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Das plant DEKRA am Lausitzring

Investitionen in Millionenhöhe / Neue Jobs für die Region

Cottbus. Für Aufsehen und viele Diskussionen sorgte am Montag die Meldung, dass die DEKRA zum 1. November dieses Jahres den Lausitzring übernimmt. Doch was hat man hier vor? Hier ein Einblick in die künftigen Pläne der Rennstrecke...

"In den Aufbau dieses Testverbunds investieren wir im ersten Schritt insgesamt mehr als 30 Millionen Euro", so Stefan Kölbl, Vorsitzender des Vorstands DEKRA e.V. und DEKRA SE. "Die Zukunftsthemen Automatisierung und Konnektivität werden für die Sicherheit der Mobilität immer wichtiger. Wir nehmen unseren 'Auftrag Sicherheit' sehr ernst, den die DEKRA Gründer vor mehr als 90 Jahren festgeschrieben haben. Deshalb bieten wir unseren Kunden aus der Automobilbranche Prüf- und Entwicklungskompetenz für die autonome und vernetzte Mobilität der Zukunft. Die Übernahme des Lausitzrings und die Zusammenführung mit dem DEKRA Technology Center sind dafür ein ganz entscheidender Schritt."

Im Rahmen des Verbunds steht in Klettwitz der Aufbau von Testanlagen für alle Aspekte des automatisierten Fahrens im Mittelpunkt. Ergänzt wird dies mittelfristig durch das Thema Konnektivität, das innerhalb des DEKRA Konzerns schwerpunktmäßig am Standort Málaga angesiedelt ist. Von dort ausgehend werden entsprechende Prüfkapazitäten auch in Klettwitz aufgebaut. "Die Kombination aus Automatisierung und Vernetzung ist entscheidend für das in Zukunft angestrebte autonome Fahren. Deshalb brauchen unsere Kunden, insbesondere aus der Automobilindustrie, die notwendigen Prüfdienstleistungen aus einer Hand. Das können wir ihnen durch die intensive Zusammenarbeit aller beteiligten DEKRA Standorte und Geschäftsbereiche in Zukunft anbieten", so Stefan Kölbl.

Für das größte herstellerunabhängige Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren in Europa investiert DEKRA am Standort Klettwitz einen zweistelligen Millionenbetrag. "Dabei geht es um Strecken und Anlagen, die das umfassende Testen von automatisierten Fahrfunktionen ermöglichen. So können wir als Entwicklungs- und Testpartner für die Automobilindustrie in Zukunft sehr komplexe Szenarien höchst flexibel darstellen, sei es für innerstädtische, außerstädtische oder Autobahnfahrten", so Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive. Im Einzelnen werden zwei Citykurse, ein Überlandkurs sowie eine Autobahnstrecke auf unserem bestehenden Test-Oval zur Verfügung stehen, dazu mehrere große Asphaltflächen, die für derartige Tests prädestiniert sind.

Im DEKRA Technology Center entstehen in den kommenden Jahren zahlreiche hochwertige Arbeitsplätze. "Der personelle Ausbau erfolgt schrittweise und folgt logisch den Notwendigkeiten zur Prüfung automatisierter Fahrfunktionen", so Volker Noeske, Leiter des DTC. Aktuell sind am Lausitzring 48 Mitarbeiter beschäftigt, inklusive Saisonkräften. Die Planungen sehen vor, dass mittelfristig 70 hochspezialisierte Mitarbeiter hinzukommen werden - zusätzlich zu den bisher knapp 100 Mitarbeitern im DTC.

"Wir investieren in Klettwitz in die Zukunft der Mobilität und in die Zukunft von DEKRA", fasst Vorstandschef Stefan Kölbl zusammen. "Das Engagement am Lausitzring ist ein klares Bekenntnis zum Standort spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung unserer Vision, bis zum Jahr 2025 der globale Partner für eine sichere Welt zu werden."

Ob künftig auch weiterhin Rennveranstaltungen auf dem Ring stattfinden sollen, ließen die Betreiber offen. Man könne sich aber durchaus vorstellen, die Strecke an Veranstalter zu vermieten.

Der Sprecher der Energieregion Lausitz GmbH, der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), erklärte zum Verkauf des Lausitzrings: „Der Ansatz der Dekra, ein Testzentrum für die Automobilität der Zukunft zu errichten, ist mit dem Blick auf den Strukturwandel der Lausitz und die daraus resultierende Erneuerung der Unternehmenspalette und ihrer Angebote nur zu begrüßen. Das Testzentrum kann Kompetenzen bündeln, und wir hoffen, dass die in der Lausitz ansässige Universität und die Hochschulen hier wichtige Betätigungs- und Forschungsfelder finden oder einbringen.“ Der Cottbuser Oberbürgermeister sieht jedoch auch den drohenden Verlust der Rennsportveranstaltungen als „Einschnitt für den Tourismus und das Marketing der Region, der nur schwer auszugleichen sein wird“.

 

 

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