Grit Büttner

Zimmis Einwurf

Dresden. Die WochenKurier-Kolumne von Gert Zimmermann

Deutschlandweit soll es weitergehen. Das Schweigen in der Kurve. Stille in den Fanblöcken. Damit der DFB mal mitbekommt, wie es so ist ohne diejenigen, die für eine tolle Choreographie sorgen. Die aber nicht gewollt sind mit ihren Provokationen. Sei es stimmlich oder aber auf Plakaten. Fußball soll doch ein Event sein. Mit Klatschpappen, mit zwei bewegten Händen auf der Videowand und einer sonoren Stimme eines Animateurs. Damit sich alle auch richtig wohl fühlen. Nur: Fußball ist halt anders. Übrigens nicht nur in Dresden.

Noch vor 28 Jahren brannte der Berg. Mit diesem Slogan wurde sogar Werbung für den Betzenberg in Kaiserslautern oder den Bieberer Berg in Offenbach gemacht. Die Lauterer hatten in Verona bei den Spielen ihres Idols, der Walz aus der Pfalz, Hans-Peter Briegel, zum ersten Mal die roten Fackeln gesehen und waren baff. Beim Abschiedsspiel im August 1985 des Nationalspielers war halt der Einstieg in die Pyrotechnik besiegelt. Seit der Verweigerung des Verbandes, sich mit den Fangruppen und Ultras zwecks Gesprächen an einen Tisch zu setzen, brennt es nun regelmäßig in deutschen Stadien.

Die Fronten sind verhärtet, immenser Druck aus der Politik wird aufgebaut. Es müssen keine Pädagogen befragt werden, um zu erkennen, dass Druck prinzipiell Gegendruck erzeugt. Wer Verhältnisse wie in Weißrussland oder in Serbien vor den deutschen Stadien herauf beschwören will, wird sein blaues Wunder erleben. Deshalb versuchen kluge Leute beim DFB jetzt einzulenken. Wenn es nicht mal zu spät ist. Überall brodelt die Fanseele. Egal ob beim deutschen Rekordmeister, der sich voll und ganz hinter die Beschlüsse von (DFB)-Partei und (DFL)-Regierung stellt.

Dynamos Funktionäre nehmen eine neutrale Stellung zu dem Positionspapier mit dem schönen Namen "Sicheres Stadionerlebnis" ein. Vor allem gegen das Aufrichten von weißen Zelten, in denen sich die Besucher ausziehen sollen. So sah es das Papier vor. Inzwischen ist das Wort Vollkörperkontrolle aus dem Text verschwunden. Dafür wird aber das Ganze schön um- und neu beschrieben. Erst letztes Wochenende griff zweimal die Selbstreinigung. Einmal auf Schalke, als die Stadionbesucher den Zündlern entgegen riefen, dass sie keine Schalker seien. Und in Zwickau, als sich die FSV-Spieler gegen die eigenen Verrückten stellten, die das Feld stürmen wollten. Es geht also!

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