Roberto Rink

Ent- oder Belastung?

Pirna. Der nächste Meilenstein der Südumfahrung ist durch den Tunnelanstich am Kohlberg gesetzt worden. Doch die Kritik am Nutzen des Projektes wächst.

Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) ließ sich beim Tunnelanstich am 9. September von seiner Frau Susann vertreten. Sie brach in einem symbolischen Akt ein Loch mit einem Aufbruchhammer in den Beton der westlichen Tunneleinfahrt am Kohlberg. Während des Baus ist sie nun Namens-Patin des Tunnels.

Bis 2023 soll der 3,8 Kilometer lange Abschnitt der Bundesstraße B 172n fertig sein und nach jetzigem Stand über 150 Millionen Euro kosten. Er soll als Lückenschluss des Autobahnzubringers B 172a und der B 172 südöstlich von Pirna dienen. Ob diese Kosten aber wirklich eingehalten werden können, ist – wie bei so vielen Großprojekten hierzulande – äußerst fraglich.

Auftraggeber des Großprojektes sind die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Sachsen, die das Vorhaben von der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) realisieren lassen. Durch den Bau des Tunnels möchte man den geschützten Mischwald auf dem Kohlberg erhalten, und so lässt man 250 der insgesamt 300 Meter des Tunnels bergmännisch hergestellen. Im Tunnel sollen dann zwei Fahrstreifen bergauf in Richtung Sonnenstein und ein Streifen bergab Fahrtrichtung A-17-Zubringer führen.

Die Südumfahrung ist als Entlastung der Pirnaer Innenstadt vorgesehen. Häufig ist die 172 zwischen Königstein und Pirna verstopft. So könnte es zwischen Altstadt und Sonnenstein, einem wirklichen Nadelöhr, durch die Ortsumgehung zu einer Entspannung kommen. Ines Fröhlich, Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, geht von einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität in der Region aus. 

Bürgerinitiative B 172

Aus diesem Anliegen heraus hatte sich die »Bürgerinitiative B 172« um den ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten von Pirna, Klaus Leroff, gegründet. In dieser Initiative sind zudem der Nachfolger Leroffs im Landtag, Helmut Gregert, weiterhin Peter Liebers und Katrin Gnoss (alle CDU). Sie befürchten, dass ohne eine »staufreie« Anbindung Besucher, Gäste und Investoren die Region meiden werden und somit Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Ob es sich bei dieser Ansammlung an Politikern um eine wahre »Bürger«-Initiative handelt, kann allerdings bezweifelt werden. 

Umweltschützer warnen

Sebastian Schmidt vom Naturschutzbund (NABU) Oberes Elbtal kritisiert die großen Einschnitte des Projektes für Natur und Umwelt. Er vermutet, dass der Wald oberhalb der Tunnelröhre mangels Versorgung mit Grundwasser eingehen könnte. Seiner Meinung nach sollte in den Ausbau von Radwegen und des ÖPNV investiert und nicht nur der Autoverkehr einseitig gefördert werden. »Man nimmt enorme Schäden der Natur in Kauf, so in diesem Fall des Seidewitztals, der Viehleite und eben des Kohlberges, mit dem Segen der örtlichen Geistlichen. Das ist nicht fortschrittlich, das ist noch nicht mal säkular«, erklärt Schmidt weiter.

Zudem müssen vor dem Beginn der einzelnen Bauphasen »Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen« für die Natur geleistet werden. Bisher wurde in dieser Richtung wenig unternommen und Um- und Anpflanzungen sind mangels Pflege zumeist abgestorben.

Er geht ebenso davon aus, dass die Südumfahrung nicht den versprochenen Effekt einer Entlastung der Innenstadt haben werde. Denn selbst projektinterne Prognosen gehen davon aus, dass rund zwei Drittel aller Autos bereits die Zehistaer Straße wieder abfahren werde.

Für die Anwohner der neuen Stecke sind schon die Bauarbeiten eine Belastung. Lärm und Schmutz werden auch nach Inbetriebnahme an der Streckenführung und in den Tälern von Seidewitz und Gottleuba einkehren. Es gilt zu hoffen, dass zumindest die Pirnaer Innenstadt entlastet werden kann.

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