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Warum einige Eltern die Testpflicht ablehnen

„Und was hat eure Kindheit geprägt, liebe Eltern, Lehrer und Schulleiter?“ stand in großen Lettern geschrieben. Es war eines von mehreren Plakaten, das Eltern am 11. April vor dem Deutsch-Sorbischen Schulkomplex in Schleife aufhängten. Sie wollten damit gegen die Testpflicht an Schulen Protestieren. Etwa 50 Eltern hätten sich an der Aktion beteiligt, erzählt uns eine Mutter. Eines ihrer Kinder besucht die 6. Klasse. Bei der Protestaktion selbst war sie nicht dabei, half aber bei der Organisation. Sie erzählt uns am Telefon, was die Eltern umtreibt.

Sie könne verstehen, dass zur Eindämmung des Virus Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die Testpflicht bereitet ihr und den anderen Beteiligten aber Sorgen. „Es sollte immer so sein, dass letztlich die Eltern für ihre Kinder entscheiden." Den Eltern bereite beispielsweise Sorge, was es mit den Kindern macht, wenn sie vor versammelter Klasse nach einem positiven Ergebnis „abgeführt“ werden. Auch die Tatsache, dass die Tests von den Schülern selbst durchgeführt werden, halten die Eltern für schwierig. Ob die Jüngsten den Test schon korrekt durchführen können bezweifeln sie ebenso wie die hundertprozentige Ernsthaftigkeit einiger Jugendlicher. „Ein Spucktest wäre hier doch viel besser. Einfach in einem Becher spucken bekommt jedes Kind hin."

Sachsen hat zwar die Möglichkeit eingeräumt, die Kinder auch zu Hause zu testen und dann das Ergebnis per Selbstauskunft (dazu gibt es ein Formular zum Download) an die Schule zu übermitteln, allerdings müssen die Tests dann von den Eltern finanziert werden, was sich bei rund 5 Euro pro Test nicht jeder leisten kann. Außerdem kann man sein Kind auch vom Präsenzunterricht abmelden. Aber auch das ist aus Sicht der Eltern, die in Schleife protestiert haben, keine vernünftig umgesetzte Option. „Die Kinder bekommen dann nur noch einen Bruchteil der Aufgaben." Auch sei es so, dass immer wieder Mails aus der Schule kommen, die für Druck sorgen. Darin stehe dann beispielsweise ein Termin für die nächste Klassenarbeit und der Hinweis, dass das Kind keine Note bekommen könne, wenn es die Arbeit nicht mitschreibt. „Es gibt aber noch nicht mal eine klare Aussage dazu, was letztlich passiert, wenn das Kind wegen Homeschooling die entsprechenden Noten nicht hat.".

Es sind diese und viele andere Unsicherheiten, die die Eltern zu der Protestaktion veranlasst haben. Man verstehe nicht, warum das Homeschooling nicht weiterhin in vollem Umfang angeboten wird, schließlich habe es doch in Zeiten der Schulschließung auch funktioniert. „Man könnte auch einfach eine Webcam ins Klassenzimmer hängen.“ So könnten alle Kinder den Lehrer sehen, nicht nur die, die in der Schule sind. Betonen wolle man, dass man sich mit der Aktion nicht gegen die Lehrer an den Schulen richtet. "Ich vermute, einige Lehrer haben sich angegriffen gefühlt. Aber die Aktion ging nicht gegen die Schule."

Klagen gegen Testpflicht

Alleine steht die Gruppe mit ihrem Protest nicht da. In Sachsen-Anhalt wurde die Testpflicht in der vergangenen Woche sogar ausgesetzt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg hatte einem Eilantrag von Eltern stattgegeben. Hintergrund ist die Corona-Eindämmungsverordnung des Bundeslandes. In der war die Testpflicht vergangene Woche noch nicht geregelt. Das Bildungsministerium hatte daher einen Erlass herausgegeben. Die Testpflicht so zu regeln, sei aber laut Entscheidung des Gerichts unzulässig. Das heißt allerdings nicht, dass die Testpflicht unzulässig ist. Sie muss nur in der Eindämmungsverordnung geregelt werden. Auch in Sachsen war bereits Mitte März mehrere Eilanträge gegen die Testpflicht eigereicht worden. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht lehnte die Anträge allerdings ab.

 

 

Hinweis: In einer ersten Version des Artikels war der Name der Mutter, mit der wir gesprochen haben, noch genannt. Sie hat uns aber gebeten, ihren Namen nicht im Text zu schreiben. Dem sind wir nachgekommen.

 

 

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