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Carbonfasern aus Boxberg

Boxberg. Der Kraftwerksstandort Boxberg soll im Bereich der Forschung und Nutzung von Carbonfasern eine neue Zukunftsperspektive bekommen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde unterschrieben.

Am Kraftwerk in Boxberg sollen in der Zukunft Carbonfasern entwickelt und dem Standort damit eine neue Perspektive gegeben werden. Im ersten Schritt soll eine vollausgestattete Forschungs-Pilotlinie zur Herstellung von Carbonfasern konzipiert und aufgebaut werden, um neuartige Fertigungsverfahren und zugehörige Methoden des Energiemanagements zu entwickeln und unter praxisnahen Bedingungen zu erproben. Das teilt das Sächsische Staatsministerium für Regionalentwicklung mit. In weiteren Schritten ist geplant, die Pilotlinie um Fertigungsmodule und automatisierte Schnittstellen für die Bauteilherstellung zu ergänzen. Ziel ist es, mit vor Ort angesiedelten Unternehmen carbonfaserverstärkte Leichtbaustrukturen und -systeme zu entwickeln, die in mobilen Anwendungen, etwa beim Automobil-, Schiff-, Schienenfahrzeug- und Anlagenbau oder in der Luft- und Raumfahrt,  genutzt werden.

»InnoCarbEnergy, das gemeinsame Projekt zur Forschung und Entwicklung von Leichtbau-Strukturen wird einen besonderen Beitrag zur Stärkung der Wirtschaftskraft der Region leisten. Durch die Zusammenarbeit von Universitäten und Forschungsinstituten mit dem Unternehmen LEAG werden hier Grundlagen für die Arbeits- und Ausbildungsplätze der Zukunft geschaffen. Diese Kooperation ist beispielhaft dafür, wie nachhaltiger Strukturwandel aussehen kann. Für den Standort Boxberg eröffnet sich nun ein Weg in ein neues Industriezeitalter«, so Staatsminister Thomas Schmidt.

An dem Vorhaben beteiligt sind neben dem Staatsministerium die TU Chemnitz, das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) und das Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) sowie die Lausitz Energie Kraftwerke AG und Lausitz Energie Bergbau AG. Eine entsprechende Absichtserklärung für das Projekt wurde am 16. September unterschrieben.

Es geht ums Gewicht

»Bereits heute können wir durch die Kombination von Materialien – insbesondere mit Carbonfasern – enorme Gewichtsvorteile von 30 bis 50 Prozent gegenüber klassischen Bauteilen erreichen, die ausschließlich aus Aluminium bzw. Stahl gefertigt werden“, sagt Professor Kroll, Leiter des Instituts für Strukturleichtbau und Sprecher des Exzellenzclusters MERGE an der TU Chemnitz. Aus diesem Grund sehe man in dem Vorhaben sehr großes Potential, nicht nur für einen bezahlbaren Leichtbau, sondern im Speziellen auch für die Region, die Menschen, die hier leben und für das Land Sachsen im Allgemeinen. An der TU Chenitz wurden dafür bereits zahlreiche Verbundwerkstoffe und neue Hybrid-Technologien erforscht und entwickelt, die eine derartige Masseneinsparung bei gleichzeitiger Kostenreduktion von Bauteilen und Systemen zulassen. Einige davon befinden sich bereits in seriellen Anwendungen.

Zentraler Bestandteil von InnoCarbEnergy wird die Forschungsanlage »Carbon LabFactory Lausitz« sein. Für den geschäftsführenden Institutsleiter des Fraunhofer IWU, Professor Welf-Guntram Drossel, geht von dem Projekt deshalb eine besondere Strahlkraft aus: »Zusammen mit unseren Partnern werden wir in der LabFactory auch neue Produktionsmethoden erforschen und zur Anwendungsreife führen. Das macht den Standort Boxberg noch attraktiver für Unternehmen und Hightech-Start Ups.“ Vorrangige Ziele seien dabei Kosten-, Energie- und Ressourceneffizienz sowie die innovative Verknüpfung des neuen Energiesystems mit neuen Fertigungstechnologien.

Die LEAG sieht für den geplanten Neubaukomplex InnoCarbEnergy gute Zukunftschancen, wie Hubertus Altmann, LEAG-Vorstand für das Ressort Kraftwerke erklärt »Vor dem Hintergrund des gesetzlich vorgegebenen Kohleausstiegspfades wird sich der Kraftwerksstandort Boxberg in den nächsten zwei Jahrzehnten grundlegend wandeln. Wir wollen ihn dafür schon heute zukunftsfähig aufstellen und hier so viele Industriearbeitsplätze wie möglich erhalten.“ Für ein Zentrum für Carbonfaser-Forschung- und Fertigung bringe Boxberg die besten Voraussetzungen mit. Man verfüge am Standort nicht nur über die notwendigen Flächen , sondern auch die Energie, die der Standort für seine Entwicklung braucht, und über hochqualifizierte Mitarbeiter.

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Kommentar von Insider
Kohlefasern sind keine Zukunftstechnologie. Sie sind der Sondermüll der Zukunft. Die Produktion dieser Fasern ist sehr energieintensiv und zudem sind diese Fasern nicht wiederverwertbar. Recycling-Unternehmen warnen seit Jahren. Was bleibt ist die Deponierung als Sondermüll. Zudem sind Kohlefasern lungengängig und leiten elektrischen Strom, was die Verarbeitung teuer macht. Warum nun gerade Forscher aus Chemnitz gefördert werden sollen? Die Lausitzer Hochschule Zittau/Görlitz beispielsweise forscht seit Jahren an der Nutzung von nachhaltigen Naturfasern. Der Strukturwandel der Lausitz geht auch anders.