Ostwind ? Langlebige Vorteile

Dresden. Hartz-IV-Empfänger sitzen schon morgens vor dem Fernseher, trinken Bier und warten aufs nächste Geld. So etwa wird zuweilen über diejenigen geredet, die von Langzeitarbeitslosigkeit geschlagen sind. Das geht der Arbeitsagentur, die die Hartz-IV-Empfänger betreut, heftig gegen den Strich ? weshalb sie jetzt nachfragen ließ. Ergebnis der Umfrage: Vorurteile und Tatsachen liegen zuweilen meilenweit auseinander. Beispiele gefällig? Immerhin 37 Prozent der Deutschen sind der Überzeugung, Hartz-IV-Empfänger wollten überhaupt nicht arbeiten. Ein Blick in die Statistiken der Arbeitsagentur jedoch ergibt: Immerhin ein Drittel ihrer "Kunden" ist gar nicht ohne Arbeit. Die arbeiten in sogenannten Mini-Jobs, weil sich nichts sonst gefunden hat. Oder in Teilzeit, weil kein Kitaplatz für den Nachwuchs zu bekommen ist. Zudem geben dreiviertel der Langzeitarbeitslosen zu Protokoll, Arbeit sei das Wichtigste in ihrem Leben. Nun sind solche Erklärungen das eine, das andere ist der wirkliche Wunsch, einen Arbeitsplatz zu finden. Mehr als 50 Prozent der Deutschen meinen, Hartz-IV-Empfänger seien da wenig aktiv. Die Arbeitsagentur hält dagegen: Zwischen 40 und 50 Prozent der ? welch ein Wortmonstrum! ?   "arbeitslosen Leistungsempfänger" fragen monatlich in bis zu fünf Betrieben direkt nach Arbeit. Das sei doch wohl nur von statistischem Wert, so die Vorurteils-Entgegenung, warum sonst würde immer wieder wegen "Bewerbungsfaulheit" Hartz-Geld gekürzt?! Richtig, auch unter Langzeitarbeitslosen soll es Typen geben, die alles meiden, was nach Arbeit aussieht. Oder die "schwarz" tätig sind und das Hartz-Geld als schöne Nebeneinkunft ansehen. Denen wird das Geld tatsächlich gekürzt oder gestrichen. Nur: Wie viele sind das? In Sachsen waren das im ersten Halbjahr 2012 drei von einhundert Arbeitslosen. So ist das eben mit langlebigen Vorurteilen.Hartz-IV-Empfänger sitzen schon morgens vor dem Fernseher, trinken Bier und warten aufs nächste Geld. So etwa wird zuweilen über diejenigen geredet, die von Langzeitarbeitslosigkeit geschlagen sind. Das geht der Arbeitsagentur, die die…

