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Mobbing an der Schule? An wen kann man sich wenden?

Neugersdorf. Eine Mutter erhebt Vorwürfe gegen die Fichte-Grundschule in Neugersdorf. Ihre Tochter sei dort permanent gemobbt worden, die Lehrer hätten dagegen nicht genug unternommen. Der Elternrat schildert den Fall anders. Lag es am Ende an mangelnder Kommunikation? Und an wen können sich Eltern wenden, wenn man mit Gesprächen mit der Schule nicht mehr weiterkommt?

Rebecca (Name von der Redaktion geändert) besucht seit 2015 die Fichte-Grundschule in Neugersdorf. 2016 wurde bei ihr ADHS diagnostiziert. Seitdem muss sie Tabletten nehmen, seitdem wird sie von einigen Mitschülern gemobbt, beispielsweise als „abhängiges Tablettenkind beschimpft“ und auch körperlich angegriffen. Und seitdem haben die zuständigen Lehrer an der Fichte-Grundschule in Neugersdorf nicht genug dagegen unternommen.So erzählte es uns Rebeccas Mutter.

Das Mobbing sei vor allem von zwei Schülerinnen ausgegangen, die die selbe Klasse besuchten. Deswegen habe sie darum gebeten, dass Rebecca die Klasse wechseln dürfe. Im Hort beispielsweise gebe es keine Probleme. Außerdem seien die Kinder, mit denen Rebecca die Kindergartenzeit verbracht hat, alle auf die Parallelklassen verteilt. Daher die Bitte um den Klassenwechsel, die jedoch jedes Mal abgelehnt wurde. Auch ein Elterngespräch, bei dem auch die Eltern der beiden Mitschülerinnen anwesend sind, kam trotz Bitten nicht zustande.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Tatsache, dass Rebecca von der gemeinsamen Klassenfahrt ausgeschlossen wurde. Eigentlich hätten die Kinder Ende Juni noch einmal gemeinsam wegfahren sollen, bevor die Grundschulzeit vorbei ist. Doch Rebecca durfte nicht mit. Die Schulbegleiterin, die Rebecca während der Fahrt begleiten sollte, sei nicht für genügend Stunden beantragt worden. Dass die Begleiterin statt der geplanten täglichen Besuche aber 24 Stunden vor Ort sein müsse, damit Rebecca mit auf Klassenfahrt kann, sei ihr nicht mitgeteilt worden, sagt die Mutter. Für sie unverständlich. Deswegen wandte sie sich mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde an das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB).

So schilderte uns Rebeccas Mutter den Fall in einem Gespräch.

 

Die Schule selbst wollte sich daraufhin auf WochenKurier-Anfrage nicht zu dem Fall äußern und verwies an das Landesamt. Auf eine erste Version dieses Artikels hin meldete sich allerdings der Elternrat der Schule bei uns. Und der schildert die Situation anders. Ja es habe manchmal Probleme gegeben, vor allem, als die Kinder erfuhren, dass Rebecca Tabletten nehmen muss. „Kinder können untereinander manchmal grausam sein“, sagt Mandy Prietzel vom Elternrat. Dass die Schule sich nicht bemüht hätte und Rebecca nicht gefördert hätte, wie es ihre Mutter in der Dienstaufsichtsbeschwerde schreibt, will sie so aber nicht stehen lassen. „Es gibt an der Schule Lehrer, die für den Umgang mit Kindern mit ADHS geschult sind“, so Prietzel. Auch einen Förderplan habe es gegeben, der allerdings nie richtig abgeschlossen wurde, weil die Mutter ihre Wünsche nie eingebracht hätte. Größtes Problem sei gewesen, dass es zu wenig Kommunikation gab, weil Rebeccas Mutter für die Schule und den Elternrat nie greifbar war.

Beispiel Klassenfahrt. Die sei bei einem Elternabend im Februar besprochen worden. An dem nahm Rebeccas Mutter aber nicht teil. Auch bei späteren Elternabenden in dem Jahr sei sie nicht gewesen. Das Problem mit der Schulbegleiterin gab es, dass räumt auch der Elternrat ein. Die Mutter sei aber schriftlich darauf hingewiesen worden, dass sie für die Klassenfahrt mehr Stunden beantragen muss. Außerdem seien Alternativen angeboten worden. So hätte beispielsweise auch die Mutter selbst oder eine andere Bezugsperson mitfahren können. Der Grund dafür, dass Rebecca nicht mit auf Klassenfahrt konnte, sei aber gewesen, dass der entsprechende Elternbeitrag nicht bezahlt worden sei, so der Elternrat. Darauf sei die Mutter hingewiesen worden, habe aber nicht reagiert. An den Elternrat habe sich die Mutter nie gewandt. Weder wegen des angeblichen Mobbings noch wegen der Probleme in Sachen Klassenfahrt. „Wir wünschen uns, dass die Eltern Vertrauen zu uns haben. Wenn wir das Gefühl haben, die Schule verhält sich falsch, dann unterstützen wir die Eltern natürlich“, so Prietzel.

