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Kulturhauptstadt 2025: Zittau verpasst Sprung auf Shortlist

Zittau. Die Entscheidung ist gefallen und die Dreiländerregion hat den Kürzeren gezogen: Genau wie die Landeshauptstadt Dresden hat es auch Zittau bei der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt 2025 nicht in die zweite Runde geschafft.

Am 12. Dezember wurde die Entscheidung bekanntgegeben: Zittau hat es im Rennen um den Titel Europas Kulturhauptstadt 2025 nicht auf die sogenannte Shortlist geschafft. Auf der stehen Chemnitz, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Damit sind auch Dresden und Gera nicht mehr im Rennen. Deutschland wird im Jahr 2025 zum vierten Mal eine Kulturhauptstadt stellen. Begonnen hatte die Kampagne 1985, seitdem hatten sich West-Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen (2010) mit dem Titel schmücken können.

 

"Die Entscheidung schmerzt, aber wir sind auch sehr stolz, haben wir doch eine neue Qualität von Unterstützung und bei sehr vielen Menschen, Organisationen und Kommunen regelrechte Begeisterung dafür erlebt, so etwas Großes gemeinsam zu stemmen", sagt Oberbürgermeister Thomas Zenker. "Zittau und das Bewerbungsteam sind dafür sehr dankbar und das Vorhaben ist jeden Aufwand wert gewesen." Allen im Wettbewerb verbliebenen Bewerbern wünsche das Zittauer Team jetzt weiterhin Erfolg. Für die Begründung der Entscheidung hat die Jury jetzt 21 Werktage Zeit.

 

Die Landtagsabgeordnete Franziska Schubert empfindet die Entscheidung der Jury als schade, man solle sich jedoch davon nicht entmutigen lassen, sondern die Idee und Motivation für diese Bewerbung weiterentwickeln. "Diese Bewerbung war vor allem eins: mutig und voller Zuversicht. Und sie hat schon viel erreicht. Sie hat Menschen für etwas zusammengebracht - sich gemeinsam auf den Weg zu machen, diese Region von unten zu entwickeln, das Erreichte zu würdigen und das Neue zu entdecken. Mit dieser Bewerbung hat unsere Dreiländerregion wieder einmal darüber nachgedacht, dass wir eine Region im Herzen Europas sind und dass es sich lohnen könnte, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Ich wünsche mir, dass wir genau da weitermachen", so Schubert.

 

74,2 Prozent stimmten für die Bewerbung

Zittau hatte sich gemeinsam mit der Dreiländerregion Oberlausitz als Kulturhauptstadt Europas 2025 beworben. Zuvor hatten die Zittauer im Mai 2019 in einem Bürgerentscheid votieren dürfen, ob sie eine Bewerbung wollen oder nicht. Die Entscheidung fiel deutlich aus: 74,2 Prozent der Wählerinnen und Wähler hatten für die Bewerbung gestimmt. Bis September hatte man dann Zeit, dass Bewerbungsbuch abzugeben. Am 11. Dezember ging es für ein Team rund um Oberbürgermeister Thomas Zenker nach Berlin. Dort stellte man in einer nichtöffentlichen Präsentation die Ideen zur Bewerbung um die Kulturhauptstadt vor. Letztlich allerdings vergebens, denn die Jury entschied sich gegen Zittau und die Dreiländerregion.

Nachdem Zittau nun den Sprung auf die Shortlist verpasst hat, zeigte sich auch der Landtagsabgeordnete Mirko Schultze enttäuscht. "Zittau lebt den Europagedanken wie kaum andere Städte, eine Entwicklung und Bestrebungen zur Verhinderung von Abwanderung, Leerstand und Strukturwandel sind bedeutend, und werden durch die Stadtpolitik aktiv verbessert und gestaltet. Es ist sehr bedauerlich, dass es für Zittau nicht gereicht hat."

 

Inhalte und Strategien weiterentwickeln

An den Inhalten und Strategien der Zittauer Bewerbung soll festgehalten werden und vor allem die verbindenden Projekte für die Region weiterentwickelt und umgesetzt werden. Die gemeinsame Kulturraumkonferenz der gesamten Euroregion wird im Februar planmäßig in Liberec stattfinden. Das Projekt "Grenzland - Transition Europe", einem Ausstellungskonzept vom Niveau einer Landesausstellung, das die Geschichte der Region aus vier Perspektiven gleichzeitig erzählt, bleibt genauso Ziel wie die Idee der Brücke am Dreiländerpunkt als Ort für kulturelle Großveranstaltungen. Die Weiterentwicklung infrastruktureller Grundlagen wie ÖPNV sowie gemeinsame Kommunikationsplattformen sei weiterhin notwendig für eine positive Entwicklung des gesamten Bewerbungsgebiets.

Viel Kraft hatte die Bewerbung durch das bürgerschaftliche Engagement von spontan entstandenen Gruppen wie dem Freundeskreis erhalten. Dies wird durch die Stadt Zittau und ihre kommunalen Partner weiterhin unterstützt und gefördert. "Wir haben auch der Jury sehr deutlich gemacht, dass die gesamte Bewerbung nur mit den Menschen und ihrem Engagement möglich geworden ist", erklärt Thomas Zenker. "Wir hoffen sehr, dass auch ohne den Wettbewerb möglichst viel von dieser Kraft erhalten bleibt. Wir appellieren an die Politik der Region, genau das noch weiter zu stärken."

Landrat Bernd Lange bekräftigt diese Sicht: "Auch, wenn der Weg zur Kulturhauptstadt 2025 für uns heute leider zu Ende ist, Zittau ist und bleibt der Mittelpunkt Europas. Wir wollen die bereits gestarteten Projekte weiterhin mit ganzer Kraft voranbringen und die besondere Rolle der Stadt im Dreiländereck in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Ich danke allen Beteiligten, allen voran Oberbürgermeister Thomas Zenker und seinem Team vom Kulturhauptstadtbüro für ihr großes Engagement und freue mich sie auch weiterhin als Unterstützer für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Region an unserer Seite zu wissen."

Ein sehr vielversprechender Ausblick ist bereits im Vorfeld der Bewerbung andiskutiert worden: In den Jahren 2028 und 2029 bestehen wieder Chancen für die Region auf den Titel Europäische Kulturhauptstadt. In diesen Jahren sind Tschechien bzw. Polen die Nationen, die nominieren dürfen. "Ich bin mir ganz sicher, dass unsere Region diesen Titel sehr verdient hat und für Europa sehr wichtige und notwendige Erkenntnisse liefern kann. Deshalb würde ich es sehr begrüßen, wenn unsere Nachbarn sich auch auf diesen Weg machen würden. Wir stehen zu jeder Unterstützung dafür bereit", erklärt Oberbürgermeister Zenker.

 

 

 

 

 

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Kommentar von Dorothea ulbrich
Es ist kein Wunder, dass es bei dem Bidbook, Logo und vor allem mit dieser Teamaufstellung nicht klappen wird. Wer Großes will, muss auch Großes wagen und sich im Sinne einer Kulturhauptstadt öffnen. Durch diese ständige Klüngelwirtschaft bleibt Zittau provinziös. Wirklich schade, da das Potential gegeben ist.

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