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System Schule: Hier läuft was schief

Cottbus. Nicht erst seit der Corona-Pandemie sind die eindeutigen und vielfältigen Missstände im deutschen Bildungssystem bekannt. Seit Jahren schocken die schlechten PISA Ergebnisse, die Deutschlands Schülerinnen und Schüler erzielen, die Experten. Die Ursachen dafür sind vielseitig.

Deutschland steuert auf einen Bildungsnotstand zu. Das prognostizieren Bildungsexperten schon länger. Im internationalen Vergleich befinden wir uns derzeit zwar noch im oberen mittleren Bereich, jedoch wird der Abstand zur Elite immer größer. Denn viele der alle drei Jahre getesteten 15-Jährigen kommen nicht einmal mit den einfachsten Aufgaben in den Kompetenzfeldern: Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften klar. Woran liegt das? Ungleiche Benotung und Bildungsstandards in den einzelnen Bundessländern, ein Mangel an qualifizierten Lehrkräften, maroder Zustand der Schulgebäude sowie die nicht vorhandene digitale Ausstattung von Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Klassenzimmern tragen dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler nur unzureichend, gefördert werden können.

Lehrkräfte sollten Schülerinnen und Schüler mit Wissen und Fähigkeiten für den weiteren Lebensweg rüsten und sie bei der persönlichen Entwicklung unterstützen. Aber wie sollen sie das, wenn die Rahmenbedingungen dafür nicht gegeben und sie selbst in mancher Hinsicht nicht mal zeitgemäß aus- bzw. weitergebildet sind?

Jetzt, während des Pandemie-Geschehens, besuchen Schülerinnen und Schüler über Monate hinweg den Schulunterricht nicht mehr. Stattdessen müssen sie zu Hause lernen. Nur mit welchem Resultat? Die Folgen der entstandenen Lerneinbußen sind groß und werden schwer aufzuholen sein.

Homeschooling

Und wie genau sieht das Homeschooling bisher nun aus? »Es gibt eine große Bandbreite, von sehr aktiven Schulen und Lehrkräften bis hin zur bloßen Übergabe eines wöchentlichen Aufgabenzettels«, sagt Maik Jorsch-Schuppe, Sprecher des Kreiselternrates in Cottbus und er betont weiter: »Diverse schulische Gremien und andere Interessierte, die das »Recht auf Bildung« nicht nur als Lippenbekenntnis führen, sondern diesem Recht zum Durchbruch verhelfen wollten, hatten bereits vor den Sommerferien im vergangenen Jahr Konzepte eingefordert, die für den Fall erneuter Schulschließungen Orientierung und Planbarkeit hätten geben können. Es wäre die Pflicht der Bildungsministerin gewesen, ein solches zeitnah vorzulegen.«

Brief an den Ministerpräsidenten

In einem Brief des Elternrates an den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke heißt es u.a.: »Warum haben einige Schüler immer noch keinen Laptop, obwohl das Ministerium diese Unterstützung im vergangenen Jahr vollmundig zugesagt hatte und sich dafür selbst gelobt hat? Unsere Kinder haben ein Recht auf bestmögliche Bildung. Unsere Lehrer müssen in die Lage versetzt werden, diese Bildung ermöglichen zu können. Das Bild, was das Bildungsministerium seit einem Jahr abgibt, ist schlichtweg inakzeptabel.« Mit Nachdruck fordert der Elternrat dazu auf, Bildungsministerin Ernst den Rücktritt nahezulegen und dieses so wichtige Amt mit einem geeigneten Nachfolger bzw. einer geeigneten Nachfolgerin neu zu besetzen.

Die FDP Lausitz schließt sich der Forderung des Kreiselternrates Cottbus nach dem Rücktritt von Bildungsministerin Britta Ernst an. Die FDP-Kreisvorsitzende Laura Schieritz, selbst Lehrerin, erklärt dazu: »Auch nach einem Jahr Lockdown sind Brandenburgs Schulen nicht auf einen pandemiesicheren Unterricht vorbereitet. Die Digitalisierung der Schulen wurde seit Jahren verschleppt. Leider wird in unserem Land jeder Fortschritt durch die enorme Bürokratie ausgebremst. Der DigitalPakt Schule war beispielsweise ein wichtiger Schritt. Bei der jetzigen Geschwindigkeit der Auszahlungen an die Schulen werden die 5,5 Milliarden aber erst 2049 vollständig abgeflossen sein. Schuld sind vor allem unfassbar bürokratische Förderrichtlinien. Die Politik muss endlich die Bedingungen dafür schaffen, damit digitaler Unterricht gelingen kann.«

Das Recht auf Bildung ist ein hohes Gut. Denn Bildung ist für die Entwicklung und für die persönliche Entfaltung ausschlaggebend. Dieses Recht ist aber nicht nur jetzt im Krisenzustand. WochenKurier wird in den folgenden Wochen auf die Probleme näher eingehen und u.a. Schüler*innen,Lehrkräfte sowie Politiker zu Wort kommen lassen.

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Kommentar von Ines
Prima! Endlich wird das Thema direkt angesprochen. Der Umgang mit den Kindern und Jugendlichen innerhalb des Bildungssystems ist realitätsfern. Die Abschlussjahrgänge werden mit ihren Sorgen zur bevorstehenden Prüfung nicht ernst genommen, andere Jahrgänge im Stich gelassen und ernst zu nehmende Kritiken an dem Umgang mit der Bildung in der Pandemie überhört! Dafür vertraut das Bildungsministerium auf die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Jugend, das soll wohl heissen:"Prima, wie ihr das auch allein hinbekommt!" Noch spannender wird es für die nächsten Jahrgänge. Wie soll ein Schuljahr aufgeholt werden?
Hoffentlich schließen sich viele der Forderung des Elternbeirates an.