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Schicksal des Pokals der blauen Schwerter

Meißen. Wie können die Gewichtheber ihren Pokal der Blauen Schwerter in diesem Jahr durchführen. Wir sprachen mit Organisator Michael Hennig.

Beim Meißner Athletikclub laufen vorsichtige Organisationen für die jährliche Großveranstaltung der Gewichtheber, ein Termin wurde ins Auge gefasst. Wie wird der Pokal der Blauen Schwerter in diesem Jahr stattfinden?
Solange am aktuellen internationalen Wettkampfkalender der Gewichtheber einschließlich der Sommerspiele festgehalten wird, setzen wir weiterhin optimistisch auf den 12. Juni. Gemeinsam mit dem Bundesverband prüfen wir allerdings im Falle einer absehbaren Absage der geplanten Gewichtheber-Großveranstaltungen eine Verschiebung in das 2. Halbjahr. Einen konkreten Ausweichtermin gibt es bisher nicht. Wegen des zu erwartenden Leistungsabfalls nach Tokio oder schlimmstenfalls bei einem drohenden Olympia-Aus erscheint diese Option allerdings ungünstig.

Spitzenathleten werden ihre Laufbahn beenden oder eine längere Trainingspause einschieben. Durch die Corona-bedingte Verlegung unterschiedlichster Meisterschaften kommt es künftig zu einer hohen Termindichte. Es wird erfahrungsgemäß schwierig, unmittelbar in der nacholympischen Phase ein gewohnt attraktives »Pokal«-Starterfeld auf die Beine zu stellen.

Wie bleiben die Heber denn fit in dieser Zeit? Hebt jeder in der eigenen „Garage“ allein? Gibt es online Begleitung und Austausch?
Der Bereich Leistungssport kann Dank von Ausnahmegenehmigungen gemäß Corona-Schutzverordnung sein Training fortführen und auch Wettbewerbe bestreiten. Aktuell werden international einige Wettkampfformate »Online« ohne Publikum realisiert. Das ist jedoch nicht unser Bestreben für Meißen 2021. Das Pokal-Turnier lebt wesentlich von den Zuschauern und der legendären Atmosphäre in der Halle.

Bei den leistungsorientierten Freizeitsportlern (Bundesliga Gewichtheben) und im Nachwuchssport (außerhalb vom Bundes- und Landeskaderstatus) ist es natürlich viel komplizierter. Einige Vereine haben Sportmaterial an ihre Mitglieder ausgeliehen, so dass diese sich fit halten können. Ob ein unkontrolliertes Training ohne Übungsleiter in Garagen und Hobby-Kellern mehr Sicherheit bietet als ein geregeltes Vereinstraining unter strenger Einhaltung von Hygienekonzepten, bleibt hier die große Frage.

Im Kinder- und Jugendsport unternimmt man verschiedene Anstrengungen, um die Schützlinge mittels Trainingsvideos oder über Online-Vergleiche »bei der Stange« zu halten. Dabei ist in Sachsen der Landesfachverband außerordentlich rege und stellt wöchentlich Video-Anleitungen mit allgemeinen Übungsfolgen bereit.

Wäre das Leistungsniveau bei einem internationalen Wettbewerb überhaupt vergleichbar mit anderen Jahren ohne Trainingsbehinderungen?
Ja, denn bekanntlich können sich auch in anderen Ländern die Nationalteams mit Sondergenehmigungen professionell auf ihre internationalen Einsätze vorbereiten. Dass das Leistungsniveau im Spitzenbereich kaum gelitten hat, verdeutlichen die aktuellen Ergebnisse bei internationalen Höhepunkten in anderen Sportarten.

Wie ist der längerfristige Zukunftsplan des Sports?
Die Folgen für den organisierten Vereinssport und speziell für den Nachwuchsleistungssport sind derzeit kaum absehbar. Es wird zunächst einen gewissen Mitgliederschwund und weitere tiefe Einschnitte in der vielfältigen Vereinslandschaft geben. Besonders Freizeitaktive und Amateurligen werden geraume Zeit benötigen, um durch die langanhaltende Einstellung des Sportbetriebes erlittenen Verluste ihres Leistungsvermögens wieder ausgleichen zu können.

Es gilt jedoch, den Kopf nicht in den Sand stecken. Der Vereinssport wird sich wieder erholen und neu motiviert seiner gesellschaftlichen Bedeutung gerecht werden. Denn die Mehrheit aller Sporttreibenden kann es kaum erwarten, ihre Sportstätten wieder in Besitz zu nehmen. Auch wenn der Anfang schwer und hier und da einem Neustart ähneln wird. Gleichzeitig bleibt zu hoffen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise für viele kleine und mittlere ortsansässige Unternehmen nicht allzu schwerwiegend sind. Denn diese sind wichtige Stützen für den Vereinssport. Ohne die Hilfe solcher Partner sind Veranstaltungen wie das traditionelle »Pokal-Turnier« nicht durchführbar.

Interview Verena Farrar

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