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Ein Leben ohne Kunst – nicht wirklich!

Dittersbach. Es gibt nicht viele Künstler, die mehrere Genres so meisterhaft umsetzen wie Hermann Naumann. Er ist Maler, Bildhauer, Grafiker – und da einer der wenigen, der die aus der Renaissance stammende Technik des Punzenstichs beherrscht. Am 14. Februar feiert er seinen 90. Geburtstag.

Für seine Ehefrau, Galeristin Helga Luzens (78), mit der er seit 1995 das Hofmannsche Gut in Dittersbach bewohnt und dort mit der kleinen Galerie ein wahres Kleinod »am Ende der Welt« schuf, haben die Vorbereitungen schon lange begonnen. Dabei waren die Vorzeichen alles andere als erfreulich, denn 2018 erkrankte Hermann Naumann schwer. »Zum Glück geht es meinem Mann jetzt etwas besser, er hat sogar wieder begonnen  zu arbeiten«, ist Helga Luzens erleichtert.

Dennoch, alle Vorbereitungen – auch auf die neue Ausstellungssaison ab Mai – liegen auf ihren Schultern. Zudem arbeitet sie schon lange am Werkverzeichnis ihres Ehemanns. »Ich habe alle Arbeiten von Hermann durchforstet und bin auf über 25.000 gekommen.«

Doch die Jubiläumsausstellung, die es 2020 gibt, hat sie schon durchgeplant. Unter dem Thema »Meister H.N. – Jubiläumsausstellung – Bausteine seiner Kunst« wird ein Querschnitt der Arbeiten aus 70 Jahren Schaffenszeit gezeigt. Aus diesem Riesenfundus auszuwählen ist schwer, denn Hermann Naumann hat an vielen Stellen Spuren hinterlassen.

Hermann Naumann – ein Leben für die Kunst

Geboren am 14. Februar 1930 in Kötzschenbroda ging Hermann Naumann in den Nachkriegsjahren in eine Steinmetzlehre. Parallel dazu erhielt er eine Privatausbildung zum Plastiker bei Burkhart Ebe. Von 1947 bis 1949 folgte eine Bildhauerlehre bei Herbert Volwahsen. Ab 1950 war er freischaffend tätig und arbeitete und lebte im Loschwitzer Künstlerhaus. 1995 zog er mit seiner Frau in das »Künstlerhaus Hofmannsches Gut«.

Der Bildhauer Hermann Naumann begegnet dem Besucher schon im Garten – z.B. in Gestalt einer verspielten Katze, die mitten in der Landschaft steht. Seine Skulpturen und Reliefs trifft man aber auch in Dresden – am Sandsteinerker des Studentenwohnheims in der Fritz-Löffler-Straße,  am Erker beim Gänsediebbrunnen und am Grabdenkmal für Ernst Hassebrauk auf dem Loschwitzer Friedhof.

International bekannt wurde Naumann daneben vor allem durch seine Buchgrafik schon zu DDR-Zeiten. Anregungen für seine Werke erhält er oft durch die Literatur. Exemplarisch dafür steht sein Grafikzyklus zu Dostojewski. Eine ganze Mappe mit Grafiken schenkte er 2015 dem Dostojewski-Museum in St. Petersburg. Neben Aquarell und Öl hat Hermann Naumann auch viel mit Bleistift gezeichnet und immer wechselte er zwischen Grafik und Farbe.

Ausstellung zum Jubiläum

In der Jubiläumsausstellung sollen etwa 50 Arbeiten aus verschiedenen Schaffensjahren zu sehen sein. Die verschiedenen Genres will Helga Luzens auch zeigen. Natürlich gehört Malerei dazu, aber auch wunderschöne Plastiken, wie die Büste von Helga Luzens, als seine Muse, die Hermann Naumann schon 1979 in Gips schuf. In einer Vitrine werden zudem Bücher, Grafiken und seine berühmten Punzenstiche gezeigt.

Bis zur Ausstellungseröffnung im Mai liegt noch ein Riesenberg Arbeit vor Helga Luzens und Hermann Naumann. Zum 90. Geburtstag aber erst einmal herzlichen Glückwunsch und viel Gesundheit. Und auch weiterhin eine glückliche Hand und einen neugierigen Blick auf die Welt – oder was wünscht man einem Künstler?

Carmen Wolodtschenko

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