 Sportboot-Unternehmen bundesweit, ein halbes Dutzend auf der Elbe, müssen ihre Boote auf dem Trockenen lassen. Oder es  wie der Elbe-Taxi-Chef machen, der gemeinsam mit seinen Mitwettbewerbern  gegen das "Berufsverbot"  vorgehen will: Weiterfahren und bis zur Klärung alle Umsätze auf ein Treuhandkonto eines Anwalts einzahlen. Oder seine Sportboote einfach vermieten, an jeden, der Lust hat und mit Familie oder Freunden via Sächsische Schweiz schippern will. Hauptsache,  Bootsführer Cüppers ist nicht an Bord.

 

Seit Januar verboten: Passagiere mit kleinen Motorbooten und motorisierten Flößen befördern.      Foto: Silvan Heller

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