Das LaSuB bestätigte uns auf Anfrage, das eine Dienstaufsichtsbeschwerde vorliegt. „Wir nehmen solche Fälle sehr ernst“, so ein Sprecher des Landesamtes am Standort Bautzen. Wenn eine Beschwerde vorliege, dann gehe die an das Personalreferat, dass den Vorgang prüft und Stellungnahmen der beteiligten Akteure einholt, um sich „ein möglichst objektives Bild“ zu machen.

„Das normale Prozedere ist natürlich, dass man sich in solchen Fällen an den Klassenlehrer und den Schulleiter wendet. Bringt das nichts, sind wir als Landesamt der richtige Ansprechpartner“, so der Sprecher. Allerdings sei es nicht notwendig, direkt eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu schreiben. Man hätte sich gewünscht, dass zunächst das Gespräch gesucht worden wäre. Zu den Ergebnissen der Untersuchungen wollte sich das Landesamt uns gegenüber nicht äußern. Allerdings erfuhr der WochenKurier, dass das Landesamt die Beschwerde inzwischen nach eigenen Angaben geprüft hat. Schriftlich wurde der Mutter mitgeteilt, dass kein Fehlverhalten festgestellt werden konnte. Wie genau das geprüft wurde, steht nicht in dem Schreiben. Auch eine genaue Begründung liefert das Landesamt darin nicht. Rebeccas Mutter will das so nicht akzeptieren und sich jetzt mit ihrem Anliegen nach Chemnitz wenden, wo das Landesamt seinen Hauptsitz hat.

 

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind in der Schule gemobbt wird?

Zuallererst sollten Eltern natürlich mit ihrem Kind sprechen. Erster Ansprechpartner sind in der Schule immer die Lehrer und die Schulleitung. Auch der Elternrat kann natürlich helfen. Kommt man hier nicht weiter, gibt es neben dem bereits erwähnten Landesamt für Schule und Bildung weitere Stellen, an die man sich wenden kann.

So gibt es beispielsweise das Kinder- und Jugendtelefon (auch bekannt als Nummer gegen Kummer, zu erreichen unter der 116111 und www.nummergegenkummer.de), das Opfertelefon des Weißen Rings (0151/55164822) und Juuuport (www.juuuport.de), ein Angebot, bei dem gezielt Jugendliche anderen Jugendlichen helfen.

 

Das Landratsamt nennt außerdem folgende mögliche Ansprechpartner:

Präventions- und Beratungsteam KorczakHaus

IMPULS e.V.

Straße der Jugend 35

02943 Weißwasser   

Tel. 03576 404147

pbt@impulswsw-gr.de

www.impulswsw-gr.de

 

 NetzwerkPROjekt

Schlupfwinkel Weißwasser & Lausitzer Bildungsgesellschaft e.V.

Alte Bautzner Straße 87

02943 Boxberg          

Tel. 035774 55651

netzwerkPROjekt@schlupfwinkel-weisswasser.de

www.schlupfwinkel-weisswasser.de

 

 

Aktivierende Kinder- und Jugendarbeit im Planungsraum 2

Jugendring Oberlausitz e.V.

Muskauer Straße 21

02906 Niesky

--- und ---

Markt 4

02894 Reichenbach  

Tel. 03588 201770 und 035828 154899 oder 01590 1942256

pjany@jugendring-oberlausitz.de

pjareichenbach@jugendring-oberlausitz.de

www.jugendring-ol.de

 

Aktivierende Kinder- und Jugendarbeit

Diakonie St. Martin

Schlossplatz 2

02929 Rothenburg

Tel. 035891 7237

familienbildung-rbg@diakonie-st-martin.de

www.diakonie-st-martin.de

 

PRO JUGEND - Projekte zur Aktivierung und Stabilisierung von beruflichen und sozialen Kompetenzen

Jugendsozialarbeit e.V.

Konsulstraße 48

02826 Görlitz 

Tel. 03581 412903

jugendsozialarbeit-goerlitz@t-online.de

www.jugendsozialarbeit-goerlitz.de

 

 

Jugendberatungsstelle

CVJM Löbau e.V.

Martin-Luther-Straße 5

02708 Löbau  

Tel. 03585 403966

jugendberatung-cvjm-loebau@web.de

www.cvjm-loebau.de

 

 

Jugendberatungsstelle Zittau

Ev.-luth. KG St. Johannis Zittau / Diakonie Löbau-Zittau gGmbH

Pfarrstraße 14

02763 Zittau   

Tel. 03583 540719

hannemann@jb-zittau.de, ranft@jb-zittau.de

www.jb-zittau.de

 

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