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Pflege: Viel Arbeit, wenig Personal

Dresden. "Ist die Pflege überhaupt noch leistbar?" Diese Frage stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion auf der 3. Pflegemesse Dresden.

Das auf Bundesebene beschlossene Pflegepersonal-Stärkungsgesetz soll 13.000 neue Stellen in der Pflege schaffen. Auf Sachsen entfallen davon 675 Stellen. »Ein Tropfen auf den heißen Stein«, sagt Michael Bockting vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Allerdings, so sagt er, seien weitere gesetzliche Regelungen auf dem Weg, darunter Personaluntergrenzen in Krankenhäusern, Stärkung der ambulanten Alten- und Krankenpflege im ländlichen Raum sowie Verbesserungen für pflegende Angehörige.

»Jeden Morgen schauen wir auf den Parkplatz und warten auf die neuen Pflegekräfte«, sagt Gunter Wolfram, Residenzleiter der AlexA-Seniorendienste) etwas zynisch. Gerade in Dresden sei die Situation sehr angespannt. »Mit allerlei Lockangeboten versucht man sich gegenseitig die Leute wegzunehmen, um überhaupt adäquate Pflege sicher stellen zu können«, erzählt er weiter. Hinzu komme die zeitintensive Qualifizierung von Quereinsteigern, die auch an den Trägern hängen bliebe. »Wir haben bereits viele Konzepte erstellt, um mit wenig Personal eine gute Pflege sicherstellen können«, sagt Wolfram. Er vermisse die Unterstützung, die von der Politik versprochen wurde.

Uwe Martin Fichtmüller, Landesgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes Sachsen, sieht einen wesentlichen Fehler in der Vergangenheit. »In den 90er Jahren hat die Pflegebranche eine ungute Entwicklung genommen. Das Lohnniveau ging in den Keller, der Beruf war unattraktiv. »Jetzt fehlen nicht nur uns die Arbeitskräfte, sondern auch allen anderen«, sagt er mit Blick auf Handwerker & Co. Er selbst kenne keinen einzigen Träger, der derzeit nicht versucht, seine Attraktivität zu erhöhen. »Wir sprechen in der Öffentlichkeit permanent über Defizite in der Pflege und wundern uns, warum die Branche unattraktiv für junge Menschen ist«, gibt er zu bedenken.

Durch einen verbesserten Zugang zu Pflegeleistungen laufen allein bei der AOK Plus etwa 10.000 bis 15.000 zusätzliche Pflegebedürftige pro Jahr auf. »Wir können leider keine Pflegekräfte zaubern, deshalb werden wir das gegenwärtige System weiterentwickeln. Müssen die Pflegeprofis jeden Tag kommen? Was kann am Wohnraum getan werden? Können Pflegeangebote vernetzt werden? Es gibt schon einige gute Modelle«, sagt Claudia Schöne von der AOK Plus. Die Pflegestärkungsgesetze hätten ihrer Ansicht nach schon viele neue Möglichkeiten eröffnet. Damit einhergegangen seien richtige Preiserhöhung, die den Einrichtungen zugute kamen. Problematisch sei allerdings das pauschale Vergütungssystem in Sachsen. Hier werde man künftig mehr differenzieren müssen zwischen Pflege auf dem Land und in der Stadt, so Schöne. Die Attraktivität der Pflegeberufe hängt natürlich auch am Verdienst. »Die Einkommenssituation in den alten Bundesländern ist um ein Drittel besser als bei uns. Nach 30 Jahren ist das nicht mehr erklärbar und ein Grund, warum viele junge Menschen fortgehen«, sagt Gunter Wolfram.

»Wenn ein Träger gut bezahlen möchte, kann er das ohne Probleme verhandeln«, entgegnet ASB-Chef Fichtmüller. Dadurch würden aber die Zuzahlungsbeiträge steigen, z.T. um Hunderte Euro. Er sieht derzeit dringenden Handlungsbedarf im Bereich der ambulanten Pflege. »75 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Wir haben inzwischen eine dramatische Situation, dass Aufträge oder Einzelleistungen abgelehnt werden müssen, weil Mitarbeiter fehlen«, sagt er. Schuld sei auch das Gehaltsgefälle zwischen stationärer und ambulanter Pflege. »Wir müssen hier über ein gänzlich neues Vergütungssystem nachdenken. TVöD in der ambulanten Pflege ist mit den Entgelten in Sachsen nicht finanzierbar«, sagt er. Der Freistaat sei gegenwärtig bei der Bezahlung ambulanter Pflegekräfte Schlusslicht.