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Zimmis Einwurf

Dresden. Es ist schon eine gewisse Dramatik. So wie das Katastrophenpulver am Wochenende ausgerechnet die Stadt Dresden einfach negierte, so verschont Dynamo den eigenen Anhang mit der Kälte eines Abstiegsranges. Noch! Die Fassade steht also. Noch!   Denn die Dünnhäutigkeit des Trainers ist zu spüren. Ralf Loose ist immer freundlich, er steht weiter wie ein Fels in der Brandung vor seiner zusammen gestellten Mannschaft. Doch die hat Qualitätsverluste. Ansonsten erlebt ein Team nicht die Umkehr von einem Spielrausch in die Bodenlosigkeit. Innerhalb von sechs Minuten. Und dazwischen lag sogar noch die Pause. Passiert ist das Schlimme beim FC St. Pauli. Der Kiezklub lag nach einer halben Stunde aussichtslos im Rennen. Die Dresdner dominierten nach Belieben am Millerntor in Hamburg. Doch dann begann die Sorglosigkeit. Schon hundert Mal angesprochen, doch immer wieder negiert. Einladungen für die Gastgeber wurden ausgesprochen zum Tore schießen. Vorbei war es mit der eigenen Herrlichkeit. Die schlimmste Erkenntnis aber spricht keiner so richtig an. Dynamo kann keinen Abstiegskampf. 35 Minuten passierte nichts mehr. Der eingewechselte Sliskovic stolpert über seine Zeit, findet keinen Kontakt. Kitambala gewinnt keine Zweikämpfe. Pote bleibt weiter ganz allein im Sturm. Dabei sahen die zwei Treffer von Ouali und Pote wunderschön in der Entstehung aus. Leichtfüßig wurde der Kontrahent schwindlig gespielt. Aber halt nur so lange, bis der sich nicht wehrt. Dazu kommt noch das Mittwoch-Pokalspiel bei Hannover 96. Welches nach der Heimniederlage gegen Mönchengladbach auf einmal in einem völlig anderen Licht erscheint. 2:0 geführt, am Ende peinlich berührt. Die 96-er schafften das, was Dresden vier Stunden vorher in die Depressionen schickte. Auf einmal ist der Pokal wieder zu allem zu gebrauchen. Erstens zum Geldverdienen. Ganz wichtig für Trainer Loose, denn mit seinem Stamm wird der Überlebenskampf ein Tanz auf der Rasierklinge. Zweitens zur Stabilität des Nervenkostüms. Nur bei positivem Spielverlauf. Denn die nächsten beiden Aufgaben gegen Union Berlin und in Cottbus sind schon der Hammer. Noch kommt der Übungsleiter mit dem Satz daher, wenn jetzt die Saison vorbei wäre, ist Dynamo weiter Zweitligist. Der Galgenhumor kann aber auch ganz schnell im Hals stecken bleiben. Bei Dynamo ist halt immer was los.       Es ist schon eine gewisse Dramatik. So wie das Katastrophenpulver am Wochenende ausgerechnet die Stadt Dresden einfach negierte, so verschont Dynamo den eigenen Anhang mit der Kälte eines Abstiegsranges. Noch! Die Fassade steht also. Noch!   Denn die…

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Ostwind ? Verwirrspiel

Dresden. Der Strompreis an den Börsen, so ist Mitte Oktober 2012 zu hören, sei leicht gesunken. Zugleich erfahren wir, dass sich die Stromrechnung pro Haushalt im Jahre 2013 um bis zu 100 Euro erhöhen könnte. Der Grund: Künftig zahlt der Verbraucher 5,3 Cent pro Kilowattstunde als Umlage für die Ökostromerzeugung ? reichlich ein Cent mehr als bisher. Folgen wir Phillipp Rösler, dem Bundeswirtschaftsminister von der FDP, gibt es dafür nur eine Erklärung ? die Energiewende. Rösler zeigt sich "alarmiert" und sieht Arbeitsplätze in Gefahr. Welche, das sagt er nicht. Auch Röslers Parteikollege Holger Zastrow, in Sachsen Landeschef der Liberalen, sieht, wenn der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen nicht gestoppt werde, große Gefahren ? überraschender Weise aber vor allem für die "sächsische Kulturlandschaft", die es vor Windrädern zu schützen gelte. Offenbar gehören Tagebau-Gruben, abgebaggerte Wälder und umgesiedelte Lausitzer Dörfer nicht zu dieser Landschaft.  Doch damit nicht genug des seit langem tobenden Verwirrspiels, an dem  auch die "grüne" Seite tätigen Anteil nimmt. Die nämlich tat zunächst so, als sei der Umstieg auf die "Erneuerbaren" beinahe kostenneutral zu haben. Kritische Nachfragen galten als störend, wenn nicht gar als Atomlobby-Manöver. Jetzt, da klar ist, dass die Operation erhebliche Milliarden-Summen kosten dürfte, wird die Schuld der Industrie zugeschoben. Die nämlich sei in weiten Teilen von der Umlage befreit. In weiten Teilen? Bundesweit sind es gerade einmal reichlich 700 Unternehmen, die nicht die volle Umlage zahlen, solche mit hohem Stromverbrauch, Papierfabriken oder Gießereien zum Beispiel, die unter scharfer internationaler Konkurrenz auch Arbeitsplätze zu verteidigen haben. Und selbst wenn darunter der weitgehend konkurrenzfreie Dresdner Straßenbahn-Betrieb ist ? was soll dieses ewige Verwirrspiel?Der Strompreis an den Börsen, so ist Mitte Oktober 2012 zu hören, sei leicht gesunken. Zugleich erfahren wir, dass sich die Stromrechnung pro Haushalt im Jahre 2013 um bis zu 100 Euro erhöhen könnte. Der Grund: Künftig zahlt der Verbraucher 5,3 Cent…

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