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Rückkehr, aber »Paula« muss zurückbleiben

Zeithain. Gabi und Frank Wagner aus Zeithain sind wieder zu Hause - Aber ganz und gar glücklich sind sie nicht: Paula musste in Südamerika bleiben.

»Langsam läuft uns die Zeit davon. In der ersten Maiwoche müssen wir wieder zu Hause sein. Unser regulärer Flug am 2. Mai von Buenos Aires nach London ist immer noch gültig, allerdings wurde der Flug von London nach Berlin gecancelt. Sollten wir wieder erwarten doch noch nach Uruguay kommen, wissen wir nicht, wie wir von dort nach Argentinien weiterreisen sollen. Die Fähre von Montevideo nach Buenos Aires ist stillgelegt. Unser Auto kann allerdings nicht in Argentinien bleiben, da die Zollvorschriften im Land streng sind und nur einen Aufenthalt von 90 Tagen gewähren. Aus diesem Grund hatten wir ja einen Stellplatz in Uruguay organisiert. Unsere Pläne gehen hinten und vorne nicht auf.

Am 31. März beschließen wir, uns in das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes einzutragen. Wir verhandeln mit dem Chef der Gendarmerie und er beschafft uns einen Stellplatz für Paula auf dem Gendameriegelände in der Stadt. Er sagt uns auch zu, dass er sich um die Angelegenheit mit dem Zoll kümmern würde. Das größte Problem sieht er allerdings, wie wir nach Buenos Aires kommen sollen. Ausnahmezustand, strengstes Ausgangsverbot und über 450 Kilometer bis zur Hauptstadt. An jeder Ecke sind Straßensperren mit Kontrollen….. Er schüttelt mehrfach bedenklich den Kopf. Uns bleiben eh nur zwei Optionen Mietwagen oder Taxi und Durchkommen oder nicht. So richtige Gedanken wollen wir uns auch nicht machen, da wir immer noch hoffen, dass die Grenzen am 12.4. wieder öffnet… aber auch da schüttelt der Chef mit dem Kopf. Er glaubt nicht daran.

Und dann überschlagen sich die Ereignisse und wir kommen kaum dazu einen klaren Gedanken zu fassen.

Es geht los!

Am Sonntag, 5. April, bekommen wir eine Nachricht vom Auswärtigen Amt, dass wir für einen Flug am 6. April vorgesehen sind. Sie bitten um Bestätigung, ob wir dies in der kurzen Zeit organisiert bekommen. Wir bestätigen und dann beginnt für uns eine ziemlich hektische Zeit: Als erstes holen wir den Chef aus seinem Wochenende und Frank fährt mit ihm einige Stationen ab. Ein Gespräch mit dem Zoll wird geführt, ein Stellplatz für uns freigemacht und ein Taxi organisiert. Die Mietwagenfirma hat am Sonntag leider geschlossen. Wir bekommen einen Festpreis von 200 US-Dollar für 900 gefahrene Kilometer und nehmen dies unverhandelt an. Keine Ahnung was in Deutschland eine Fahrt mit dem Taxi an die Ostsee kosten würde, auf keinen Fall nur 200 Dollar. Der Chef schreibt uns einen, mit mehreren Stempeln verzierten und wichtig aussehenden, Passierschein. Das sollte helfen.

In der Zwischenzeit mache ich Paula »winterdicht« und packe die wenigen Sachen zusammen, die wir mit nach Hause nehmen. Hauptsächlich aus Fotoausrüstung, Laptop und Tablett besteht unser Gepäck, alles andere bleibt hier. Morgens 5 Uhr geht es los. Paula wird an den anderen Stellplatz gebracht. Von dort holt uns 6 Uhr das Taxi ab. Wir haben bis zum Flughafen fünf strenge Kontrollen, passieren jedoch alle ohne irgendwelche Probleme.

Wir betreten einen Geisterflughafen: Kein Geschäft ist geöffnet. Die fünf Stunden bis zum Einchecken vergehen schnell. Jeder redet mit jedem, alle verbindet das selbe Problem und ein eigenartiges Gemeinschaftsgefühl entsteht. Jede Krise hat sein Gutes. Hinter den Eincheckschaltern wird eine Deutschlandfahne aufgehangen, und die kurze Ansprache des Botschaftsmitarbeiters sagt aus: »Wir holen euch jetzt nach Hause...« Im Zug von Frankfurt nach Riesa das selbe Phänomen. Das ganze Abteil unterhält sich. Fast alle der Reisenden sind aus dem Ausland gekommen und haben sich eine Menge zu erzählen.

Zu Hause, aber...

Spät am Dienstag Abend erreichen wir den Bahnhof in Riesa und können es selbst kaum fassen. Wir hoffen, dass die politische Lage in Argentinien stabil bleibt und wir unsere »Paula« unversehrt wieder bekommen. Im November wollen wir unsere abgebrochene Tour fortsetzen. Und wir hoffen, das alle bis dahin gut und gesund durch diese schwierige Zeit kommen. Vielleicht bewahren wir uns ein wenig von der neuen Solidarität und dem Zusammengehörigkeitsgefühl und können es so lange wie möglich in der Zeit nach Corona erhalten«....

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