Grit Büttner

Ostwind ? Um die nationale Wurst

Dresden. Gastkommentar von Hans Eggert

Selbst auf die Gefahr hin, von der völlig falschen Seite Beifall zu bekommen - wir müssen uns heute mit einem nationalen Symbol erster Ordnung und dessen akuter Gefährdung beschäftigen, wobei hieran kriminelle Panscher-Vereinigungen ausnahmsweise keinen Anteil haben. Es handelt sich um die Currywurst. Für sie fahren informierte Dresdner bis in die Innenstadt, weil dort, nahe beim Postplatz, das gute Stück mit Soßen in vier verschiedenen Schärfen angeboten wird, wovon allerdings die schärfste Schärfe ohne Verletzung der Geschmacksorgane kaum genießbar scheint.

Und in Berlin sollen Werktätige in ihrer Mittagspause zur Schönhauser düsen, um unter dem dortigen U-Bahn-Bogen bei Konopcke die angeblich beste Currywurst der Hauptstadt zu essen - was allerdings in der hauptstädtischen Presse regelmäßig zu angeregten Ost-West-Debatten führt, da die angeblich beste Currywurst der Welt traditionell in der Nähe des Bahnhof Zoo zu haben sein soll. Aber auch im tiefen deutschen Westen, in Köln, ist die Currywurst, geschnitten, auf Pappe und mit einem Holzspieß drapiert, sehr beliebt - etwa bei den Kunden eines mobilen Imbiss-Geschäfts am rechten Rheinufer. Hier leisten sich die WDR-Tatort-Kriminalisten immer dann eine Wurst, wenn sie ihren Fall gelöst haben oder noch nachdenken müssen, um den Verbrechern auf die Spur zu kommen.

Selbst die zweitgrößte deutsche Fluglinie, die mit "Berlin" im Firmenlogo, kommt ohne Currywurst nicht aus - sie wird während innereuropäischer Flüge bei Zahlung einiger Euro geboten, und zwar nach Art eines Sylter Promi-Wirts, den der Airline-Gründer offenbar gut kennt. Die Currywurst also - eine Speise von nationaler Bedeutung. Und nun das: Eine amerikanische Fastfood-Kette hat sich ihrer angenommen und bietet sie als "McCurrywurst" feil. McCurrywurst! So viel Weltoffenheit muss wirklich nicht sein.

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