Jan Hornhauer

Seine Herzensdame ist die Demokratie

Cottbus. Am 15. Februar: Lothar Judith vom "Cottbuser Aufbruch" kämpft mit anderen für ein weltoffenes Cottbus.

Lothar Judith ist kein Ritter im klassischen Sinne. Er trägt Brille statt Helm, hat anstelle einer wallenden Mähne lichtes, blassblondes Haar und seine Statur ist auch eher gedrungen als stattlich. Dennoch geht er in bester Ritter-Manier mit offenem Visier auf seine Gegner los. Am 15. Februar will er als Mitorganisator zweier Gegendemonstrationen gegen den NPD-Aufmarsch Flagge zeigen - für ein weltoffenes, tolerantes und buntes Cottbus.Musik und Kaffee - das sind die Lebenselixiere des 55-Jährigen. Musik hört er tagtäglich, natürlich nicht nur die seiner Band, in der er der Sänger ist. An diesem sonnig-kalten Morgen grüßt er seine 560 Facebook-Freunde mit einem Problem, sein anderes Lebenselixier betreffend. "Was soll man schon von einer Woche erwarten, die nicht nur mit einem Montag sondern auch mit einer kaputten Kaffeemaschine beginnt?" Obwohl die Koffeinzufuhr fehlt, mangelnden Arbeitseifer kann man dem Vorstandsmitglied des Cottbuser Aufbruchs nicht attestieren. "Es gibt eine Menge zu tun. Strategien besprechen, Informationen von Polizei und Ordnungsamt einholen, mit den Leuten der Gruppe ´Cottbus Nazifrei´ sprechen oder Plakatentwürfe diskutieren", zählt er auf, während er genüsslich an einer Zigarette zieht. Wenigstens die sind reichlich vorhanden. Eine nach der anderen holt er aus dem schwarzen Etui auf seinem Küchentisch. Der "Cottbuser Aufbruch" wurde im Jahr 1999 als Forum für Toleranz und Demokratie gegründet. Seit Lothar Judith 2003 von Berlin in die Lausitzmetropole gekommen ist, engagiert er sich für die Ziele des Bündnisses. Diese Werte wurden dem gebürtigen Ruhrpottler in die Wiege gelegt. 1957 in Wanne-Eickel geboren, wuchs er in einer Bergarbeitersiedlung auf. Sein Vater ging selbst unter Tage arbeiten. Rau aber ehrlich ging es damals zu: "Beim Fußball spielen hinterm Haus war kein Platz für Nazis. Wir haben mit jedem gebolzt, ob Pole, Türke oder Deutscher." Dieses Selbstverständnis will er heute vor allem jüngeren Menschen vermitteln. Es ist sogar Teil seines Berufslebens, denn nach seinem Abschluss der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum ging Lothar Judith zum Deutschen Gewerkschafterbund (DGB). "Mein Arbeitgeber unterstützt mich in dieser Beziehung sehr, denn ich werde stets freigestellt wenn Veranstaltungen vom Aufbruch anliegen." So auch am 15. Februar, wenn ein breites Bündnis gesellschaftlicher Kräfte gegen den NPD-Aufmarsch protestiert. In dieser Frage hat er eine große Überzeugung. Kein Gedanke der Unsicherheit oder des Zweifelns befällt ihn, wenn es um den Kampf gegen Rechts geht. Auch wenn das nicht immer einfach ist. "Klar, eine Morddrohung habe ich auch schon bekommen. Na ja, solche Einschüchterungen gehören dazu, entmutigen aber niemanden von uns."Die Musik als zweites Lebenselixier sorgt in diesen Momenten für Entspannung. Fast schon ins Schwärmen gerät er, wenn es um die "Auwangu Sons" geht. Das Trio gibt es seit September 2012. Die Musik gibt ihm einen wichtigen Ausgleich. Doch nicht nur das, bei ihm spürt jeder die Freude an der Musik. In der leicht chaotischen Junggesellen-Wohnung sieht es entsprechend aus: Bandfotos, Songtexte und Eintrittskarten an der Pinwand. In der Ecke eine Gitarre und aus dem Küchenradio, das im Gegensatz zur Kaffeemaschine funktioniert, klingen (natürlich) die "Auwangu Sons". Er steht dabei für das "Wan", neben "Au" für Augsburg und "Gu" für die Neißestadt Guben. "Wanne-Eickel ist meine Heimatstadt. Klar, dazu stehe ich. Die Ost-West-Diskussion hat mich ohnehin nie berührt. Ich wurde nie als ´Besser-Wessi´ behandelt." Vielmehr schätzten seine Wegbegleiter die ihm eigene Kreativität und die Ideen, ob in der Band oder im Cottbuser Aufbruch. Diese Eigenschaften sind auch im Vorfeld des 15. Februar wieder gefragt. Diesen Tag nutzen Neonazis Jahr für Jahr, um das Jahresgedächtnis des Bombenangriffs auf Cottbus 1945 für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Im Vorjahr stellten sich ihnen rund 2.000 Menschen entgegen. "Als Streiter für Demokratie müssen wir den Mund aufmachen. Daher gilt es, so viele Menschen wie möglich mitzunehmen. Die schweigende Masse ist in der Überzahl. Diese wollen wir erreichen, 2.000 Menschen wie letztes Jahr sind bei einer Stadt von 100.000 Einwohnern zu wenig!" Gemeinsam mit der anderen Initiativgruppe "Cottbus Nazifrei" entwickelt der "Cottbuser Aufbruch" derzeit Strategien, wie ein deutliches Zeichen gegen Rechts gesetzt werden kann. Wer ihn kennt, der weiß, dass  Ritter Lothar Judith in den Kampf um seine Herzensdame die Demokratie manch überzeugende Idee einbringt.Jan Hornhauer

