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Handel drückt Milchpreise

Südbrandenburg. Große Einzelhandelsketten nutzen die Corona-Krise, um die Preise für Milch massiv zu drücken. Das Nachsehen könnten am Ende die Milcherzeuger haben.

Es ist eine Hiobsbotschaft, die Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg dieser Tage von Milchbauern aus der Region erreicht. »Landwirte berichten über Abschläge von bis zu 50 Prozent, die vom Handel in einigen aktuellen Preisverhandlungen mit  Molkereien verlangt werden.« Würden diese Senkungen in vollem Umfang an die Erzeuger weitergegeben, käme das für viele Milchbauern einer Katastrophe gleich. »Bei solchen Preisforderungen kann kaum noch jemand mithalten. Die ersten Verarbeiter haben bereits signalisiert,
das Machtspiel nicht mitzumachen und steigen aus Lieferverträgen aus. Doch niemand weiß, wie es auf der Absatzseite letztlich weitergehen wird«, sagt Lorenz.

Aufgrund von Corona sei das Exportgeschäft der Molkereien nahezu komplett eingebrochen. Infolge dessen habe der Preisdruck auf Milch im Inland zugenommen und die Verhandlungsposition von Verarbeitern in Teilen empfindlich geschwächt. »Der Handel weiß, dass zur Zeit die Molkereilager voll sind und nutzt das zu seinem Vorteil«, so Lorenz. Für eine derart aggressive Preispolitik in der momentanen Situation hbet sie jedoch keinerlei Verständnis. »Das Inlandsgeschäft mit Trinkmilch ist stark. Eigentlich gebe es für den Handel keinen zwingenden Grund, seine ohnehin geringen Einkaufspreise so massiv zu drücken. Doch die großen Handelsketten wie Lidl und Kaufland sehen in der aktuellen Corona-Krise offenbar vor allem die Chance zur weiteren Gewinnmaximierung «, erklärt Lorenz. »Hier wird aus der Misere auch noch Profit geschlagen «, kritisiert sie.

Das ganze System krankt

Leere Versprechungen hat auch Frank Neczkiewicz, Geschäftsführer der Landwirtschafts- GmbH Finsterwalde, inzwischen genug gehört. »Das ganze System krankt. Nach wie vor werden ganz bewusst Lebensmittel zu nicht auskömmlichen Preisen verramscht, weil es sich große Einzelhandelsketten schlichtweg leisten können, in Verhandlungen zu pokern«, ärgert er sich. Die Politik müsse beim Thema Machtkonzentration im Handel endlich verbindliche Lösungen für alle finden,
damit einheimischen Landwirten nicht weiterhin durch Preisdumping die Luft zum Atmen genommen
werde. »Der Einzelhandel verlangt immer höhere Tierwohlstandards jedoch zu unterirdischen Preisen.
Damit tut er letztlich genau das Gegenteil von dem, was politisch und gesellschaftlich gewollt ist: Gute und verantwortungsvoll erzeugte Produkte auch fair zu entlohnen «, so der Landwirt.

Dr. Martin Schultze von der LWB Ressen-Lindchen GmbH gehe im Moment von relativ konstanten Erzeugerpreisen für Milch aus. »Ein weiteres Absinken des Milchpreises wäre ein Schock für mich. In der Kette vom TetraPak zur Kuh sind wir Landwirte das letzte und schwächste Glied. Der Preisdruck wird von oben nach unten durchgereicht.«

Lieber gezielt regional wählen

Schultze schlägt vor, dass der Lebensmitteleinzelhandel außerhalb seiner Geschäftsräume nur mit der Qualität nicht aber mit dem Preis von Lebensmitteln werben dürfe. Martin Schultze: »Gerade in der
Coronakrise mit vielen geschlossenen Grenzen sollte jedem der Wert einer regionalen Lebensmittelproduktion bewusst geworden sein. Die großen Discounter haben mit ihren Handelsmarken den Erzeuger nicht nur regional, sondern gar global austauschbar gemacht, was den Druck auf uns Produzenten weiter erhöht. Unser Ziel muss es sein, den Verbraucher weiter zu  sensibilisieren, das Kleingedruckte auf der Verpackung zu lesen und gezielt regional zu wählen.«

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Seepferdchen im Sommerferienkurs

