Jan Hornhauer

Teuflische Kristalle aus Chemieküchen

Cottbus. Billig und gefährlich: Experten sehen drastischen Anstieg der Partydroge Crystal in der Lausitz.

Fahle fleckige Haut, eingefallene Gesichtspartie, rasche Alterung, verfaulte Zähne: Schon nach kurzer Zeit entfaltet die "Zombie-Droge" Crystal ihre fatale Wirkung auf den menschlichen Körper. Von Osteuropa her kommend wird diese Droge zunehmend in der Lausitz konsumiert. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Grenzstadt Forst.Die beschauliche Kreisstadt mit dem Rosengarten hat sich zu einem Zentrum der Lausitzer Crystal-Szene entwickelt. Das sind zumindest die Beobachtungen von Holger Geerds von der Suchtberatung des Tannenhof Berlin-Brandenburg. "Auf die Einwohnerzahl gesehen gibt es hier eine auffällige Häufung der Crystal-Konsumenten", so der Suchttherapeut. Doch auch in Cottbus nimmt die Zahl der Konsumenten seit zwei Jahren stetig zu. Genaue Zahlen kennt der Experte nicht, er kann nur über die Fälle berichten, die ihn zur Beratung aufsuchen.

 

Als Ursache sieht er vor allem die Perspektivlosigkeit der Menschen, etwa durch Arbeitslosigkeit, und die Nähe zur Grenze. Denn das  Rauschgift, welches in kristalliner Form an Eiskristalle oder kleinere Milchglassplitter erinnert, wird hauptsächlich in osteuropäischen Ländern wie Polen oder der Tschechischen Republik hergestellt.

Doch was macht Crystal so gefährlich? Darauf weiß der Suchttherapeut eine einfache Antwort: "Es passt in die Zeit. Heute geht es in der Gesellschaft doch nur darum, dass man mehr leistet und dabei schneller und besser ist - egal ob im Privatleben oder auf der Arbeit. Man kann das ohne Drogen schaffen, in dem man sich enorm anstrengt. Oder eben auf die einfache Art mit Crystal."

Dabei ist die Droge weder neu noch exotisch. Bereits 1893 wurde durch einen japanischen Wissenschaftler erstmals das Methamphetamin hergestellt. Im Zweiten Weltkrieg nutzte es die Wehrmacht als Medikament (Perventin), um bei den Frontsoldaten Angst-, Schmerz- und Hungerempfinden zu senken - die sogenannte "Panzerschokolade". Perventin selbst war bis 1988 als Medikament frei erhältlich.

Die zerstörerische Wirkung als Partydroge kommt laut Suchtexperte Holger Geerds vor allem durch die Kombination mit anderen Drogen. "Die Erfahrung zeigt, dass ein Großteil der Konsumenten nicht nur eine Droge konsumiert. Cannabis, Speed, Ecstasy - was sie wollen. Am häufigsten jedoch Alkohol."

In Spremberg und Guben befindet sich die Psychiatrie, die den Vollversorgungsauftrag für den Spree-Neiße-Kreis wahrnimmt. Geleitet wird sie von Dr. med. Volker Kalina. Etwa zehn Prozent sind drogenabhängig. Trotzdem ist man hier mit dem Problem und seinen Auswirkungen vertraut. Dr. Kalina warnt vor dem Konsum von Crystal: "Vor allem, weil das, was da unter der Hand verkauft wird, nicht professionell hergestellt und verunreinigt ist. Dadurch kommt es häufig zu schweren körperlichen Schäden." Beobachtet haben die Mediziner außerdem, dass Crystal als Katalysator für Schizophrenie wirkt. "Die psychische Abhängigkeit ist genauso dramatisch wie die körperliche. Der Drang, das Mittel wieder und wieder zu nehmen wird meist schnell sehr groß", sagt der Mediziner.

Über den Willen zum Ausweg aus der Sucht können letztlich nur die Betroffenen selbst entscheiden. Doch wie Suchtexperte Holger Geerds betont, kann dabei das persönliche Umfeld eine wichtige Stütze sein: "Freunde oder Familie können am besten helfen, wenn sie die Person direkt auf den Drogenkonsum ansprechen und Hilfe anbieten. Oder einfach fragen, wie es ihm geht." Der weitere Weg wird dann individuell mit dem Klienten abgestimmt. Auch die Therapieform wird im Anschluss abgestimmt, wobei am häufigsten die stationäre Einweisung in eine Fachklinik erfolgt.

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