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"Skandal im Sperrbezirk"

Dresden. Mit diesem Ohrwurm surfte die Spider Murphy Gang Anfang 1982 acht Wochen lang an der Spitze der Neuen Deutschen Welle. Am 27. Februar, 20 Uhr, rocken die Münchner auf ihrer Akustik-Tour den Alten Schlachthof in Dresden. Ein Vorab-Gespräch mit Frontmann Günther Sigl (72).

Was war das für ein Gefühl, als Teenie-Idole angehimmelt zu werden?

Natürlich machte uns der Hype um unsere Musik stolz. Damals dachten wir eigentlich nie daran, Rockstars zu werden. Wir wollten einfach nur von unserer Musik leben.

Dann ging es dank der Hits »Schickeria« oder über die fiktive Prostituierte Rosi aus dem Münchner Sperrbezirk steil bergauf.

Das war schon komisch. Auf einmal spielten wir in großen Häusern, wie z.B. vor 15.000 ausgeflippten Fans in der Dortmunder Westfalenhalle.

Seit Ende der Neuen Deutschen Welle klappt es nicht mehr mit den großen Hits, in der Band kommt es ständig zu Umbesetzungen...

Richtig. Für Michael Busse (63) am Keyboard steigt 1986 Ludwig Seuss (55) in die Tasten, außerdem kommt Willie Duncan (64) als Gitarrist hinzu. Für Franz Trojan (62) wirbelt seit 1992 Paul Dax (61) am Schlagzeug und Andreas Keller (52) brilliert seit vier Jahren an den Drums. Gitarrist Barny Murphy alias Gerhard Gmell (63) und ich sind als Gründungsmitglieder der Band seit 1977 dabei. Aktuell spielen wir zu sechst.

Im »Alten Schlachthof« werden bei den Ohrwürmern aus der 43jährigen Band-Geschichte sicher Begeisterungsstürme losbrechen.

Davon gehe ich aus, zumal wir mit Liedern einstiger Weltstars wie Rocco Granata, Elvis, Hank Williams oder Chuck Berry gemeinsam auf musikalische Spurensuche bei den Anfängen des 20. Jahrhunderts gehen. So harmonieren Boogie- Woogie, Blues-, Country-, Jazz- oder Swingklänge phantastisch mit unseren altbewährten Songs.

Als erste West-Band gingen Sie im Herbst 1983 auf DDR-Tournee. War das für Sie etwas Besonderes?

Natürlich, über uns wurde sogar in der »Tagesschau« berichtet. Egal, ob in Chemnitz oder Rostock, wir wurden gefeiert wie die Beatles. Die Hallen waren brechend voll.

In Dresden gastieren Sie jetzt das erste mal?

Ja, ich freue mich schon riesig auf Elbflorenz und meine treue Fangemeinde. Ich hoffe, dass ich noch etwas Zeit habe, um mir die Sehenswürdigkeiten anschauen zu können.

Wieso kommt Rock´n Roll in bayrischer Mundart so gut an?

Auf bayrisch kann man viel besser Geschichten erzählen als beispielsweise in englischer Sprache. Den größten Erfolg hatten aber alle Lieder der Neuen Deutschen Welle, die ich auf hochdeutsch getextet habe, wie etwa«Wo bist du« oder »Ich schau dich an«.

Welcher Spruch könnte denn einmal auf Ihrem Grabstein stehen?

Vielleicht »I ziag´s ned aus meine Rock´n´-Roll-Schuah« (lacht). Aber noch fühle ich mich topfit, ich rauche und trinke nicht, habe nie Drogen genommen. Die Bühne ist mein Lebenselixier, allein in diesem Jahr stehen 60 Konzerte im Terminkalender.

Wann begann Ihr Traum von einer Musikerkarriere?

Zum 15. Geburtstag hat mir mein Vater Hermann eine Wander-Gitarre gekauft. Er hätte es aber bestimmt nicht getan, wenn er gewusst hätte, dass ich meine sichere Stelle als Bankkaufmann für die Musik hinschmeiße. Später war er aber mächtig stolz auf mich, schließlich verdiente ich als Lehrling monatlich 145 DM, mit der Musik aber schon 40 DM pro Stunde.

Sie sind leidenschaftlicher Sammler von Gitarren?

Und ob! Mittlerweile gehören mir 50 Gitarren und 20 Ukulelen. Ich liebe den Geruch des Holzes, aus dem eine Gitarre gebaut ist. Und ich habe gehört, dass es in der Dresdner Neustadt ein besonders gut sortiertes Musikgeschäft gibt...

Das Gespräch führte Hans Jancke

Tickets für das Konzert gibt's in der Geschäftsstelle des WochenKurier Dresden, Wettiner Platz 10, 01067 Dresden und hier: www.alter-schlachthof.de

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