André Schramm

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Erster Todesfall in Dahme-Spreewald bestätigt

Dahme-Spreewald. Das Gesundheitsamt Dahme-Spreewald bestätigt den ersten Todesfall im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) im Landkreis. Ein 81 Jahre alter Mann ist am Mittwoch, 01. April 2020, im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen verstorben. Der Covid-19-Erkankte war seit Längerem intensivmedizinisch behandelt worden und hatte schwere Vorerkrankungen. Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge: „Wir sind tief betroffen, dass die Pandemie nun auch in unserem Landkreis ein erstes Todesopfer gefordert hat. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Angehörigen des Verstorbenen. Im Landratsamt und unserem Krisenstab sind wir weiter in höchster Alarmbereitschaft und versuchen alles zu tun, um unsere medizinischen Einrichtungen bestmöglich zu unterstützen“. Der Krisenstab des Landkreises Dahme-Spreewald hat sich gestern zuvorderst mit der tagesaktuellen Gesundheitslage hinsichtlich der Ausbreitung der Atemwegserkrankung Covid-19 befasst. Vom Labor bestätigt wurden insgesamt 99 positive Fälle der Corona-Infektion im Kreisgebiet: in Königs Wusterhausen (31), Lübben (14), Zeuthen (14), Mittenwalde (9), Schönefeld (6), Wildau (6), Gemeinde Heidesee (6), Amt Schenkenländchen (5), Amt Unterspreewald (4), Eichwalde (1), Gemeinde Heideblick (1), Gemeinde Märkische Heide (1) und Gemeinde Schulzendorf (1). Acht der nachgewiesenen Covid-19-Erkrankten sind zwischenzeitlich genesen. Momentan befinden sich ebenfalls acht Personen in stationärer Behandlung, die übrigen in häuslicher Isolation. Derzeit sind 293 Quarantänen verhängt und 261 als Verdachtsfall eingestufte Personen warten auf ein Testergebnis. Kontaktbeschränkungen verlängert Schwerpunkthema, neben dem Beschaffungsmanagement von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) für medizinische Bedarfe im Landkreis, war in der gestrigen Krisenstabssitzung auch die landesweite Verlängerung der umfangreichen Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Seit dem 23. März 2020 gilt in Brandenburg die neue „SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung“ bereits. Grundsätzlich ist damit jeder im öffentlichen Raum verpflichtet, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Die Kontaktbeschränkungen sind nun durch die Landesregierung nochmals bis zum 19. April 2020 verlängert worden. Zur Durchsetzung dieser Festlegungen ist ein Bußgeldkatalog erlassen worden. Dieser sieht Strafen für wiederholte Verstöße gegen die Regeln von bis zu 25.000 Euro vor. Die Kreisverwaltungsspitze wird sich an diesem Freitag im Rahmen einer Sonderberatung mit den Bürgermeistern und Amtsdirektoren der Dahme-Spreewald-Kommunen zu den Möglichkeiten des Vollzugs von Bußgeldbescheiden im Rahmen der Kontrollen durch die örtlichen Ordnungsämter final abstimmen. „Grundsätzlich beweist die jüngste Lageentwicklung rund um das lebensbedrohliche Coronavirus an sich die Notwendigkeit der verlängerten Kontaktbeschränkungen. Wir erwarten daher, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner strikt an Festlegungen der Eindämmungsverordnung halten. Bei Verstößen wird von der Bußgeldverhängung auch reger Gebrauch gemacht“, sagt Dahme-Spreewalds Gesundheitsdezernent Carsten Saß. Informationen für Bürger und Unternehmer Aktuelle Informationen für Bürger zur neuartigen Coronavirus-Thematik gibt es im Internetauftritt des Landkreises Dahme-Spreewald unter www.dahme-spreewald.info/de/coronavirus . Der Landkreis Dahme-Spreewald hat weiterhin ein Bürgertelefon eingerichtet, das täglich von 8 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 03375 26-2146 zu erreichen ist. Relevante Informationen zu Unterstützungsangeboten für Betriebe im Landkreis hat Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald (WFG) auf ihrer Homepage www.wfg-lds.de zusammengestellt. Für grundlegende Fragen steht den Unternehmern das Team der WFG telefonisch von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 03375 5238-0 zur Verfügung. Für Gefahrenmeldungen zur Corona-Lage ist auch die kostenfreie KATWARN-App zu nutzen, weitere Infos zum Download sind auf der Internetseite www.katwarn.de abrufbar.Das Gesundheitsamt Dahme-Spreewald bestätigt den ersten Todesfall im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) im Landkreis. Ein 81 Jahre alter Mann ist am Mittwoch, 01. April 2020, im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen…

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