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Mütter als Fels der Familie

Sachsen. Das Müttergenesungswerk ruft unter dem Motto #gemeinsamstark zu Spenden und Sammlungen für Mütter auf. Elke Büdenbender, Schirmherrin des Müttergenesungswerks betont in ihrem Spendenaufruf: »Gerade jetzt ist jegliche Unterstützung von großer Bedeutung, um die Familien in unserem Land in diesen herausfordernden Zeiten und darüber hinaus zu stärken!« Jeder Tag müsste Muttertag sein Am Muttertag erfahren die Leistungen und Lasten von Müttern die dringend notwendige Aufmerksamkeit und Wertschätzung. »Viel zu oft wird diese alltägliche Familienarbeit, die ein wichtiger Beitrag zu unserem gesellschaftlichen Leben ist, als selbstverständlich hingenommen,« sagt Schirmherrin Büdenbender. Eigentlich müsste jeder Tag Muttertag sein. Eines ist jedoch klar: Seit mehr als einem Jahr herrscht Ausnahmezustand und besonders Mütter spüren den Druck und die Auswirkungen der Corona-Pandemie: Schule und Kinderbetreuung fallen aus, das Arbeitsleben verlagert sich für viele auf das Zuhause, die Pflege von Angehörigen ist oftmals nur unter erschwerten Bedingungen zu gewährleisten und dann noch der Haushalt. Die Mehrfachbelastung unter diesen extremen Bedingungen zwingt die Stärkste in die Knie. Und genau das passiert: Irgendwann kommt der Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Erschöpfung setzt ein, ein Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderung und die Gesundheit leidet. Unterstützung durchs Müttergenesungswerk Oft zu spät suchen sich Mütter dann Hilfe. Das Müttergenesungswerk, das sich seit über 70 Jahren für die Gesundheit von Müttern einsetzt, ein Beratungsnetz und Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Mutter und Kind anbietet – auch für Väter. In den dreiwöchigen Kuren profitieren Teilnehmer von einem gendersensiblen Kurangebot, das individuell auf die Bedürfnisse und die Lebenssituation in der Familie zugeschnitten ist. Durch verschiedene Therapien und den Austausch mit anderen Müttern gewinnen die Frauen Abstand vom Alltag, tanken Kraft, erhalten neue Impulse und verändern den Blick auf Zuhause. Spenden hilft konkret Die Arbeit des Müttergenesungswerks ist u.a. durch Spenden möglich: Information, Aufklärung, Beratungsarbeit und Nachsorge sowie ganz konkret mit direkten finanziellen Kur-Zuschüssen für Mütter. Gemeinsam kann man sich für Mütter stark machen. Hilfe durch: Haus- und Straßensammlung des Müttergenesungswerks direkte Spende: www.gemeinsam-stark.social/spenden Spendenkonto: IBAN: DE13 7002 0500 0008 8555 04 / BIC: BFSWDE33MUEDas Müttergenesungswerk ruft unter dem Motto #gemeinsamstark zu Spenden und Sammlungen für Mütter auf. Elke Büdenbender, Schirmherrin des Müttergenesungswerks betont in ihrem Spendenaufruf: »Gerade jetzt ist jegliche Unterstützung von großer…

weiterlesen