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7-Tage-Inzidenz über 50: Neue Corona-Regeln im Landkreis

Görlitz. Die 7-Tage-Inzidenz hat im Landkreis Görlitz den kritischen Wert von 50 überstiegen. Der Kreis ist damit aktuell Corona-Risiko-Gebiet. Seit Montag gelten neue Regeln.

21 bestätigte Neuinfektionen meldete das Gesundheitsamt am vergangenen Sonntag. Bei 20 Erwachsenen und einem Kind war das Coronavirus nachgewiesen worden. Damit hatte der Kreis erstmals den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche überschritten. Der Wert für die sogenannte 7-Tage-Inzidenz lag am Sonntag bei 56,19. Deswegen hat der Landkreis eine neue Allgemeinverfügung mit verschiedenen Maßnahmen erlassen, die seit 19. Oktober gilt. Nach dem Erzgebirgskreis war der Landkreis Görlitz der zweite Kreis in Sachsen, der als Risikogebiet eingestuft wurde.

Veranstalter und Betreiber von Betrieben, Sportstätten, Gastronomie, Hotels und Beherbergungsstätten müssen jetzt personenbezogene Daten von Besuchern erheben. Das gilt auch bei Ansammlungen im öffentlichen Raum. Ausgenommen sind davon Geschäfte. Bei Zusammenkünften außerhalb der eigenen Häuslichkeit in geschlossenen Räumen und im öffentlichen Raum wird dringend das Tragen einer Mund-Nasenbedeckung empfohlen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen nicht gewahrt werden kann und keine alternativen Schutzvorrichtungen wie Trennscheiben zur Verfügung stehen. Außerdem wurden die TBesucher- bzw. Teilnehmerzahlen für Familien-, Betriebs- und Vereinsfeiern (25), Ansammlungen im öffentlichen Raum (250) und Veranstaltungen und Einrichtungen mit Publikumsverkehr (500) begrenzt. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern sind untersagt.

Private treffen im öffentlichen Raum sind nur noch mit Angehörigen des eigenen Hausstandes, in Begleitung der Partnerin oder des Partners, mit Personen, für die ein Sorge- oder Umgangsrecht besteht und mit Angehörigen eines weiteren Hausstandes oder mit bis zu fünf weiteren Personen erlaubt. Auch Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind wieder eingeschränkt. Eine Person darf pro Tag einen Patienten oder Bewohner besuchen. Von dieser Einschränkung ausgenommen sind Geburts- und Kinderstationen, Palliativstationen und Hospize. Auch Besuche zur Sterbebegleitung sind zulässig.

Diese Regelungen könnten sich allerdings nochmal ändern. Bisher entscheiden Landratsämter und Großstädte eigenständig über strengere Maßnahmen. Der Freistaat will aber noch in dieser Woche einheitliche Vorgaben für ganz Sachsen schaffen.

„All diese Maßnahmen sind dazu da, die 7-Tage-Inzidenz wieder unter 50 zu bekommen“, sagt Landrat Bernd Lange. „Damit das gelingt, reicht es aber nicht, sie nur aufzuschreiben. Die Menschen müssen sich auch daran halten.“  Erst wenn die Inzidenz eine Woche lang unter 50 liegt, wird der Status als Risikogebiet wieder aufgehoben und die Regeln können wieder gelockert werden.  Und es gibt leise Hoffnung, dass sich die Lage schnell wieder entspannt. Zwar waren am Dienstag (20. Oktober) ebenfalls 25 neue Fälle gemeldet worden, das waren aber sechs weniger als noch eine Woche zuvor, was die 7-Tage-Inzidenz auf 54,21 fallen ließ. Ungewiss ist derzeit, wie sich die Ferienzeit auswirken wird. Sie bringt zwar Reiserückkehrer, auf der anderen Seite gibt es aber 14 Tage keinen Schulbetrieb. Insgesamt waren am 20. Oktober im Landkreis 476 Personen in Quarantäne, davon 220 nachweislich mit dem Virus infiziert. Zwölf Menschen mussten zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus behandelt werden, zwei davon auf der Intensivstation. Der Landkreis hält derzeit (Stand: 20. Oktober) elf Intensivbetten und 39 normale Betten für Corona-Patienten vor. „Wir können aber bei Bedarf reagieren und die Kapazitäten erhöhen“, sagt Sozialdezernentin Martina Weber. Koordiniert wird das Bettenkontingent für Ostsachsen zentral von der Krankenhausleitstelle der Universität Dresden.

