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"Krankes Gesundheitssystem" - Antworten der Ministerin - 01

Südbrandenburg. Jetzt antwortet die Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz auf unsere Fragen: Über Wochen besuchte WoKu Kliniken, Hausärzte und Pflegeeinrichtungen, ließ Leser zu Wort kommen, benannte die Probleme und bat die politisch Verantwortlichen um Antworten.

Region. Im ersten von insgesamt vier Fragekomplexen (Pflege, Kliniken, MDK, Hausärzte) soll es um das große Thema Pflege gehen. Lesen Sie ab jetzt wöchentlich die Ausführungen der Ministerin auf unsere Fragen.

Pflegeeinrichtungen ringen um Personal
Der Fachkräftebedarf in der Pflege hat viele Gründe, das liegt nicht nur an den schwierigen Arbeitsbedingungen. Allein durch die demografische Entwicklung steigt die Zahl der Pflegebedürftigen seit Jahren und künftig noch weiter an. Das trifft die ländlichen Regionen noch stärker als die Städte und den Osten stärker als den Westen. »Dagegen können wir zunächst nicht viel machen außer Kinder in die Welt setzen bzw. Familien fördern und die Zuwanderung und Ausbildung von Fachkräften unterstützen. Das tun wir auch«, sagt die sächsische Pflegeministerin Barbara Klepsch (CDU). So ist der Etat für Soziales im Doppelhaushalt 2019/2020 mit 2,2 Milliarden Euro so hoch wie noch nie.
Laut Statistik leben in Sachsen rund 205.000 Pflegebedürftige. Davon werden drei Viertel zu Hause betreut. »Ich habe eine hohe Achtung vor all jenen, die ihre Angehörigen selbst pflegen. Es ist unser erklärtes Ziel, dass möglichst viele Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können und dort gepflegt werden. Ich verstehe aber auch, dass das in der heutigen Arbeitswelt und aufgrund der jeweiligen gesundheitlichen und wohnlichen Situation nicht immer möglich ist«, so die Ministerin. 29,4 Prozent der Pflegebedürftigen (60.247 Personen) nehmen ambulante Pflegeleistungen in Anspruch und 24,9 Prozent (50.997 Personen) vollstationäre Pflegeleistungen.  
Um die Entwicklung abzumildern, hat Sachsen schon früh einen eigenen Weg eingeschlagen, hat regionale Pflegekoordinatoren etabliert, eine Pflegedatenbank ins Netz gestellt, fördert das altersgerechte Wohnen und holt die Akteure in regionalen Pflegedialogen an einen Tisch. Im vorpflegerischen Bereich fördert der Freistaat beispielsweise Alltagsbegleiter. Diese stehen betagten Menschen, die (noch) nicht pflegebedürftig sind, im Alltag unterstützend zur Seite. Sie helfen beim Einkauf, begleiten bei Behördengängen, zum Arzt oder zu Seniorentreffen, sie helfen im Haushalt, lesen vor, gehen mit zu Veranstaltungen oder auch in die Gemeindeversammlung. »Wir wollen nicht nur ein würdevolles Leben unserer älteren Mitmenschen, wir wollen auch, dass sie weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben, dass sie mitreden und mitgestalten. Gerade in diesen bewegten Zeiten ist es wichtig, dass sich die Erfahrenen und Besonnenen mit ihren Kompetenzen einbringen«, sagt Barbara Klepsch.

Hoher Bedarf an Alltagsbegleitern
Alltagsbegleiter können übrigens alle werden, die geeignet sind und sich ehrenamtlich nützlich machen wollen – der Bedarf ist groß, die Freude über die Hilfe auch. Zum Stand 2017 waren in Sachsen 1.333 Alltagsbegleiter unterwegs.
Zudem gibt es die Angebote zur Unterstützung im Alltag. Sie tragen dazu bei, Pflegepersonen zu entlasten, und helfen Pflegebedürftigen, möglichst lange  in ihrer häuslichen Umgebung zu bleiben, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und ihren Alltag weiterhin möglichst selbstständig bewältigen zu können.  
Angebote zur Unterstützung können sein: Betreuung insbesondere durch ehrenamtliche Helfer unter pflegefachlicher Anleitung, gezielte Entlastung bzw. beratende Unterstützung von pflegenden Angehörigen, Angebote zur Entlastung im Alltag. Zudem gibt es in Sachsen mehr als 2.000 Nachbarschaftshelfer. Sie entlasten zu Hause lebende Pflegebedürftige und Personen mit einem erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung.

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