Grit Büttner

Ostwind ? Nicht allein die Polizei

Dresden. Gastkommentar von Hans Eggert

In Hoyerswerda, wo vor zwanzig Jahren von einem Mob ein Ausländerwohnheim bestürmt worden ist, wird ein junges Paar, das Nazi-Aufkleber abgerissen hat, von 15 Jungnazis massiv bedroht. Die Polizei fühlt sich zu schwach ? und schafft die beiden aus der Stadt. Von den Nachbarn, der Bürgerschaft, ist zunächst nichts zu hören. In Großenhains sollen 50 Asylbewerber untergebracht werden.Die regionalen Neonazis schäumen. In der Bürgerschaft tauchen schlichte Fragen über die künftigen Nachbarn auf ? und dumpfe Rufe, "die" gehörten nicht "hierher". Schließlich drohen Jungnazis, das Rathaus zu besetzen, kommen aber nicht. Gekommen sind nur ein paar "Schaulustige" ? die Bürgerschaft sieht ihr Rathaus wohl genügend geschützt durch die Polizei. Zwei Fälle von mehreren, die jüngst für Aufsehen sorgten.

Stets waren Rechtsradikale und, entweder überfordert oder mit großem Aufgebot,die Polizei unterwegs. Mindestens ein Teil der Bürger schaute zu oder bot Resonanzraum für die Neonazis. Tatsächlich, so enthüllen Studien, würde Neonazi-Gewürge zunehmendund in aller Stille akzeptiert, im Osten zumal. Worauf die "große" Politik in besorgte Reden verfällt. Sachsens Regierungschef, gerade mit der digitalen Zukunft des Landes beschäftigt, sieht Politik und Polizei gefordert und ruft zugleich nach der"Zivilgesellschaft".

Ein Bundestags-Vizepräsident empfiehlt sogar, denOstdeutschen mehr "Demokratie-Erziehung" zukommen zu lassen. Geht es nicht konkreter? Es geht: In Großenhain haben sich der Bürgermeister und die Pfarrer entschlossen, die Kirche zu öffnen, um zu informieren und Meinungen auszustreiten. In Hoyerswerda ruft der Bürgermeister zum Widerstandauf. In Dresden bereiten sie sich darauf vor, den Neonazis am 13. Februar wieder die Rote Karte zu zeigen. Die Polizei ist sicher überall ? aber eben nicht allein ? dabei.

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