Dresden. Normalerweise steht auf dem Stundenplan von Sachsens Zweitklässlern Schwimmunterricht. Vom Beckenrand ins Wasser springen, 25 Meter schwimmen und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser holen, dann haben die Sieben- bis Achtjährigen das Seepferdchen geschafft.Doch in diesen Schuljahr kam coronabedingt alles anders. Auf Schulschließung und Homeschooling folgte für die Grundschüler seit Mitte Mai nur noch Mathe-, Deutsch- und Sachkundeunterricht.  Stadtrat beschließt Sommerprogramm Weil nicht nur Schwimmunterricht ausfiel, sondern auch in vielen anderen Fächern vieles offen blieb, stellte die SPD-Fraktion im Stadtrat am 25. Juni den Antrag,  kurzfristig 100.000 Euro für die Organisation eines kommunalen Ferienkursprogramm bereitzustellen. Neben kostenlosen Schwimmkursen finden in diesen Tagen auch Kurse in Technik, Medien, Kunst und Musik statt.Erwartungsgemäß groß war die Nachfrage nach den Plätzen für die Seepferdchenkurse. 48 Kinder konnten insgesamt neun Stunden im Schwimmhallenkomplex Freiberger Straße trainieren, rund 30 weitere Kinder wurden an die BallsportArena verwiesen, wo ebenfalls Schwimmkurse stattfinden. Bildungsbürgermeister Jan Donhauser kündigte an, dass für die ehemaligen Zweitklässler in den kommenden Herbst- und Winterferien noch mal solche Kurse angeboten werden. Denn den ausgefallenen Unterricht kann diese Klassenstufe im neuen Schuljahr nicht   nachholen, da bereits die nächsten Seepferdchenanwärter buchstäblich am Beckenrand stehen und die Kapazitäten an Schwimmhallen und -lehrern auf keinen Fall größer werden. Zu viele Kinder können nicht schwimmen Sebastian Halgasch, früher Leistungsschwimmer und Jugendeuropameister, ist Schwimmlehrer am Schulzentrum in Klotzsche und hat gemeinsam mit weiteren vier Lehrern die Ferienkinder  betreut. Er weiß, wie wichtig das Schulschwimmen für die Kinder ist. »Von rund 1.200 Schülern können 500 zu Beginn der 2. Klasse nicht schwimmen«, sagt er. Die Tendenz sei steigend. Zwar bieten viele Kitas bereits Kurse für Fünf- und Sechsjährige an, doch nicht alle Eltern oder Alleinerziehende können es sich leisten, 14 Kurseinheiten zu je 45 Minuten für 285 Euro zu bezahlen.Normalerweise steht auf dem Stundenplan von Sachsens Zweitklässlern Schwimmunterricht. Vom Beckenrand ins Wasser springen, 25 Meter schwimmen und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser holen, dann haben die Sieben- bis Achtjährigen das…

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Neue Stellplätze für Caravans und Zelte

Radebeul. Wohnmobil- oder Caravanverleiher und -hersteller haben derzeit Hochkonjunktur, denn Urlaub im eigenen Land liegt coronabedingt voll im Trend. Überraschend schnell kamen in den letzten Wochen auch neue Stellplätze in Radebeul und Dresden dazu. So hat Schloss Wackerbarth einen Teil seiner Parkplätze kurzerhand in Flächen für 20 Wohnmobile oder Caravans umgewidmet. Seit 7. August bis Ende Oktober dürfen sie für zehn Euro pro Nacht auf dem vor zwei Jahren zusätzlich in Betrieb genommenen Ausweichparkplatz des Erlebnisweinguts stehen.  Blitzschnell hat auch die Stadt Radebeul reagiert und im Bilzbad Radebeul Campingstellflächen geschaffen. Seit kurzem gibt es hier ein Areal für 40 Zelte und 20 Caravans. Dafür wurden alte Hütten und ungenutzte Kabinen abgerissen sowie abschüssiges Gelände aufgeschüttet.  Sogar Stromanschlüsse und Nachtbeleuchtung gibt es und einen Wohnwagen mit Vorzelt und Campingküche, der gemietet werden kann. Duschen, Sanitäranlagen für die Camper und eine kleine Waschküche wurden im Keller der Bilz-Villa eingebaut. Insgesamt hat die Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH Radebeul 40.000 Euro investiert. Neue Plätze bietet auch die Stadt Dresden an. Seit 15. Juli können Camper einen Teil des weiträumigen Parkplatzes an der Pieschener Allee als Stellplatz nutzen. 40 Caravans finden Platz, das Angebot gilt bis 31. Oktober. Es gibt allerdings auf dem Platz weder Strom noch Wasser, dafür sind die Gäste in wenigen Gehminuten direkt in Dresdens historischer Altstadt. Rings um Dresden gibt es insgesamt rund 1.000 Campingstellflächen. Eine Übersicht über alle Stellplätze gibt es hier Wohnmobil- oder Caravanverleiher und -hersteller haben derzeit Hochkonjunktur, denn Urlaub im eigenen Land liegt coronabedingt voll im Trend. Überraschend schnell kamen in den letzten Wochen auch neue Stellplätze in Radebeul und Dresden dazu. So hat…

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