Roberto Rink

Maßnahmen gegen Landärztemangel

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Ländliche Regionen, so auch unser Landkreis, sind zunehmend vom Ärztemangel betroffen. Dr. Klaus Heckmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, gibt Auskunft zur Lage.

Herr Dr. Heckmann, wie schätzen Sie die ärztliche Versorgung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ein?

Dr. Klaus Heckmann: Die ärztliche Versorgung ist in der Region Sächsische Schweiz in allen Fachgebieten gut aufgestellt. Es gibt dort keine Region, die von drohender Unterversorgung betroffen ist.

Ein wenig anders sieht es in der Region Weißeritzkreis aus (ehemaliger Landkreis Weißeritz). Dort haben wir für die Arztgruppen der Hausärzte (Planungsbereich Freital und Dippoldiswalde), der HNO-Ärzte, der Nervenärzte sowie der Urologen (Planungsbereich Weißeritzkreis) drohende Unterversorgung zu verzeichnen. Für diese Planungsbereiche wurden Förderstellen beschlossen.

Was wird gegen den Ärztemangel auf dem Land getan?

Die KV Sachsen bietet ein umfangreiches Maßnahmenpaket an Förderungen, um Ärzte, die entscheiden, im ländlichen Raum tätig zu sein, zu unterstützen. Unterstützungsangebote existieren bereits für Medizinstudierende und Ärzte in Weiterbildung, die beabsichtigen, sich außerhalb der Städte Dresden und Leipzig niederzulassen. Dazu zählen Stipendien für Studierende an deutschen Universitäten und die Übernahme der Studiengebühren für Studierende der Humanmedizin an der ungarischen Universität in Pécs. Weiterhin wird die Famulatur und Wahltertial Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr sowie die Weiterbildung für bestimmte

Fachgebiete, die besonders von dem Ärztemangel betroffen sind, gefördert.
Zudem werden Ärzte unterstützt, die sich in schlecht versorgten ländlichen Regionen niederlassen. Um den Weg in die Niederlassung zu erleichtern, gehören dazu beispielsweise die Gewährung eines Garantiehonorars für die ersten zwei Tätigkeitsjahre und ein Zuschuss zu den Investitionskosten.

Weiterhin werden Quereinsteiger mit Facharzttitel in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung und bisher stationär tätige Allgemeinmediziner, die Erfahrungen als niedergelassener Hausarzt sammeln möchten, gefördert. Auch werden Ärzte unterstützt, die bereits in Regionen mit Versorgungsschwierigkeiten tätig sind. Ab 2021 sind weitere Förderungen, besonders für schon auf dem Land niedergelassene Ärzte, geplant. So die Unterstützung von Ärzten über 65. Neben den finanziellen Förderangeboten, die größtenteils von den Sächsischen Krankenkassen mitfinanziert werden, bietet die KV Sachsen vielfältige Beratungsangebote für bereits niedergelassene oder interessierte Ärzte.

Seit einigen Jahren wird über eine »Landarzt-Quote«  für Medizinstudenten diskutiert.  Wie schätzen Sie den Erfolg der Maßnahme ein?

Die »Landarzt-Quote« beinhaltet Änderungen der Kriterien für die Auswahl der Studenten. Die Einführung dieser Quote in Sachsen würde das Kontingent an Medizinstudienplätzen erhöhen und damit als weiterer Baustein der Rekrutierung zukünftigen ärztlichen Nachwuchses dienen. Ein Allheilmittel wird die Landarztquote natürlich auch nicht sein (können).  

Potential, die angespannte Nachwuchssituation an Hausärzten auf dem Lande abzumildern, hat dieser Ansatz meines Erachtens schon, sofern man trotz der Notwendigkeit staatlicher Einflussnahme das menschliche Naturell nicht vernachlässigt: Ich denke, die Sozialisierung in städtischen oder ländlichen Regionen ist lebensprägend. Wer auf dem Land seine Kindheit und Jugendzeit verbracht hat, wird seinen Lebensmittelpunkt auch viel eher dort suchen und finden.

Was könnte die Politik zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung auf dem Land tun?

Der sich abzeichnende Ärztemangel stellt alle Verantwortlichen im Gesundheitswesen vor große Herausforderungen, um auch in Zukunft eine gute Versorgung für sächsische Versicherte und Patienten sicherstellen zu können. Der Gewinnung von ärztlichem Nachwuchs gilt daher ein besonderes Augenmerk der KV Sachsen.

Auf Grund der uns bekannten schwierigen Versorgungslage bemühen wir uns seit vielen Jahren, Ärzte für die vertragsärztliche Tätigkeit zu gewinnen. Leider mangelt es zunehmend auch an Nachwuchs, der bereit ist, die ambulante Versorgung zu übernehmen.

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