150 Tests pro Tag

Bei den Testkapazitäten ist eine Erhöhung nicht so einfach. „Die Labore sind an ihren Grenzen“, erklärt Dr. Ulrike Waegner-Voigt vom Amtsärztlichen Dienst. Dem Kreis stehen derzeit 150 Tests pro Tag zur Verfügung, 100 bei der Landesuntersuchungsanstalt in Dresden, 50 weitere beim Medizinischen Labor Ostsachsen. Auffällig ist, dass sich das Infektionsgeschehen aktuell stärker verteilt als noch im Frühjahr. Ursache sind oft Feiern und Treffen im Freundeskreis. Denn hier kommen viele Menschen zusammen, wird oft kein Abstand gehalten und auch keine Maske getragen. Betroffen sind aber auch Gemeinschaftseinrichtungen, darunter Kitas und Schulen, aber auch medizinische Einrichtungen. Meist handelt es sich dort aber um Einzelfälle, dass mehrere Personen einer Einrichtung positiv getestet wurden, ist laut Gesundheitsamt die Ausnahme.

Dass die Infektionszahlen jetzt nach oben gehen, bringt auch das Gesundheitsamt an die Belastungsgrenze. Denn ein positiver Test bedeutet immer auch die Nachverfolgung der Kontaktpersonen. „Wir haben Fälle mit drei Kontaktpersonen, aber auch welche mit 85“, sagt Anja Pfalz. Sie leitet das Sachgebiet Infektionsschutz, in dem eigentlich nur vier Mitarbeiter tätig sind. Aktuell reichen aber nicht mal alle Mitarbeiter des Gesundheitsamts, um die Corona-bedingten Aufgaben zu erledigen, ohne das andere Aufgaben komplett liegen bleiben. Neben der Nachverfolgung und dem Testen gilt es auch, das Bürgertelefon zu besetzen. „Am Freitag (16. Oktober, Anm. d. Red) hatten wir über 1600 Anrufe“, sagt Martina Weber. Das hing mit den Diskussionen um das Beherbergungsverbot zusammen. Denn aktuell sind Ferien und viele Menschen wollen in den Urlaub. Wer hier unsicher ist, sollte seine Unterkunft anrufen und nachfragen, was genau benötigt wird. Sollte es ein negativer Test sein, führt der erste Weg zum Hausarzt. Der Test muss dann allerdings selbst bezahlt werden.

Der Ansturm auf das Bürgertelefon führte dazu, dass nur etwa 14 Prozent der Anrufer durchkamen. Der Kreis reagierte darauf und setzte mehr Mitarbeiter ein. Dass das ohne weiteres geht, liegt daran, dass momentan knapp 300 Mitarbeiter der Kreisverwaltung dem Gesundheitsamt sozusagen auf Abruf zur Verfügung stehen. Sie arbeiten eigentlich in anderen Abteilungen, unterstützen aber beispielsweise bei der Nachverfolgung oder eben dem Bürgertelefon, wenn sie gebraucht werden. Sollten die Zahlen weiter steigen, braucht es trotzdem Hilfe von außen. Die könnte aus der Landesverwaltung und der Bundeswehr kommen. Dazu ist der Kreis gerade in Gesprächen. Die Coronatests führt das Gesundheitsamt zum einen in einem Verwaltungsgebäude in Löbau durch, außerdem gibt es ein mobiles Abstrichteam und seit neuestem auch einen Bus. Letzterer soll vor allem im Norden des Kreises zum Einsatz kommen, damit man von dort für einen Test nicht extra bis nach Löbau fahren muss.

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